Einleitung Inhalt Suchen 11 z 02 01 Hilfe Treffer Systeme der QualitaÈtsdarlegung und Zertifizierung im Gesundheitswesen 11 z 02 Johann Wilhelm Weidringer, Christian J. Thaler inhaltsuÈberblick Die Forderungen nach QualitaÈtsdarlegung im Gesundheitsbereich werden lauter, die Probleme mit der Umsetzung aber nicht kleiner. Der Beitrag stellt Modelle vor, die eine Zertifizierung im Krankenhaus zum Ziel haben, u. a. DIN EN ISO-Normen, zwei EFQM-Modelle, das Zertifkat der JCAHO und der deutsche KTQ¾-Ansatz. Einleitung 11 z 02 | 01 Grundlegende Strukturen unseres Gesundheitswesens finden sich derzeit einem zunaÈchst unerwarteten Wandlungsprozeû unterworfen. So kann nicht verwundern, daû auch der primaÈre Kristallisationspunkt aÈrztlicher TaÈtigkeit, das VerhaÈltnis Arzt-Patient, hiervon nicht ausgenommen blieb. An Stelle der Inhalte und Werte ¹Hilfeª, ¹Rettungª und ¹Mitleidª sind Begriffe wie ¹Anspruchª, ¹Serviceª und ¹QualitaÈtª getreten. Der Wandel, den wir Ørzte damit durchlaufen haben, machte uns vom ¹Halbgottª und ¹guten Doktorª zum ¹Dienstleisterª und ¹Care Providerª. WaÈhrend aÈrztliche Kunst noch vor wenigen Jahren notwendiger, aber auch selbstverstaÈndlicher Begriff aÈrztlichen Handelns war, findet sich unser taÈgliches Wirken unversehens den kritischen Blicken und Zweifeln von Medien, Patientenorganisationen und StaatsanwaÈlten ausgesetzt. Die QualitaÈt aÈrztlichen Handelns, die QualitaÈt unserer Praxen und Kliniken, steht ploÈtzlich zur Diskussion. Hieraus resultiert zunehmend das BeduÈrfnis, ja evtl. auch der 1 Das Bild vom Arzt wandelt sich Die ÛberpruÈfung von QualitaÈt wird verlangt 11 z 02 02 Das ¹Marburger Modell Inhalt Doch die Umsetzung ist problematisch Suchen Treffer Hilfe Anspruch, QualitaÈt zu uÈberpruÈfen und zu demonstrieren. Diesen Anspruch teilen wir Ørzte, die wir unsere QualitaÈt darlegen wollen, mit unseren Patienten, die angesichts des zunehmend unuÈbersichtlichen Gesundheitsmarktes verunsichert sind und nach verlaÈûlichen Kriterien fuÈr ¹den richtigen Doktorª suchen. Nicht zuletzt sind auch die KostentraÈger an einer QualitaÈtsdarlegung interessiert, entspricht es doch ihrer Rolle, optimale QualitaÈt zu minimalen Kosten suchen zu sollen. Die Gemeinsamkeit beim Wunsch nach ¹QualitaÈtsdarlegungª zerbroÈckelt aber schon bald angesichts der zahlreichen Fragen und Details im Zusammenhang mit ¹QualitaÈtsdarlegungª: Wer beurteilt QualitaÈt? ± Ørzte? Patienten? KostentraÈger? Der Staat? Was uÈberhaupt ist QualitaÈt im Gesundheitswesen? Wie laÈût sich QualitaÈt dokumentieren und fuÈr alle Beteiligten transparent machen? Wie geschieht dies in Ûbereinstimmung mit der aÈrztlichen Berufsordnung? Im folgenden wird eine Reihe von Systemen der QualitaÈtsdarlegung und Zertifizierung im Gesundheitswesen dargestellt. Es wird dabei neben der Entwicklung und Verarbeitung dieser Systeme vor allem auf Aspekte der Anwendbarkeit fuÈr die speziellen QualitaÈtsbegriffe des Gesundheitswesens eingegangen werden. 11 z 02 | 02 Das ¹Marburger Modellª (Selbst-)Bewertungsraster Anfang der 90er Jahre entwickelte eine interprofessionelle und interdisziplinaÈre Arbeitsgruppe innerhalb der Klinikdirektion der Philipps-UniversitaÈt Marburg erstmals ein Leitbild sowie konkrete QualitaÈtskriterien fuÈr SchluÈsselprozesse und korrespondierende, prozeûorientierte HandlungsansaÈtze. Ein hier entwickeltes, auf Verlauf und Ergebnis der Patientenbetreuung ausgerichtetes Punktesy2 DIN EN ISO-Normen Inhalt Suchen 11 z 02 03 Hilfe Treffer stem bildete vor allem ein inzwischen verfeinertes (Selbst-)Bewertungsraster fuÈr die einzelnen Mitarbeiter in den Abteilungen und Funktionsbereichen. Die kumulative Darstellung der kontinuierlichen klinikinternen Bewertung muÈndete in einen jaÈhrlich offengelegten QualitaÈtsbericht. QualitaÈtsmanagementsysteme in Dienstleistungsbetrieben nach der DIN EN ISO 9004-2, Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001, Ausblick auf kuÈnftige Normenreihe DIN EN ISO 9000 ff.-2000 11 z 02 | 03 Die Normenserie ISO 9000 wurde erstmals 1987 vom Deutschen Institut fuÈr Normung (DIN) e. V. herausgegeben. Anfang der 90er Jahre erhielten die europaÈisch harmonisierten DIN-Normen als zusaÈtzliches Kennzeichen das KuÈrzel EN (europaÈische Normierung). Die AbkuÈrzung DIN EN ISO bedeutet: z« EuropaÈische Norm, in die eine Internationale Norm (ISO-Norm) unveraÈndert uÈbernommen wurde und deren Deutsche Fassung den Status einer Deutschen Norm hat. Normenserie ISO 9000 DIN EN ISO Die DIN EN ISO 9004, speziell Teil 2, kann als eine Art Leitfaden zur Strukturierung eines QualitaÈtsmanagementsystems beschrieben werden, welches speziell auf das Erreichen von einzelnen QualitaÈtszielen focussiert. Diese Systematik bildet damit einen wesentlichen Bestandteil im Konzept eines umfassenden QualitaÈtsmanagements. Die primaÈre Ausrichtung auf den Industrie-/Produktions- und Dienstleistungsbereich ist an zahlreichen Stellen unuÈbersehbar. 3 DIN EN ISO 9004 11 z 02 03 DIN EN ISO-Normen Inhalt Suchen Treffer Hilfe DIN EN ISO 9001 Die DIN EN ISO 9001 als Bewertungsgrundlage fuÈr die Erteilung eines Zertifikats differenziert dabei inhaltlich folgende Themenbereiche A) Design B) Entwicklung C) Produktion D) Montage E) Wartung mittels 20 verschiedener Elemente. ¹Elementeª der Zertifizierung Die Zertifizierung nach DIN EN ISO wird durch speziell akkreditierte Stellen durchgefuÈhrt. Jeder dieser Bereiche A)±E) wird anhand folgender Elemente hinsichtlich der beantragten Zertifizierung bewertet: 1. Verantwortung der obersten Leitung 2. QualitaÈtsmanagement-System 3. VertragspruÈfung 4. Design-Lenkung 5. Lenkung der Dokumente und Daten 6. Beschaffung 7. Lenkung der vom Kunden beigestellten Produkte bzw. Serviceleistungen 8. Identifikation und RuÈckverfolgung von Produkten bzw. Dienstleistungen 9. Prozeû-Lenkung 10. PruÈfungen 11. PruÈfmittel-Ûberwachung 12. PruÈfstatus 13. Lenkung fehlerhafter Produkte 14. Korrektur- und Vorlage-Maûnahmen 15. Handhabung, Lagerung, Verpackung, Schutz und Versand 16. Lenkung von QualitaÈtsaufzeichnungen 4 DIN EN ISO-Normen Inhalt Suchen 11 z 02 03 Hilfe Treffer 17. Interne QualitaÈts-Audits 18. Schulung 19. Kundendienst 20. Statistische Methoden. Die vorgenannten 20 Elemente repraÈsentieren insgesamt 173 Postulate der DIN EN ISO 9001. Schon semantisch, linguistisch und inhaltlich wird deutlich, daû eine Adaptierung in den medizinischen Versorgungsbereich nicht immer direkt realisierbar ist. Dennoch ist im Gesundheitsbereich eine gewisse Nachfrage nach Zertifizierungen nach DIN EN ISO zu registrieren: Nach einer inoffiziellen Auflistung von Akut- und Reha-KrankenhaÈusern und -Kliniken wurden bis zum 1. Quartal 1999 etwa 1% deutscher KrankenhaÈuser nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert: Meist wurden dabei allerdings nur einzelne Abteilungen oder Funktionsbereiche von Kliniken oder KrankenhaÈusern nach dieser Norm zertifiziert. Es erscheint angesichts der oben genannten Kriterien verstaÈndlich und wird auch aus einzelnen konkret beteiligten Kliniken berichtet, daû manche der 20 DIN EN ISO-¹Elementeª zumindest schwer auf die Patientenversorgung abbildbar sind. Andererseits wird uÈbereinstimmend von einem Motivationsschub unmittelbar vor der Zertifizierung berichtet, der fuÈr alle fuÈr Strukturen innerhalb der Klinik eine Neuorientierung ermoÈgliche. Oft ergebe sich hieraus tatsaÈchlich eine optimierte Patientenversorgung und eine verbesserte Ertragssituation, zumindest in Teilbereichen. Auch wenn die in KuÈrze zu erwartende offizielle Ausgabe der DIN EN ISO 9000 ff.-2000 aller Voraussicht nach staÈrker ergebnisorientiert sein wird, laÈût sich der5 Ein Prozent ist zertifiziert Ûbertragung auf Patienten schwierig 11 z 02 04 QualitaÈts-Darlegung nach dem EFQM-Modell sowie nach dem EFQM-Excellence-Model Inhalt Suchen ISO 9004 Hilfe Treffer ISO 9001 ISO 9001 ISO 9004 (9002, 9003) Zertifikat Zertifikat QM-System Darlegung QM-System Abb. 1: UrspruÈnglich sollte der Aufbau eines QM-Systems entsprechend der DIN EN ISO 9004 im Zentrum des Interesses stehen, doch die tatsaÈchliche Entwicklung hat die Schwerpunkte umgedreht. So scheint es vielen letztlich Zertifizierten v. a. um die Vorzeigbarkeit der Zertifizierungsurkunde zu gehen, weniger um das Leben eines QualitaÈtsmanagement-Systems. (Mit freundlicher Genehmigung des Autors J. Zorn, IABG, Ottobrunn, aus ¹QualitaÈt und ZuverlaÈssigkeitª 41/96, S. 1212, Hanser, MuÈnchen) zeit ein unmittelbarer Nutzen fuÈr die Patientenversorgung noch nicht abschaÈtzen (Abb. 1). 11 z 02 | 04 QualitaÈts-Darlegung nach dem EFQM-Modell (1992) sowie nach dem EFQM-Excellence-Model (1999) Ziel: ¹Business Excellenceª Die European Foundation for Quality Management (EFQM) in BruÈssel, wurde 1988 als europaÈisch-wirtschaftliche Antwort auf den amerikanischen Malcolm-BaldrigeNational Quality-Award von europaÈischen Industrieunternehmen (aus Deutschland v. a. die Unternehmen Volkswagen und Bosch) mit zunaÈchst indirekter UnterstuÈtzung der EU gegruÈndet. Ziel des EFQM-Modells ist es, im Rahmen der Philosophie einer Bewerbung um einen QualitaÈtspreis Unternehmen zur ¹Business Excellenceª zu motivieren. Das von und fuÈr marktwirtschaftlich orientierte Unternehmen entwickelte EFQM-Modell zur QualitaÈtsverbesserung und Darlegung von QualitaÈtsmanagement wurde in einigen hundert Krankenhaus-Abteilungen Deutsch- Ambivalenter Widerhall 6 QualitaÈts-Darlegung nach dem EFQM-Modell sowie nach dem EFQM-Excellence-Model Inhalt Suchen Führung 100 Punkte (10 %) Politik & Strategie 80 Punkte (8 %) Hilfe Treffer Mitarbeiterorientierung 90 Punkte (9 %) 11 z 02 04 Mitarbeiterzufriedenheit 90 Punkte (9 %) Prozesse 140 Punkte (14 %) Ressourcen 90 Punkte (9 %) Befähiger 500 Punkte (50 %) Kundenzufriedenheit 200 Punkte (20 %) Geschäftsergebnisse 150 Punkte (15 %) Gesellschaftliche Verantwortung/Image 60 Punkte (6 %) Ergebnisse 500 Punkte (50 %) Abb. 2: EFQM-Modell der European Foundation for Quality Management aus dem Jahr 1992, in dieser Version zuletzt publiziert 1997. Die neuen Kriterien sollen der Reflexion qualitaÈtsrelevanter, zielorientierter Ûberlegungen von Unternehmen dienen. Selbst- und Fremdbewertung sind Methoden hierfuÈr. (Mit freundlicher Genehmigung von N. van Houtte, EFQM, BruÈssel) lands zur Anwendung gebracht, in sehr unterschiedlicher AuspraÈgung und meist im Sinne einer Selbstbewertung. Die dem EFQM-Modell zugrunde liegende Intention der Gewinnmaximierung durch Etablierung einer optimalen Ablauforganisation trifft im Gesundheitswesen der Bundesrepublik Deutschland innerhalb einer sozial-ethischen Betrachtungsweise zumindest auf ambivalenten Widerhall. Zweifellos beinhaltet die Optimierung der Ablauforganisation eines Unternehmens durch kontinuierliche Anwendung des EFQM-Modells die Chance, ungenutzte Ressourcen freizusetzen und damit eigenstaÈndig Rationalisierung anstelle von Rationierung zu ermoÈglichen. VerbesserungsfaÈhig erscheinen beim bisherigen EFQM-Modell allerdings die Aspekte der Patienten-Orientierung. Zudem bestehen Verbesserungspotentiale auch im datenschutzrechtlichen Bereich, da dieser bisher teilweise inadaÈquat beruÈcksichtigt ist (Abb. 2 und 3). 7 Patienten-Orientierung ist problematisch 11 z 02 04 QualitaÈts-Darlegung nach dem EFQM-Modell sowie nach dem EFQM-Excellence-Model Inhalt Suchen Treffer Hilfe Abb. 3: EFQM-Excellence-Model der European Foundation for Quality Management, veroÈffentlicht am 21. 4. 1999; Grafik des ¹Final EFQM Excellence Modelª; Struktur und BewertungsmodalitaÈten des EFQM-Excellenz-Modells wurden fortgeschrieben. (Mit freundlicher Genehmigung von N. van Houtte, EFQM, BruÈssel) Streben nach staÈndiger QualitaÈtsverbesserung Gewinner des European Quality Award erzielen von den (visionaÈr) 1000 Punkten ungefaÈhr 800, international erfolgreiche Preisbewerber zwischen 500 und 600 Punkte. Legt man die Punkte-Bewertungskriterien des (bisherigen) EFQM-Modells an, so wuÈrde ein nach DIN EN ISO 9001 zertifiziertes Unternehmen mindestens 200±300 Punkte in der EQA-Skalierung erreichen. Das EFQM-Modell repraÈsentiert ein Denk-Modell zur gemeinsamen Zielerreichung eines Total Quality Managements, bei dem der Weg staÈndiger QualitaÈtsverbesserung 8 Joint Commission on Accreditation of Health Care Organizations Inhalt Suchen Hilfe Treffer 20 Führung 100 Politik und Strategie 20 Mitarbeiterorientierung 20 80 90 40 Ressourcen Inhalte 11 z 02 05 90 80 Prozesse 140 Kundenzufriedenheit 50 200 Mitarbeiter- 0 zufriedenheit 90 Auswirkung auf 0 die Gesellschaft 60 Geschäftsergebnisse 60 150 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 Punkte ISO - Ergebnis (290 Punkte) EQA - Ergebnis (max. 1000 Punkte) Abb. 4: Spiegelung der Inhalte der 20 Elemente der DIN EN ISO 9001 am EFQM-Modell (1997). (Mit freundlicher Genehmigung des Carl Hanser Verlags entnommen aus Radtke et al. 1997 S. 14) das Ziel ist ± mit der MoÈglichkeit einer Darlegung der jeweiligen, aktuellen Positionierung in einer ¹europaÈisch vergleichendenª Punkteskala (Abb. 4). Joint Commission on Accreditation of Health Care Organizations 11 z 02 | 05 Mitte der 50er Jahre engagierten sich die wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften Amerikas, initial gemeinsam mit den wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften Kanadas, verstaÈrkt bei der KlaÈrung soziooÈkonomischer Fragestellungen im Gesundheitswesen. 9 Freiwillige Mitgliedschaft 11 z 02 06 Peer-Review-Systems Inhalt ErgebnisqualitaÈt der Patientenversorgung HoÈhere VerguÈtung, besseres Image Suchen Treffer Hilfe Hieraus resultierte letztlich die GruÈndung der Joint Commission on Accreditation of Health Care Organizations (JCAHO). Die JCAHO verleiht an entsprechende KrankenhaÈuser, welche im Sinne einer freiwilligen Mitgliedschaft angeschlossen sind, ein offizielles Zertifikat (¹Accreditationª). Die JCAHO verfuÈgt uÈber eine mehr als 40jaÈhrige Erfahrung in Krankenhaus-Akkreditierungen und hat ein etabliertes ¹Surveyorª-System mit teils ehrenamtlichem, teils hauptamtlichem, interdisziplinaÈrem und interprofessionellem Klinik-Personal. Die entsprechenden Krankenhausbegehungen mit speziell geschultem, externen KlinikLeitungspersonal erfolgen nach einem strukturierten Bewertungskatalog, der v. a. auf die Darlegung der ErgebnisqualitaÈt der Patientenversorgung abzielt. Die zugrundeliegende Selbst- sowie die Fremdbewertung einer Klinik ist zyklisch angelegt. Wenn auch in den USA eine Art grundsaÈtzlicher staatlicher Konzessionierung von KrankenhaÈusern und damit zusammenhaÈngendem relativ niedrigeren LeistungsverguÈtungsanspruch besteht, so koÈnnen Kliniken eine hoÈherwertige VerguÈtung von Leistungen nur dann erhalten, wenn sie durch die JCAHO akkreditiert sind. ZusaÈtzlich kann eine Klinik durch die JCAHO-Akkreditierung ein deutlich hoÈheres Image erwerben. 11 z 02 | 06 Peer-Review-Systems Wechselseitige Kollegenkritik Eine Peer-Review-Systematik wurde erstmals in den Niederlanden Anfang der 90er Jahre etabliert. Hierbei kommt es zu wechselseitigen Krankenhausbegehungen mit nachfolgenden Bewertungen und kollegialen Kurz-Beratungen. Im Interesse einer bestmoÈglichen Akzeptanz dieses Verfahrens zur QualitaÈtsentwicklung besteht die 10 Kooperation fuÈr Transparenz und QualitaÈt im Krankenhaus (KTQ¾) Inhalt Suchen 11 z 02 07 Hilfe Treffer MoÈglichkeit, ¹unerwuÈnschteª Peers (beispielsweise aus einem benachbarten Krankenhaus) abzulehnen. Die Idee des Peer-Review-Systems wurde in Deutschland mittlerweile in einzelnen Fachgebieten uÈbernommen, z. B. durch die Deutsche Gesellschaft fuÈr Pneumologie, die mittlerweile ein freiwilliges Peer-Review-System in einigen beteiligten Kliniken praktiziert. Kooperation fuÈr Transparenz und QualitaÈt im Krankenhaus (KTQ¾) 11 z 02 | 07 Initiiert von RepraÈsentanten des VdAK/AEV-Bundesverbandes und der BundesaÈrztekammer, die einen auch fuÈr Dritte offenen Rahmenvertrag gezeichnet haben, beschaÈftigt sich ein Lenkungsgremium seit Ende 1997 mit LoÈsungsansaÈtzen fuÈr ein moÈglichst patienten- und ergebnisorientiertes, regelmaÈûig anwendbares Zertifizierungsverfahren fuÈr KrankenhaÈuser in Deutschland. Dem Lenkungsgremium gehoÈrt derzeit auch eine Vertreterin des Deutschen Pflegerates an. ZusaÈtzlich gibt es einen Vertreter von proCumCert, welche uÈber konfessionelle KrankenhaustraÈger und die RGB-Riskmanagement-Beratungsgesellschaft indirekt gut 1000 KrankenhaÈuser in Deutschland repraÈsentiert. Derzeit nehmen Vertreter der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) beratend an Sitzungen teil, eine Unterzeichnung des bisher zwischen VdAK/AEV-Bundesverband und BundesaÈrztekammer geschlossenen Rahmenvertrages zur Zertifizierung von KrankenhaÈusern seitens der DKG wird im Sommer 1999 erwartet. Zwischenzeitlich ist von den beiden erwaÈhnten Vertragspartnern eine GeschaÈftsstelle der KTQ¾ eingerichtet worden. In Arbeitsgruppen wurden gemeinsam mit Vertretern der wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften 11 Gremium sucht Zertifizierungsverfahren fuÈr Deutschland Erste Bewertungskataloge 11 z 02 08 Zusammenfassung und Perspektive Inhalt Pilotphase steht an Suchen Treffer Hilfe und RepraÈsentanten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen sowie RepraÈsentanten der Pflege und RepraÈsentanten aus Verwaltungsdirektionen erste Bewertungskataloge erarbeitet. Diese betrifft z. Z. folgende Funktionsbereiche: AnaÈsthesie, Chirurgie, GynaÈkologie, Innere Medizin, OrthopaÈdie, Krankenhausleitung, Pflege. Die Pre-Test-Phase (im Jahr 1999) mit einer ersten Validierung des Bewertungskataloges an einigen KrankenhaÈusern in Deutschland wie auch die sog. Pilot-Phase (im Jahr 2000) werden von einem wissenschaftlichen Institut begleitet. Auf einer Homepage wird uÈber den Projektfortgang informiert (http://www.ktq.de). Das Projekt erhaÈlt eine mehrjaÈhrige FoÈrderung des Bundesministeriums fuÈr Gesundheit. FuÈr saÈmtliche Projektphasen werden sich interdisziplinaÈr sowie interprofessionell ¹Peersª (conditio sine qua non: eigene FuÈhrungsverantwortung im Krankenhaus) als Visitoren qualifizieren. 11 z 02 | 08 Zusammenfassung und Perspektive Teilweise groûe Unterschiede Verschiedene QualitaÈtsmanagement-Darlegungsmodelle sowie Zertifizierungsverfahren konkurrieren derzeit um die Gunst unterschiedlichster Interessenten im Bereich des Gesundheitswesens. Dabei faÈllt auf, daû sich die verschiedenen Modelle teilweise erheblich hinsichtlich der Prozeû- bzw. Ergebnisorientierung unterscheiden. Von groûer Bedeutung scheint auch, daû sich die Systeme auch deutlich hinsichtlich der Beteiligung von aÈrztlichen/ pflegerischen Personen einerseits und verwaltungstechnisch ausgerichteten Personen andererseits unterscheiden (Tabelle 1). Welche Akzeptanz, welches Darlegungs- und/oder Zertifizierungsverfahren zu welchem Zeitpunkt gewinnen wird, ist fuÈr das deutsche Gesundheitswesen derzeit noch ¹Produktlebenszyklenª 12 Inhalt Suchen Hilfe Treffer QM-Darlegungen Bei der Entwicklung maûgebliche Mitwirkung von Ørzten und Pflegepersonal X Besonders ergeb- Stark patien- Stark prozeûnisorientiert tenorientiert orientiert X X X X X X X X X X 11 z 02 08 Marburger Modell DIN EN ISO 9000 ff EFQM/Excellence/Model JCAHO X Peer Review X Kooperation fuÈr Transpa- X renz und QualitaÈt (KTQ¾) Bei der Entwicklung maûgebliche Mitwirkung von Verwaltungspersonal X X X X X X Zusammenfassung und Perspektive Tabelle 1: Orientierende Ûbersicht zu verschiedenen QM-Darlegungsmodellen 13 11 z 02 08 Zusammenfassung und Perspektive Inhalt Suchen Treffer Hilfe Abb. 5: Vision zu ¹Produktlebenszyklenª von QM-Darlegungsverfahren; zunehmend orientiert an Kosten-/Nutzen-Ûberlegungen wie in der Industrie werden sich KrankenhaÈuser mit QM-Darlegungs- und Zertifizierungsverfahren beschaÈftigen; einzelne Verfahren werden sich inhaltlich im Laufe der Zeit veraÈndern ± hin zu fuÈr den Gesundheitssektor, speziell auf KrankenhaÈuser bezogenen Zertifizierungsstrukturen. (Mit freundlicher Genehmigung des Autors, Pinter 1999) Pure QualitaÈtskontrolle nicht finanzierbar nicht sicher absehbar. Erwig Pinter, QKB Hameln, visualisiert diesen Gedanken im Sinne von ¹Produktlebenszyklenª (Abb. 5). Da wohl eine flaÈchendeckende, pure QualitaÈtskontrolle von Prozeduren, die aus Daten von Interventionen nach Fallpauschalen und Sonderentgelten resultieren, auf Dauer nicht finanzierbar ist, wird letztlich auch im oÈffentlichen Interesse ein anderes Regulativ die Hauptrolle fuÈr QualitaÈtssicherung und -management spielen (muÈssen). Die freiwillige, externe Zertifizierung mit einem gewissen Sofort-Beratungsanteil durch klinik- und fuÈhrungserfahrene ¹Peersª soll die krankenhausinterne QualitaÈtsfoÈrderung ganzheitlich anregen ± im Sinne eines umfassenden QualitaÈtsmanagements. Die berufsrechtlich einwandfreie Form der Darlegung der LeistungsfaÈhigkeit und QualitaÈt eines Krankenhauses 14 Zusammenfassung und Perspektive Inhalt Suchen 11 z 02 08 Hilfe Treffer entspricht zunehmend dem individuellen wie auch dem gesundheitspolitischen Interesse, der Schaffung vermehrter Transparenz fuÈr den einzelnen Patienten (mit dessen individuellen Sorgen) wie auch fuÈr die zuweisenden Ørzte und andere Leistungserbringer. Dabei kommt der individuellen Interpretation jedweder Zertifizierungsergebnisse angesichts der jeweiligen Spezifika der einzelnen QualitaÈtsdarlegungssysteme groÈûte Bedeutung zu. Literatur CBO (1995) Total Quality Management, BroschuÈre fuÈr ein EUBiomed-QualitaÈtsprojekt Goeckenjan G, KoÈhler D, RuÈnz J (1998) Externe QualitaÈtskontrolle als Bestandteil des QualitaÈtsmanagements. In: Ziegler M (Hrsg) QualitaÈtsmanagement im Gesundheitswesen. Venusberg, Bonn, S 170±176 HaÈndeler E (1997) Der Sechste Kondratieff: Gesundheit wird zu einer wirtschaftlichen Macht. Deutsches Ørzteblatt 17:A 1116±1117 HAS Hospital Accrediation Standards 1998 (1998) JCAHO: www.jcaho.org Kolkmann FW, Scheinert HD (1998) QualitaÈtssicherung: Zertifizierung von KrankenhaÈusern, Deutsches Ørzteblatt 31/32:A 1899 Mundt F, MuÈssig K, Blohmann K, Bangha E, Amon U (1999) Mitarbeiterzufriedenheit als Instrument fuÈr QualitaÈtskontrolling im Gesundheitswesen. QualitaÈtsmanagement 1:4±10 Pinter E (1999) Praktische Erfahrungen mit dem EFQM-Modell. QualitaÈtsmanagement 1:2±4 QualitaÈtsbericht ± Jahresbericht der Konferenz fuÈr QualitaÈtsmanagement und Ergebnissicherung 1997 und Bericht zum QualitaÈtsmanagement (Marburger Modell fuÈr Umfassendes QualitaÈtsmanagement UQM im Krankenhaus) (1998) Vorstand des Klinikums Marburg QualitaÈtsmanagement und Statistik. Verfahren 3: QualitaÈtsmanagementsysteme, Normen (1995) DIN-Taschenbuch 226. Beuth, Berlin Wien ZuÈrich 15 11 z 02 08 Zusammenfassung und Perspektive Inhalt Suchen Hilfe Treffer QualitaÈts-Management-Zertifizierungsliste XIV (1999) Heft 1 Qualimed, pmi, Frankfurt Radtke P, Wilmes D, Kamiske GF (Hrsg) (1997) European Quality Award ± die Kriterien des EQA umsetzen. Praktische Tips zur Anwendung des EFQM-Modells. Hanser, MuÈnchen Wien Selbstbewertung 1997 ± Richtlinien fuÈr den Úffentlichen Sektor (1997), EFQM: www.efqm.org v. 21. 04. 1999 Zorn J (1996) Gedanken zur Weiterentwicklung der ISO 9000. QZ 41:1212±1214 Weiter 16
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