HISBUS-Kurzinformation Nr. 17 Bachelor! Was sonst? Abschlussarten deutscher Studienanfänger im WS 2006/07 Abschlussarten bei deutschen Studienanfängern 1. WS 2006/07: Durchbruch für den Bachelor-Abschluss Auf dem Weg zur Errichtung des europäischen Hochschulraumes im Rahmen des Bologna-Prozesses werden seit einigen Jahren an immer mehr deutschen Hochschulen Bachelor- und Master-Studiengänge eingeführt. Mittlerweile sind laut HRK-Statistik 45 % (WS 2006/07) des Studienangebotes an deutschen Hochschulen umgestellt. An einer Reihe von Hochschulen stellen Bachelor- und Master-Abschlüsse bereits das Regelangebot. Im Wintersemester 2006/07 haben sich 48% der Studienanfängerinnen und Studienanfänger für einen Bachelor-Studiengang entschieden (inklusive der Bachelor, mit dem Ziel Lehramt). Im Vergleich zum Vorjahr legt diese Abschlussart damit um 18 Das WS 2006/07 ist als Durchbruch anzuProzentpunkte zu. Ein Universisehen: Unabhängig von Geschlecht, Hochtätsdiplom streben 18 % an, ein schulart oder Fächergruppe – ausgenomFachhochschuldiplom 10% (gemen Rechtswissenschaften, Medizin und genüber 26 % an Universitäten, die Lehramtsstudiengänge – ist der Bachrespektive 19 % an Fachhochelor die Abschussart mit den größten Anschulen im vorhergehenden teilen. Wintersemester 05/06). Beide Abschlussarten verlieren mit der Verbreitung der Bachelorstudiengänge kontinuierlich an Bedeutung. Nur noch 4 % der Studienanfänger haben sich für einen Magisterstudiengang entschieden, 8 % für einen Studiengang, der zu einem Staatsexamen führt. Im Vergleich zum WS 05/06 ist die Besetzung der Lehramtsstudiengänge nahezu gleich geblieben (WS 2005/06 10 % vs. WS 2006/07 11 %). Dies ergeben vorläufige Zahlen der HIS-Studienanfängerbefragung aus dem WS 2006/07. Abb. 1 Deutsche Studienanfänger nach angestrebter Abschlussprüfung, im Zeitverlauf (in Prozent) 80 70 60 50 WS 98/99 WS 00/01 WS 03/04 WS 04/05 WS 05/06 Diplom (FH und Uni z 66 67 62 58 4 12 11 9 Uni zusammengefasst) 8 Magister Diplom (FH und 9 15 Bachelor 1 5 3 11 8 8 8 Staatsexamen (ohne Magister 9 9 11 10 1 Staatsexamen für Leh 40 30 20 Bachelor inklusive BA Lehramt Staatsexamen (ohne Lehramt) Staatsexamen für Lehramt 10 ohne BA Ziel Lehramt 0 WS 98/99 WS 00/01 WS 03/04 WS 04/05 WS 05/06 WS 06/07 Quelle: HIS-Studienanfängerbefragungen HISBUS-Kurzinformation Nr. 17 Abschlussarten nach Hochschulart und Fächergruppen Wahl des Bachelor-Abschlusses ist nahezu "geschlechtsneutral" Der Bachelor ist für Studienanfängerinnen und Studienanfänger gleichermaßen attraktiv: Im WS 06/07 wird er von 51 % der Männer und 45 % der Frauen gewählt und ist damit die mit Abstand meistgewählte Abschlussart. Die bestehende Prozentwertdifferenz von 6 Prozentpunkten zwischen Männern und Frauen erklärt sich durch den Umstand, dass in einigen von Frauen präferierten Studiengängen, wie zum Beispiel Medizin oder Lehramt, nur unzureichend oder keine Bachelor-Studiengänge angeboten werden. Im Lehramt sind es noch immer nur 4 %, die ihr Studienziel über einen Bachelor-Abschluss anstreben. Auch an Universitäten nun mehrheitlich der Bachelor als Abschluss Sowohl an den Universitäten als auch an den Fachhochschulen stellt die Wahl eines Bachelor-Abschlusses im WS 2006/07 nun den größten Anteil. 37 % der Studienanfänger an Universitäten haben sich für einen Bachelor entschieden (inklusive der Bachelor mit dem Ziel Lehramt), 27% für einen Diplom-Abschluss, 21 % für ein Staatsexamen auf Lehramt, 12 % für ein Staatsexamen (ohne Lehramt) und 6 % für einen Magisterabschluss. Die "Wachablösung Bachelor" als meistgewählte Abschlussart fand ebenfalls an den Fachhochschulen statt. Dort sind es nunmehr 69% der Studienanfänger, die mit dem Ziel Bachelor studieren. Die Abschlussart Fachhochschuldiplom verliert 28 Prozentpunkte und fällt mit 28 % klar hinter den Bachelor. Nach wie vor gilt also, dass der Bachelor an Fachhochschulen deutlich häufiger von den Studienanfängerinnen und Studienanfängern gewählt wird als an Universitäten. Fächergruppen unterscheiden sich stark im Angebot eines Bachelors als Abschlussart Der Anteil von Bachelor-Studienanfängern, beträgt im WS 06/07 in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 65 %, bei den Agrar- und Forstwissenschaften sind es sogar 68 %. In den Ingenieurwissenschaften, die vor allem an den Universitäten eine Abwertung ihrer Qualifikation durch den Bachelor befürchten, wählten 49 % der Studienanfänger die Abschlussart Bachelor. Einen starken Zuwachs verzeichnet die Fächergruppe Sprach-/Kulturwissenschaften/Sport, in der im WS 06/07 mit 48 % der größte Anteil der Studienanfänger einen Bachelor-Abschluss anstrebt. Im WS 2005/06 waren es nur 29 %. In der Humanmedizin und in den Rechtswissenschaften spielt der Bachelor nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Trotz eines leichten Aufwärtstrends in den Rechtswissenschaften von 5 % im WS 05/06 auf 10 % im WS 2006/07, strebt die überwiegende Mehrheit der Studienanfänger das Staatsexamen als Abschlussart an. für den Bachelor, weil... 2. Gründe für die Wahl eines Bachelor-Studiengangs im Zeitvergleich Die in der frühen Einführungsphase genannten Gründe der Studienanfänger für die Wahl eines Bachelors brachten aufgrund fehlender Erfahrung überwiegend die Erwartungen und Hoffnungen des noch weitgehend unbekannten neuen Abschlusses zum Ausdruck. Mit der Einführung auf immer breiterer Ebene vermehrten sich auch die Informationen zu den neuen Studienabschlüssen. Wenn Studienanfänger heute ein Bachelor-Studium beginnen, sind sie besser über das Studium informiert als die "Early Adopter" der ersten Bachelor-Kohorten. Insofern sind die insbesondere in der Kohorte 2000/01 genannten Gründe als von den Studienanfängern projizierte Erwartungen und Wünsche an den Bachelor zu verstehen. Der Kohortenvergleich zeigt, dass die Erwartungen an den Bachelor zu Beginn sehr hoch waren. 81 % der Studienanfänger, die einen Bachelor als Abschluss im WS 2000/01 gewählt hatten taten dies aus der Überzeugung einen international verbreiteten Abschluss zu erwerben. Vermutlich korrespondierten hiermit auch Erwartungen an eine internationale Anbindung des Bachelors in den europäischen Hochschulraum und die Durchführung von Auslandssemestern. Wie eine aktuelle Studie aus dem HISBUS-Panel gezeigt hat, sind jedoch mit der Einführung des Bachelors Mobilitätseinschränkungen einhergegangen. Insofern "passen" die Zahlen der letzten beiden Jahre, in denen nur noch 66 % (WS 05/06) bzw. 67 % (WS 06/07) der Studienanfänger angeben, den Bachelor gewählt zu haben, da er international verbreitet sei, in die problematische Entwicklung des Bachelors in puncto Mobilität (vgl. Abb 2 E). Einen ähnlichen Verlauf wie die internationale Anbindung des Bachelors zeigt der Aspekt "gute Arbeitsmarktchancen". Diese erwarteten im WS 2000/01 60 %, im WS 2006/07 waren es nur noch 47 %. Die Analyse der Zeitreihe zeigt also, dass sich die hohen Erwartungen, die Abb. 2 Deutsche Studienanfänger nach Gründen für die Wahl eines Bachelor-Studiengangs (in Prozent) kurze Studienzeit A 45 46 51 40 60 51 53 42 79 47 gute Arbeitsmarktchancen C Möglichkeit der Studienfortsetzung mit einem Masterstudiengang B Quelle: HIS-Studienanfängerbefragungen 82 75 78 Art der Studiengestaltung (Leistungspunktsystem, Modularisierung) D 47 E 2000/01 2003/04 2004/05 2005/06 2006/07 76 81 200 40 kurze 33 Studienzeit 29 25 gute Arbeitsmarktchanc international verbreitete international verbreiteter Studienabschluss Möglichkeit der Studienf Art ( 77 75der Studiengestaltung 67 66 HISBUS-Kurzinformation Nr. 17 gegen den Bachelor... die ersten Kohorten in Bezug auf die Arbeitsmarktchancen und die Internationalität des Bachelor-Abschlusses hatten, bis zum WS 2005/06 relativiert haben und zurückgegangen sind. Auf konstantem Niveau hält sich die Begründung für den Bachelor in Bezug auf kurze Studienzeiten – dort pendeln die Werte zwischen 40 % im WS 2005/06 und 51 % im WS 2004/05 (vgl. Abb. 2 A). Noch geringer sind die Schwankungen bei der Nennung der Beweggründe für einen Bachelor in Bezug auf die Möglichkeit der Studienfortsetzung mit einem MasterStudiengang (vgl. Abb. 2 A und B). Fast 4/5 aller StudienFast 4/5 aller Studienanfänger wählen die anfänger wählen die AbAbschlussart Bachelor, um im Anschluss den Master hinzuzufügen. schlussart Bachelor, um im Anschluss den Master hinzuzufügen. Aufgrund noch unzureichender Erfahrungen im Übergang vom Bachelor in den Master – die ersten Bachelor-Kohorten durchlaufen gerade erst diese Station – kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei den aktuellen Quoten ebenfalls noch um Hoffnungen und Erwartungen handelt. Dass der Bachelor laut KMK-Beschluss zum Regelabschluss werden soll und mitunter restriktive Zugangskriterien mit der Aufnahme eines Masters verbunden sind, wird möglicherweise in den Folgejahren die Hoffnungen und Erwartungen der Studienanfänger in Bezug auf die Fortsetzung des Studiums mit einem Master ebenfalls relativieren (müssen). Die "Art der Studiengestaltung" und die "kürzere Studienzeit", beides genuine Merkmale der neuen Studienstruktur, werden von den Studienanfängern als Beweggründe für den Bachelor eher selten genannt. Nur 29 % der Studienanfänger beginnen ein Bachelor-Studium aufgrund des Leistungspunktsystems und der modularisierten Struktur. 3. Gruppe der Bachelor-Skeptiker wird kleiner – Vorbehalte vertiefen sich Der Anteil derjenigen, die einen Bachelor-Studiengang nicht als möglichen Studienabschluss erwogen haben, ist in den vergangenen zwei Jahren zurückgegangen und betrug im WS 2006/07 34 % der Studienanfänger (WS 05/06 noch 50 %). Begründet werden kann dies mit der zunehmenden Umstellung auf Bachelor-Abschlüsse. In dieser immer kleiner werdenden Gruppe bleiben die Vorbehalte gegenüber einem Bachelor jedoch hartnäckig bestehen, ja teilweise vertiefen sie sich noch. Insbesondere das Argument, das wissenschaftliche Niveau sei zu niedrig, bringen die Studienanfänger, die keinen Bachelor erwogen haben, in steigendem Maße vor. Waren es im WS 2000/01 'nur' 20%, die einen Bachelor nicht erwogen haben, weil ihnen das wissenschaftliche Niveau zu niedrig war, erhöhte sich die Quote im WS 2005/06 auf 37 % und im WS 2006/07 auf 43 % (vgl. Abb. 3) – wohlgemerkt: Der Gesamtanteil derjenigen, die keinen Bachelor erwägen wird immer kleiner und von der politisch vorgegebenen Umstellung zunehmend "geschluckt". Weitergehende Auswertungen im Abschlussbericht werden die "Bachelor-Fernen" näher beleuchten. Abb. 3 Gründe für die Ablehnung eines Bachelor-Studiengangs bei deutschen Studienanfängern, die einen solchen Studiengang nicht erwogen haben, im Zeitverlauf (in Prozent) 100 80 60 40 20 WS 00/01 WS 03/04 WS 04/05 W 0 Keine Bachelor Studiengänge im me 60 56 52 Wissenschaftliche Niveau WS in BA Stud WS 05/06 20 25 37 WS 00/01 WS 03/04 04/05 WS 06/07 75 73 71 Schwierige Beurteilung der Chance f Keine Bachelor Studiengänge in meiner Fachrichtung In BA Studiengängen ist mir das wissenschaftliche Niveau zu niedrig Schwierige Beurteilung der Chance für Bachelor-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt Quelle: HIS-Studienanfängerbefragungen HISBUS-Kurzinformation Nr. 17 Schwierige Beurteilbarkeit der Chancen auf dem Arbeitsmarkt gehen zurück – bleiben jedoch meistgenannter Grund gegen den Bachelor Die unzureichende Beurteilbarkeit der Chancen des Bachelors auf dem Arbeitsmarkt ist zwar in allen Fächergruppen zurückgegangen, jedoch ist es nach wie vor das Argument, welches von Studienanfängern als Beweggrund gegen die Wahl eines Bachelors am häufigsten genannt wird (vgl. Abb. 3). 64 % der Studienanfänger, die einen Bachelor nicht erwogen haben – das sind 22 % aller Studienanfänger – sprechen sich gegen den Bachelor aus, weil die Chancen auf dem Arbeitsmarkt nur schlecht einzuschätzen sind. Autor: Marian Krawietz [email protected] Tel.: +49(0)511-1220-209 Projektgruppe HISBUS, Leitung: Peter Müßig-Trapp [email protected] Tel.: +49(0)511-1220-193 Projektgruppe Studienanfänger, Leitung: Christoph Heine [email protected] Tel.: +49(0)511-1220-257 HISBUS ist ein vom BMBF gefördertes Studierenden-Online Panel (www.hisbus.de)
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