Datum: 14.12.2012 Axel Springer Schweiz AG 8021 Zürich 043/ 444 55 20 www.bilanz.ch Medienart: Print Medientyp: Publikumszeitschriften Auflage: 39'773 Erscheinungsweise: 26x jährlich Spielsachenumsätze sind die einzigen, die mehr oder weniger eindeutig dem Nach- wuchs zugerechnet werden können: Pro Jahr geben Eltern laut Marktforschungs- institut IHA-GfK dafür 450 Millionen Franken aus und 270 weitere Millionen für Themen-Nr.: 999.51 Abo-Nr.: 1086740 Seite: 76 Fläche: 163'952 mm² zum Beispiel ein Besuch des knapp zweistündigen Spektakels Art on Ice mit dem Stargast Leona Lewis. Vier Sitze in der 22. Reihe im Business-Block kosten stolze 792 Franken. Oder luxuriöse Weihnachten und Neu- Computerspiele und Spielkonsolen, ein jahr in exotischen Gefilden. «Solche ArGeschäft mit kommerziellen Höhenflügen dank dem Christkind. Auch dieses Jahr gehören die Nintendo-Konsolen Wii U und Premium Pack Black zu den Bestsellern beide kosten mehrere hundert Franken. Konsum-Eskalation. Mit ihrer Verbreitung rangements für Familien laufen sehr gut», sagt Peter Brun, Kommunikationschef von Kuoni, und gibt zwei Beispiele aus dem aktuellen Angebot: zwei Wochen auf der kleinen Insel Kuda Huraa im Indischen Ozean für 64 470 Franken für zwei Erwachsene und zwei Kinder unter zwölf verlieren Statussymbole aber an Reiz Jahren. Im Preis inbegriffen sind der Flug und müssen ersetzt werden durch Exklusimit Edelweiss Air, ein Beach Bungalow des veres, das die Möglichkeiten der Mehrheit «Four Seasons Maldives» und das Frühübersteigt. Dass T-Shirts und Jacken von stück. Ähnlich teuer sind die ersten beiden Abercrombie & Fitch hierzulande KultstaJanuarwochen auf Barbados in einer Suite tus erlangt haben, hängt vor allem damit des Fünfsternehotels Sandy Lane. Dieses zusammen, dass es sie bis vor kurzem nur Arrangement für Vater, Mutter und zwei in den USA zu kaufen gab. Für Status sorJunioren kostet 61 476 Franken. gen zunehmend auch exklusive Erlebnisse: Forschung «Man kann kein Genie erzeugen» Die ETH-Lehr-und-Lernforscherin Elsbeth Stern über die beschränkte Intelligenz von Kindern und über Englisch in der Kinderkrippe. BILANZ: Frau Stern, wovon hängt eigentlich ab, wie gut ein Kind lernt? bestimmten Bedingungen entfalten. Ein Kind, das optimal gefördert wird und Elsbeth Stern: Von der Intelligenz und einen Intelligenzquotienten (IQ) von 120 diese wiederum von den Genen. Man erreicht, hat aus seinen Genen wahrkann kein Genie erzeugen. scheinlich sein Optimum herausgeholt. Bei einem Kind, das einen IQ von 110 auf- Was ist der aktuelle Konsens in der Wissenschaft über den Einfluss von Genen und Umwelt auf die Intelligenz? Das Gerangel um Zahlen trifft nicht den weist, aber weniger intensiv gefördert wurde, weiss man hingegen nicht, was möglich gewesen wäre. Die Möglichkeiten sind allerdings nicht grenzenlos. Kern der Sache. Es gibt Gene, die unter Intelligenz kann also nicht mit Kursen unterschiedlichen Umweltbedingungen erkauft werden? zur gleichen Merkmalsausprägung fühNein. Und man kann nicht eindeutig von ren. Beispielsweise Gene, die für die der Intelligenz der Eltern auf die des KinHautfarbe zuständig sind. Andere Gene des schliessen. Wenn zwei sehr intelliwie diejenigen, welche die Intelligenz gente Leute ein Kind haben, ist die Wahrbeeinflussen, können sich lediglich unter scheinlichkeit gross, dass ihr Kind etwas Medienbeobachtung Medienanalyse Informationsmanagement Sprachdienstleistungen ARGUS der Presse AG Rüdigerstrasse 15, Postfach, 8027 Zürich Tel. 044 388 82 00, Fax 044 388 82 01 www.argus.ch Argus Ref.: 48277146 Ausschnitt Seite: 6/7 Bericht Seite: 25/26 Datum: 14.12.2012 Axel Springer Schweiz AG 8021 Zürich 043/ 444 55 20 www.bilanz.ch Medienart: Print Medientyp: Publikumszeitschriften Auflage: 39'773 Erscheinungsweise: 26x jährlich Themen-Nr.: 999.51 Abo-Nr.: 1086740 Seite: 76 Fläche: 163'952 mm² weniger intelligent sein wird als sie Was halten Sie von Frühförderung? selbst, weil es nach oben Grenzen gibt. Sie basiert auf der Annahme, es gebe senZwei nicht so helle Lichter haben ande- sible Phasen fürs Lernen und wer die verrerseits mit einiger Wahrscheinlichkeit passe, verpasse eine einmalige Chance. ein Kind, das intelligenter ist als sie. Warum schicken immer mehr Eltern ihre Kinder in Förderkurse Bis heute fehlen die Belege, dass Frühförderung wirklich nachhaltige Auswirkun- gen auf den Erfolg des Kindes hat. Wir können auch mit 20 noch schreiben lerund Nachhilfeunterricht? Sie haben Angst, dass ihre Kinder den nen. Schrift gibt es erst seit etwa 5000 Anschluss verpassen. Bei Eltern, die in- Jahren, der genetische Bauplan für unser telligent sind und in der Gesellschaft weit Gehirn ist aber nach allem, was wir wisoben stehen, kommt zusätzlicher Druck sen, mindestens 40000 Jahre alt. auf, dass auch ihr Kind reüssiert. Das ist menschlich. Aber ein Kind von intelli- Wenn Sie Kinder hätten, wie würden Sie genten, erfolgreichen Eltern, welches das sie fördern? Gymnasium nicht packt, ist nicht krank Ich würde sicher nicht irgendwelchen oder falsch erzogen, die Kombination Schnickschnack über die Wiege hängen, von Genen bei der Befruchtung ähnelt um Synapsenverbindungen zu fördern. Das kindliche Gehirn entwickelt sich einfach einem Vabanquespiel. weitgehend selbst gesteuert. Was Kinder Trotzdem wollen alle ihre Kinder unbedingt brauchen, ist emotionale Geins Gymnasium schicken. Ja, es entsteht zuweilen der Eindruck, borgenheit, Zuwendung - und sprachliman könne die Matura kaufen, wenn che Interaktion. Deshalb halte ich die man Daten zum Einfluss der sozialen steigende Zahl der Handy-Eltern für ein Herkunft sieht. Daten aus Deutschland schädliches Phänomen. Bereits sehr zeigen, dass Oberschichtkinder mit kleine Kinder erschliessen die Bedeuunterdurchschnittlichem IQ eine beacht- tung der Welt vorwiegend aus der liche Chance haben, eine Empfehlung Sprache. Wenn Babys aber Sprache fürs Gymnasium zu bekommen. Hinge- vorwiegend in Form von Handytelefogen ist für Kinder aus unteren sozialen naten ihrer Eltern erleben, können sie Schichten, die einen weit überdurch- damit nichts anfangen. schnittlichen IQ haben, eine Empfehlung Und wie viel bringen eigentlich nicht selbstverständlich. Und das bei zweisprachige Kinderkrippen und einer Gymnasialquote von gegen 40 Pro- Frühchinesisch? zent. Es kann aber nicht im Interesse Man sollte nicht zu grosse Erwartungen einer Gesellschaft sein, dass dank För- haben. Wer eine Sprache gut lernen derkursen unzureichend intelligente soll, muss sie mindestens in 40 Prozent Oberschichtkinder ins Gymnasium kom- seiner Zeit sprechen. Das ist in der Regel men und dort die Plätze besetzen. Es aber nur gegeben, wenn ein Familiensollten die richtigen Kinder ins Gymna- mitglied die entsprechende Sprache zu sium gehen können, also solche, die Hause spricht. intelligent und leistungsbereit sind. Medienbeobachtung Medienanalyse Informationsmanagement Sprachdienstleistungen ARGUS der Presse AG Rüdigerstrasse 15, Postfach, 8027 Zürich Tel. 044 388 82 00, Fax 044 388 82 01 www.argus.ch Argus Ref.: 48277146 Ausschnitt Seite: 7/7 Bericht Seite: 26/26
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