Über Intelligenz und Intelligenzunterschiede (Weltwoche, 20. Dezember 2012) (PDF, 236 KB)

Datum: 14.12.2012
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Spielsachenumsätze sind die einzigen, die
mehr oder weniger eindeutig dem Nach-
wuchs zugerechnet werden können: Pro
Jahr geben Eltern laut Marktforschungs-
institut IHA-GfK dafür 450 Millionen
Franken aus und 270 weitere Millionen für
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zum Beispiel ein Besuch des knapp zweistündigen Spektakels Art on Ice mit dem
Stargast Leona Lewis. Vier Sitze in der
22. Reihe im Business-Block kosten stolze
792 Franken.
Oder luxuriöse Weihnachten und Neu-
Computerspiele und Spielkonsolen, ein jahr in exotischen Gefilden. «Solche ArGeschäft mit kommerziellen Höhenflügen
dank dem Christkind. Auch dieses Jahr gehören die Nintendo-Konsolen Wii U und
Premium Pack Black zu den Bestsellern beide kosten mehrere hundert Franken.
Konsum-Eskalation. Mit ihrer Verbreitung
rangements für Familien laufen sehr gut»,
sagt Peter Brun, Kommunikationschef von
Kuoni, und gibt zwei Beispiele aus dem
aktuellen Angebot: zwei Wochen auf der
kleinen Insel Kuda Huraa im Indischen
Ozean für 64 470 Franken für zwei Erwachsene und zwei Kinder unter zwölf
verlieren Statussymbole aber an Reiz Jahren. Im Preis inbegriffen sind der Flug
und müssen ersetzt werden durch Exklusimit Edelweiss Air, ein Beach Bungalow des
veres, das die Möglichkeiten der Mehrheit
«Four Seasons Maldives» und das Frühübersteigt. Dass T-Shirts und Jacken von
stück. Ähnlich teuer sind die ersten beiden
Abercrombie & Fitch hierzulande KultstaJanuarwochen auf Barbados in einer Suite
tus erlangt haben, hängt vor allem damit
des Fünfsternehotels Sandy Lane. Dieses
zusammen, dass es sie bis vor kurzem nur
Arrangement für Vater, Mutter und zwei
in den USA zu kaufen gab. Für Status sorJunioren kostet 61 476 Franken.
gen zunehmend auch exklusive Erlebnisse:
Forschung
«Man kann kein Genie erzeugen»
Die ETH-Lehr-und-Lernforscherin Elsbeth Stern über die beschränkte Intelligenz
von Kindern und über Englisch in der Kinderkrippe.
BILANZ: Frau Stern, wovon hängt
eigentlich ab, wie gut ein Kind lernt?
bestimmten Bedingungen entfalten. Ein
Kind, das optimal gefördert wird und
Elsbeth Stern: Von der Intelligenz und einen Intelligenzquotienten (IQ) von 120
diese wiederum von den Genen. Man erreicht, hat aus seinen Genen wahrkann kein Genie erzeugen.
scheinlich sein Optimum herausgeholt.
Bei einem Kind, das einen IQ von 110 auf-
Was ist der aktuelle Konsens in der
Wissenschaft über den Einfluss von
Genen und Umwelt auf die Intelligenz?
Das Gerangel um Zahlen trifft nicht den
weist, aber weniger intensiv gefördert
wurde, weiss man hingegen nicht, was
möglich gewesen wäre. Die Möglichkeiten sind allerdings nicht grenzenlos.
Kern der Sache. Es gibt Gene, die unter
Intelligenz kann also nicht mit Kursen
unterschiedlichen Umweltbedingungen
erkauft werden?
zur gleichen Merkmalsausprägung fühNein. Und man kann nicht eindeutig von
ren. Beispielsweise Gene, die für die
der Intelligenz der Eltern auf die des KinHautfarbe zuständig sind. Andere Gene
des schliessen. Wenn zwei sehr intelliwie diejenigen, welche die Intelligenz
gente Leute ein Kind haben, ist die Wahrbeeinflussen, können sich lediglich unter
scheinlichkeit gross, dass ihr Kind etwas
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weniger intelligent sein wird als sie Was halten Sie von Frühförderung?
selbst, weil es nach oben Grenzen gibt. Sie basiert auf der Annahme, es gebe senZwei nicht so helle Lichter haben ande- sible Phasen fürs Lernen und wer die verrerseits mit einiger Wahrscheinlichkeit passe, verpasse eine einmalige Chance.
ein Kind, das intelligenter ist als sie.
Warum schicken immer
mehr Eltern ihre Kinder in Förderkurse
Bis heute fehlen die Belege, dass Frühförderung wirklich nachhaltige Auswirkun-
gen auf den Erfolg des Kindes hat. Wir
können auch mit 20 noch schreiben lerund Nachhilfeunterricht?
Sie haben Angst, dass ihre Kinder den nen. Schrift gibt es erst seit etwa 5000
Anschluss verpassen. Bei Eltern, die in- Jahren, der genetische Bauplan für unser
telligent sind und in der Gesellschaft weit Gehirn ist aber nach allem, was wir wisoben stehen, kommt zusätzlicher Druck sen, mindestens 40000 Jahre alt.
auf, dass auch ihr Kind reüssiert. Das ist
menschlich. Aber ein Kind von intelli- Wenn Sie Kinder hätten, wie würden Sie
genten, erfolgreichen Eltern, welches das sie fördern?
Gymnasium nicht packt, ist nicht krank Ich würde sicher nicht irgendwelchen
oder falsch erzogen, die Kombination Schnickschnack über die Wiege hängen,
von Genen bei der Befruchtung ähnelt um Synapsenverbindungen zu fördern.
Das kindliche Gehirn entwickelt sich
einfach einem Vabanquespiel.
weitgehend
selbst gesteuert. Was Kinder
Trotzdem wollen alle ihre Kinder
unbedingt brauchen, ist emotionale Geins Gymnasium schicken.
Ja, es entsteht zuweilen der Eindruck, borgenheit, Zuwendung - und sprachliman könne die Matura kaufen, wenn che Interaktion. Deshalb halte ich die
man Daten zum Einfluss der sozialen steigende Zahl der Handy-Eltern für ein
Herkunft sieht. Daten aus Deutschland schädliches Phänomen. Bereits sehr
zeigen, dass Oberschichtkinder mit kleine Kinder erschliessen die Bedeuunterdurchschnittlichem IQ eine beacht- tung der Welt vorwiegend aus der
liche Chance haben, eine Empfehlung Sprache. Wenn Babys aber Sprache
fürs Gymnasium zu bekommen. Hinge- vorwiegend in Form von Handytelefogen ist für Kinder aus unteren sozialen naten ihrer Eltern erleben, können sie
Schichten, die einen weit überdurch- damit nichts anfangen.
schnittlichen IQ haben, eine Empfehlung Und wie viel bringen eigentlich
nicht selbstverständlich. Und das bei zweisprachige Kinderkrippen und
einer Gymnasialquote von gegen 40 Pro- Frühchinesisch?
zent. Es kann aber nicht im Interesse Man sollte nicht zu grosse Erwartungen
einer Gesellschaft sein, dass dank För- haben. Wer eine Sprache gut lernen
derkursen unzureichend intelligente soll, muss sie mindestens in 40 Prozent
Oberschichtkinder ins Gymnasium kom- seiner Zeit sprechen. Das ist in der Regel
men und dort die Plätze besetzen. Es aber nur gegeben, wenn ein Familiensollten die richtigen Kinder ins Gymna- mitglied die entsprechende Sprache zu
sium gehen können, also solche, die Hause spricht.
intelligent und leistungsbereit sind.
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