Pflege als Dienstleistung – was heißt das? Inhalt Suchen 5 z 02 01 Hilfe Treffer 5 z 02 Pflege als Dienstleistungsmanagement Februar 2000 Sabine Fließ inhaltsüberblick Pflege als Dienstleistungsmanagement stellt den Patienten in den Mittelpunkt. Patientenintegration im Sinne einer Beteiligung des Patienten am Pflegeprozeß bringt jedoch auch Probleme mit sich, deren Bewältigung eine Managementaufgabe darstellt. Dabei ist der Pflegeprozeß so zu planen, zu organisieren und durchzuführen, daß sowohl dem Ziel der Effektivität als auch dem Ziel der Effizienz Rechnung getragen wird. In diesem Beitrag wird ein Planungs- und Gestaltungsinstrumentarium vorgestellt, das die Berücksichtigung der Patientenmitwirkung in der Pflege erleichtert: das Blueprint. Hierbei handelt es sich um eine chronologische Darstellung der Aktivitäten innerhalb der Pflege aus Sicht der Patienten. 5 z 02 | 01 Pflege als Dienstleistung – was heißt das? Dienstleistungen weisen neben anderen Merkmalen dieses herausragende Charakteristikum auf: die Mitwirkung des Kunden. Jede Dienstleistung ist dadurch charakterisiert, daß der Kunde in einer mehr oder weniger aktiven Form an ihrer Erstellung mitwirkt. Die Mitwirkung des Kunden ist auch für die Pflegedienstleistung charakteristisch: Ohne den Patienten kann keine Pflegeleistung erbracht werden, ja, die Pflegedienstleistung wird am Patienten erbracht. Die Mitwirkung des Patienten besteht aus Sicht der Theorie darin, sog. externe Faktoren zur Verfügung zu stellen. Solche externen Faktoren sind bei Dienstleistungen generell die eigene Person oder – bei Unternehmen – Mitarbeiter des Unternehmens, Objekte, Tiere, Rechte, 1 Der Kunde wirkt mit Der Kunde stellt externe Faktoren zur Verfügung 5 z 02 01 Pflege als Dienstleistung – was heißt das? Inhalt Suchen Treffer Hilfe Nominalgüter und Informationen (Engelhardt et al. 1993 S. 401). Externe Faktoren treten immer als Bündel auf (Kleinaltenkamp 1994 S. 150). Häufig sind es Informationen in Kombination mit anderen externen Faktoren. Externe Faktoren erfahren bei der Erstellung der Dienstleistung eine unterschiedliche Behandlung: z Sie werden lediglich integriert, ohne daß sie verändert werden, z. B. Informationen wie die Körpermaße, die ein Schneider für den Zuschnitt benötigt. z Externe Faktoren werden während der Erstellung der Dienstleistung verändert, etwa bei einem Haarschnitt. Körper des Patienten als externer Faktor Externe Faktoren können des weiteren lediglich passiv sein – an ihnen wird eine Veränderung vorgenommen, etwa ein Patient, der gewaschen wird – oder sie greifen aktiv in die Dienstleistungserstellung ein, etwa ein Patient, der über Schmerzen klagt. Was sind die externen Faktoren, die der Patient für die Erbringung der Dienstleistung „Pflege“ zur Verfügung stellt? Zunächst einmal muß der Patient physisch anwesend sein und gewissermaßen seinen Körper zur Verfügung stellen, damit er gepflegt werden kann. Ohne daß der Patient das Krankenhaus betritt, kann keine Dienstleistung erfolgen. Aber nicht nur die „Initialzündung“ der Dienstleistung geht vom Patienten aus. Auch während des Dienstleistungsprozesses ist seine permanente Anwesenheit erforderlich. Am Patienten werden die Pflegedienstleistungen erbracht und ohne seine Anwesenheit ist es nicht möglich, Pflegedienstleistungen, wie etwa das Waschen bettlägeriger Patienten, durchzuführen. Daß die Pflegeleistung am Patienten erbracht wird, darf jedoch nicht dazu führen, daß der Patient lediglich 2 Pflege als Dienstleistung – was heißt das? Inhalt Suchen 5 z 02 01 Hilfe Treffer als „Gegenstand“ der Pflege betrachtet wird, wie es etwa der folgende Auszug aus der „Zeit“ (Blum 1997) zeigt. Patient ist nicht „Gegenstand“ der Pflege z« Die Vormittage verstreichen noch relativ schnell. Februar 2000 Alle paar Minuten steht etwas anderes an: Bettenmachen, Frühstück, Blutdruckmessen, Pillenvergabe, Krankengymnastik, Arztvisite. Einmal schneit sogar der Chefarzt herein. Mich würdigt er keines Wortes. Nach dem Mittagessen hingegen zieht sich die Zeit wie Kaugummi. Einziger Höhepunkt: die tägliche Spritze in den Bauch. Vorbeugung gegen Thrombose. Haben wir Glück? Oder macht es heute wieder Schwester Barbara? Neben ihrem Körper bzw. ihrer physischen Anwesenheit integrieren sich Patienten mit verschiedenen Informationen in den Pflegeprozeß. So kann ein Patient Auskunft darüber geben, wie er sich fühlt und was sein Wohlbefinden und seine Zufriedenheit während des Krankenhausaufenthaltes erhöht. Wie eine Befragung von 12 300 Patienten in Hamburger Krankenhäuser durch die Deutsche Angestelltenkrankenkasse DAK zeigt, haben Patienten oftmals recht genaue Vorstellungen darüber, ob eine Pflegedienstleistung zu ihrer Zufriedenheit ausgeführt wird oder nicht (Falk 1999 S. 246). Diese Patienteninformationen können bei der Gestaltung der Pflege genutzt werden. Patienten können aber nicht nur Informationen liefern, um den Pflegeprozeß besser zu gestalten, sie können auch aktiv an der Pflege teilnehmen. Sie haben es in der Hand, durch ihre Abwehr oder ihre Motivation den Heilungsprozeß zu behindern oder zu fördern. Dies verdeut3 Patienteninformationen als externe Faktoren Patientenarbeitsleistung als externer Faktor 5 z 02 01 Pflege als Dienstleistung – was heißt das? Inhalt Suchen Treffer Hilfe licht das folgende, sicherlich nicht typische Beispiel (Blum 1997). z« In meinem Dreibettzimmer in der Nürnberger Er- ler-Klinik läuft der Fernseher, wie immer. Bettnachbar Thomas steht auf Dauerberieselung. Er schaut kaum hin. Früh beim Aufwachen schaltet er die Glotze ein, und wenn er abends eingeschlafen ist, mache ich sie wieder aus. Schwacher Trost: Markus, der auf meiner anderen Seite liegt, ist genauso genervt wie ich. Im Laufe des Nachmittags betrinkt sich Thomas mit Kumpels, die ihn besuchen. Abends läßt er seine aggressive Stimmung dann an uns aus. Wie dieses Beispiel ebenfalls verdeutlicht, greifen die Patienten nicht nur in den Pflegeprozeß ein, sondern die „externen Faktoren“ interagieren auch untereinander und behindern oder fördern somit den Pflegeprozeß. z! Pflege als Dienstleistung bedeutet, den Patienten in den Mittelpunkt aller Handlungsweisen zu stellen. Pflege als Dienstleistung kann nur erbracht werden, wenn es gelingt, den Patienten in den Pflegeprozeß zu integrieren. 4 Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Inhalt Suchen 5 z 02 02 Hilfe Treffer z fazit Februar 2000 Herausragendes Charakteristikum der Pflege als Dienstleistung ist, daß die Mitwirkung des Patienten erforderlich ist. Dies gilt in mehrfacher Hinsicht: z Der Patient muß körperlich anwesend sein, damit die Pflegedienstleistung erfolgen kann. z Der Patient kann Informationen liefern, die bei der Pflege und der Gestaltung der Pflegedienstleistung zu berücksichtigen sind. z Der Patient kann durch sein Verhalten den Pflegeerfolg wesentlich beeinflussen. Die Mitwirkung des Patienten zu berücksichtigen, ist eine Denkhaltung und ein Handlungskonzept. Als Denkhaltung „Patientenorientierung“ stellt sie den Patienten in den Mittelpunkt aller Aktivitäten. Als Handlungskonzept „Patientenintegration“ fragt sie nach den Möglichkeiten und Konsequenzen der Integration des Patienten in den Pflegeprozeß. Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Pflegemanagement als Management der Patientenintegration Als zentrale Aufgabe des Pflegemanagements ist die Integration des Patienten anzusehen. Management ist dabei in funktionaler Hinsicht zu verstehen (Staehle 1999 S. 72– 95). Dies bedeutet, daß Management nicht an Positionen oder Führungsebenen gebunden ist, sondern daß Handlungen im Mittelpunkt stehen. Diese Handlungen beziehen sich auf die Steuerung der Pflegeaktivitäten, wobei der Einbeziehung des Patienten in diese Aktivitäten be5 5 z 02 | 02 Patientenintegration als zentrale Managementaufgabe 5 z 02 02 Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Inhalt Managementaufgaben Suchen Treffer Hilfe sonderes Augenmerk geschenkt wird. Pflegemanagement – verstanden als Dienstleistungsmanagement – umfaßt damit drei zentrale Aufgaben (Steinmann u. Schreyögg 1993 S. 6): z Planung der Pflegeaktivitäten: Hierbei sind die einzelnen Pflegeaktivitäten ihrer Art und Reihenfolge nach festzulegen. Planung beinhaltet dabei auch ein gestalterisches Element, derart daß die Art der Pflegeaktivitäten neu gefaßt werden kann. z Organisation des Pflegeaktivitäten. Hierbei geht es darum festzulegen, von wem die Pflegeaktivitäten durchgeführt werden sollen. Welche Personen mit welchen Qualifikationen sind damit beauftragt? Welche Arbeitsteilung soll dabei verfolgt werden? z Kontrolle der Pflegeaktivitäten. Die Kontrolle der Pflegeaktivitäten umfaßt die Überprüfung der Planung und Organisation. In welchem Maße ist es gelungen, die Pflegeaktivitäten realistisch zu planen? Trägt die organisatorische Lösung den Anforderungen Rechnung? Die Ergebnisse der Kontrolle finden wiederum Eingang in die Planung. z! Pflegemanagement bedeutet, die Pflegeaktivitäten zu planen, zu organisieren und zu kontrollieren. Planung, Organisation und Kontrolle erfolgen immer im Hinblick auf die Integration des Patienten in den Pflegeprozeß. Die Planung, Organisation und Kontrolle der Pflegeaktivitäten hat sich dabei an den Zielen des Pflegemanagements zu orientieren. 6 Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Inhalt Suchen Hilfe Treffer Effektivität und Effizienz – die Ziele des Pflegemanagements Betrachtet man Pflegemanagement als Dienstleistungsmanagement, so sind in erster Linie betriebswirtschaftliche Zielsetzungen zu verfolgen. Dabei spielen im betriebswirtschaftlichen Verständnis zwei Zielsetzungen eine herausragende Rolle (vgl. auch Marra 1999 S. 292): z das Effektivitätsziel und z das Effizienzziel. Effektivität fragt nach dem Zielerreichungsgrad: In welchem Ausmaß wurde das gesteckte Ziel erreicht? Welche Ziele im Rahmen der Pflege zu erreichen sind, kann aus den übergeordneten Zielsetzungen des Krankenhauses abgeleitet werden. Februar 2000 5 z 02 02 Betriebswirtschaftliche Zielsetzungen Was ist Effektivität? z« Hauptziel des Krankenhauses ist es, den Bedarf der Bevölkerung an Krankenhausleistungen zu decken . . . Das Hauptziel des Krankenhauses . . . ist global formuliert und bedarf als Richtschnur für betriebliches Handeln einer Konkretisierung durch Zwischen- und Unterziele. (Preuß 1994 S. 129) Stellt man den Patienten in den Mittelpunkt pflegerischer Aktivitäten – wie oben gefordert – so ist dieser auch Ausgangspunkt pflegerischer Zielsetzungen. Die Unterstützung des Heilungsprozesses, die Steigerung des Wohlbefindens des Patienten, die Erreichung von Zufriedenheit bei den Patienten können solche Ziele sein. Den genauen Zielerreichungsgrad zu bestimmen und die Effektivität zu messen, kann dabei sehr schwierig sein: Welcher medizinisch nachweisbare und wissen7 Pflegerische Zielsetzungen Probleme der Messung der Effektivität 5 z 02 02 Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Inhalt Was ist Effizienz? Ausprägungen des Effizienzziels Suchen Treffer Hilfe schaftlich exakt belegbare Zusammenhang besteht zwischen den pflegerischen Aktivitäten und dem Gesundheitszustand eines Patienten? Hier sind wissenschaftliche Forschungen notwendig, um die Effektivität der Pflege in medizinischer Hinsicht zu ermitteln. Wird als Ziel der Pflege jedoch das Wohlbefinden des Patienten oder die Patientenzufriedenheit definiert, so können Befragungen – wie die oben erwähnte Studie der DAK – Aufschluß über den Zielerreichungsgrad geben: Hat sich der Anteil der zufriedenen Patienten erhöht? Hierzu ist allerdings die regelmäßige Durchführung von Patientenbefragungen erforderlich. Effizienz fragt nicht danach, in welchem Ausmaß ein Ziel erreicht wurde, sondern welche Mittel erforderlich sind, um das Ziel im gegebenen Ausmaß zu erreichen. Das Effizienzziel setzt das erreichte Ergebnis in Beziehung zum sog. Input. Als Inputgrößen sind dabei die eingesetzten Ressourcen oder Mittel anzusehen. Hierzu zählen Personal, Verbrauchsmaterialien (wie Verbände) und Betriebsmittel (wie Betten, Räume, Kücheneinrichtung etc.). Effizienz kann zwei Ausprägungen annehmen: z Pflege ist dann effizient, wenn ein gegebenes Ziel mit möglichst geringen Mitteln erreicht wird – hier wird das Ziel als gegeben angenommen und die eingesetzten Mittel sollen minimiert werden. z Pflege ist aber auch dann effizient, wenn mit vorhandenen Mitteln ein möglichst hoher Zielerreichungsgrad erreicht werden kann: Wie kann mit den gegebenen Mitteln ein möglichst hohes Maß beispielsweise an Patientenzufriedenheit erreicht werden? 8 Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Inhalt Suchen 5 z 02 02 Hilfe Treffer Als Maßstab der Effizienz werden dabei Kostengrößen verwendet, um die verschiedenen Inputs besser miteinander vergleichen zu können. z! Pflegemanagement verfolgt zwei betriebswirtschaftli- Februar 2000 che Zielsetzungen: Effektivität und Effizienz. Effektivität bezieht sich auf den Zielerreichungsgrad, Effizienz bezieht sich auf die zur Erreichung dieses Ziels eingesetzten Mittel bzw. durch den Mitteleinsatz verursachten Kosten. Beide Zielsetzungen des Pflegemanagements sind in den letzten Jahren immer stärker ins Blickfeld gerückt. Unzufriedenheit der Patienten, das Gefühl, im Krankenhaus „verwaltet“ und nicht gepflegt oder sogar geheilt zu werden, aber auch Wettbewerb der Krankenhäuser untereinander haben die Erreichung des Effektivitätsziels zu einer unabdingbaren Forderung nicht nur im Pflegemanagement werden lassen. Steigende Gesundheitsausgaben und zunehmender Kostendruck lassen aber auch das Effizienzziel immer wichtiger werden, wie in Blick in die Tageszeitungen um die Diskussion der Gesundheitsreform, die Deckelung der Arzneimittel und die Krankenkassenbeiträge immer wieder zeigt. Als Ursachen zunehmender Kosten im Gesundheitsbereich nennt der Gesundheitsbericht für Deutschland 1998 (Bundesministerium für Gesundheit 1999) insbesondere die folgenden: z Vergrößerung der Kapazitäten, z Erweiterung des Leistungsspektrums der Gesetzlichen Krankenversicherung durch den Gesetzgeber und z Zunahme der Lebenserwartung, die zu einem größeren Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölke9 Zunehmende Bedeutung von Effektivität und Effizienz 5 z 02 02 Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Inhalt Suchen Treffer Hilfe rung und zu einem höheren Anteil Pflegebedürftiger führt. z« Seit 1980 sind die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) fast ausnahmslos Jahr für Jahr gestiegen. 1998 waren sie mit rund 195,1 Milliarden Mark mehr als doppelt so hoch wie vor 18 Jahren. Für die Behandlung im Krankenhaus zahlte die GKV damals lediglich 25,4 Milliarden Mark gegenüber 70,3 Milliarden Mark 1998. Der zweithöchste Ausgabenposten ist nach wie vor der für ärztliche Behandlung mit 34,9 Milliarden Mark. 1980 wendete die GKV dafür 15,4 Milliarden Mark auf. (Die Zeit 1999 Nr. 23) z« Pflegerische und nichtärztliche therapeutische Lei- stungen werden im wesentlichen durch Krankenschwestern, Altenpflegerinnen und Krankengymnastinnen erbracht. 1994 wurden in Deutschland hierfür insgesamt 68,4 Mrd. DM ausgegeben, wobei auf die pflegerischen Leistungen des stationären und teilstationären Bereiches allein 68,5% der Ausgaben entfielen . . . Innerhalb der pflegerischen Leistungen bilden die ambulanten Pflegeleistungen die am stärksten wachsende Ausgabenkomponente. Sie sind im Zeitraum von 1980–1994 um ca. 830% gestiegen. (Bundesministerium für Gesundheit 1999 Kapitel 8.2 Ausgaben nach Leistungsarten) In dieser Situation werden an das Pflegemanagement besondere Anforderungen gestellt. Patientenintegration als Leitgedanke und Handlungskonzept kann dabei zum ei10 Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Februar 2000 Inhalt Suchen 5 z 02 02 Hilfe Treffer nen sowohl zur Erreichung des Effektivitätsziels als auch zur Erreichung des Effizienzziels beitragen. Andererseits kann Patientenintegration der Erreichung von Effektivität und Effizienz auch entgegenstehen. Die Ursache hierfür liegt in den Merkmalen des externen Faktors (Kleinaltenkamp u. Haase 1997), die das Management des Dienstleistungsprozesses erheblich erschweren können: z Der Anbieter benötigt den bzw. die externen Faktoren, um die Dienstleistung überhaupt erstellen zu können: Ohne den Patienten kann keine Pflege erfolgen, ohne die Angabe der Patienten, wo es wehtut, kann keine Diagnose erstellt werden etc. z Der Anbieter kann über den bzw. die externen Faktoren nur eingeschränkt verfügen – sie gehören letztlich dem Kunden, der sie dem Anbieter nur für die Dauer der Dienstleistungserbringung überläßt: Der Patient überläßt sich nur für die Dauer seines Krankenhausaufenthaltes dem Pflegepersonal und der ärztlichen Behandlung, ohne jedoch dabei seine Rechte an der Pforte abzugeben. Merkmale externer Faktoren Wie sich diese Merkmale auf das Effektivitäts- und Effizienzziel auswirken, zeigen die folgenden Ausführungen. Steigerung von Effektivität und Effizienz durch Patientenintegration Mehr Effektivität ergibt sich daraus, daß der Patient durch seine Verhaltensweisen das Ergebnis der Pflege aktiv beeinflussen kann. Wird der Patient aktiv in den Pflegeprozeß einbezogen und trägt er selbst zu seiner Genesung oder zumindest zur Verbesserung seines Gesundheitszustandes bei, so kann er u. U. schneller entlassen werden und möglicherweise hält sein Gesundheitszustand 11 Mehr Effektivität und Effizienz durch die Mitwirkung des Patienten 5 z 02 02 Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Inhalt Suchen Treffer Hilfe auch länger an. Des weiteren wird u. U. das Pflegepersonal durch die aktive Beteiligung des Patienten entlastet. Hierdurch wird nicht nur das Effektivitätsziel, sondern auch das Effizienzziel des Pflegemanagements erreicht. z« Nun hängt der Behandlungserfolg in entscheiden- der Weise von der Kooperation zwischen Arzt und Pflegekraft einerseits und Patient andererseits ab. Kooperation setzt voraus, daß die Patienten an der Planung der gesamten Behandlung beteiligt und in alle Entscheidungen einbezogen werden. Das ist sowohl für Patienten als auch für Ärzte und Pflegende eine neue Rolle (Falk 1999 S. 247). Patientenorientierter statt medizinorientierter Pflegeprozeß Chancen ergeben sich des weiteren daraus, daß der Patient durch die von ihm zur Verfügung gestellten Informationen zu einer effizienteren und effektiveren Gestaltung des Pflegeprozesses beitragen kann. Allerdings bedeutet dies auch ein Umdenken im sog. „pflegerischen Dreieck“ (vgl. auch unten Abb. 1). Wird nämlich dem Patienten ein größeres Mitspracherecht im pflegerischen Prozeß eingeräumt, so geht damit auch eine Verschiebung von der medizinorientierten zur patientenorientierten Sichtweise der Gestaltung des Pflegeprozesses einher. Patientenorientierte Sichtweise bedeutet dabei, die Belange und Wünsche, die physiologischen und psychischen Bedürfnisse des Patienten in den Mittelpunkt zu stellen (Schröck 1995 S. 3). Dabei wird nicht nur dem Patienten größeres Gewicht beigemessen, sondern auch das Pflegepersonal erhält einen neuen Stellenwert: 12 Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Inhalt Suchen Hilfe Treffer Abb. 1: Pflegerisches Dreieck z« Wenn es auch nicht immer zutrifft, so glauben aka- Februar 2000 5 z 02 02 demisch ausgebildete Ärzte doch eher, dem Wissen der nicht akademisch vorgebildeten Pflegenden weniger Bedeutung beimessen zu können. In einigen Fällen würden sie sogar bezweifeln, daß es überhaupt pflegerisches Wissen gibt, das nicht vom medizinischen Wissen abgeleitet ist (Schröck 1995 S. 11). Als Ergebnis stellt sich ein mehr oder weniger gleichmäßiges Kräfteverhältnis von Patient/in, Pflegepersonal und Arzt bzw. Ärztin im pflegerischen Dreieck ein, so daß die folgende Patientenmitwirkung nicht mehr als typisch gelten sollte: z« Neulich hörte ich, wie sich im Radio ein Patient beschwerte. Er sprach fließend Deutsch, aber mit Akzent, und sein Arzt hatte ihn angefahren: ob er sich denn nicht richtig ausdrücken könne? Worauf ihm der Patient zu berichten versuchte, welche Diagnose ihm früher gestellt worden war. Der Arzt aber habe ihn unterbrochen: „Die Diagnose stelle hier ich. Sie sagen mir nur, wo’s wehtut“ (Die Zeit 1997 Nr. 21). 13 5 z 02 02 Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Inhalt Suchen Treffer Hilfe Allerdings kann die stärkere Berücksichtigung des Patienten und die Einbeziehung in den Pflegeprozeß auch zu Problemen der Patientenintegration führen und sich so negativ auf Effektivität und Effizienz auswirken. Eingeschränkte Dispositionsfreiheit über die externen Faktoren Patienten unterschätzen Mitwirkung Patientenintegration führt zu Planungsunsicherheit Negative Auswirkungen der Patientenintegration auf Effektivität und Effizienz Patientenintegration in der oben beschriebenen Weise bringt Unsicherheiten für die Beteiligten mit sich. Dies gilt in mehrfacher Hinsicht: z Durch die Mitwirkung des Patienten wird das Ergebnis des Pflegeprozesses – Patientenzufriedenheit, Wohlbefinden, Gesundheitszustand – auch durch den Patienten bestimmt. Er gewinnt zunehmenden Einfluß auf das Ergebnis. Andererseits kann das Pflegepersonal sowie das medizinische Personal nur begrenzt auf den Patienten einwirken. So besteht beispielsweise auf Seiten des Pflegepersonals keinerlei „Weisungsbefugnis“ gegenüber dem Patienten, so daß das Verhalten des Patienten nur begrenzt kontrolliert und gesteuert werden kann. Wir sprechen von der eingeschränkten Dispositionshoheit des Krankenhauspersonals über den externen Faktor, d. h. den Körper des Patienten, dessen Aktivitäten und die von ihm zur Verfügung zu stellenden Informationen über den Gesundheitszustand. z Welchen Anteil der Patient selbst am Pflegeprozeß hat, wird von diesem nicht immer wahrgenommen. Dies führt dazu, daß bei Unzufriedenheit oder sich verschlechterndem Gesundheitszustand die Verantwortung häufig dem Pflegepersonal oder den behandelnden Ärzten zugewiesen wird. z Die Integration des Patienten wirkt sich aber nicht nur – positiv oder negativ – auf das Ergebnis der Pflege14 Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Februar 2000 Inhalt Suchen 5 z 02 02 Hilfe Treffer aktivitäten aus, sondern auch auf den Ablauf dieser Aktivitäten. Die Integration des Patienten, die ja im Detail nicht kalkulierbar ist, führt zu erhöhter Planungsunsicherheit. Wie der Alltag im Krankenhaus zeigt, läßt die Mitwirkung des Patienten am Pflegeprozeß beispielsweise Zeitvorgaben für einzelne pflegerische Tätigkeiten immer wieder Makulatur werden. z Diese Planungsunsicherheit wiederum führt dazu, daß über die eigenen Ressourcen, insbesondere die Mitarbeiter, aber auch die Verfügbarkeit von Betten etc., nur eingeschränkt disponiert werden kann. Wenn der Patient selbst auf seinen Heilungsprozeß Einfluß nimmt – wie läßt sich dann die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus bereits bei Einlieferung oder nach erfolgter Operation bestimmen? Wenn Patienten in unterschiedlichem Ausmaß pflegerischer Tätigkeiten bedürfen – wie kann ein Personalplan erstellt werden, wie können Operationstermine geplant werden, wie können Betten belegt werden? Selbst über Ressourcen, die dem Krankenhaus gehören, kann dieses also nur eingeschränkt verfügen. z! Patientenintegration führt zu Unsicherheiten, die die Planung und Organisation der Aktivitäten im Pflegeprozeß erschweren, an denen der Patient beteiligt ist. Dies kann sich auch auf Aktivitäten auswirken, die ohne die Mitwirkung von Patienten durchgeführt werden. Hieraus resultieren besondere Anforderungen an das Pflegemanagement. Hieraus resultieren die folgenden Anforderungen an das Pflegemanagement. 15 Einengung des Handlungsspielraumes 5 z 02 02 Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Inhalt Anforderungen an die Planung Suchen Treffer Hilfe Anforderungen an das Pflegemanagement Pflegemanagement stellt die folgenden Anforderungen an die drei Aufgabenbereiche der Planung, Organisation und Kontrolle. Planung bedeutet, den Pflegeprozeß so zu gestalten, daß die Unsicherheiten, die aus der Integration des Patienten resultieren, möglichst gering gehalten werden. Aus der Patientenintegration resultierende Unsicherheiten führen nämlich dazu, daß die Pläne immer wieder revidiert werden müssen. So stellen Patienten etwa unterschiedliche Ansprüche bezüglich der pflegerischen Leistungen. Bettlägerige Patienten erfordern eine andere Pflege und damit einen anderen Zeitbedarf als Patienten, die sich selbst waschen, anziehen und sogar das Bett verlassen können. Aber nicht nur der körperliche Zustand der Patienten spielt eine Rolle; auch die psychischen Prädispositionen wirken sich auf die pflegerischen Leistungen aus. So können manche Patienten Schmerzen schlechter ertragen als andere, brauchen mehr Zuspruch, beklagen sich häufiger oder klingeln öfter nach der Schwester oder dem Pfleger. Werden diese unterschiedlichen Anforderungen der Patienten in der Planung nicht berücksichtigt, so ergeben sich in der Umsetzung Änderungen gegenüber dem geplanten Ablauf. Diese Änderungen verbrauchen zusätzliche Ressourcen und verursacht somit Kosten: Die Personaldecke reicht nicht aus, weil die Zeitvorgaben für die pflegerischen Aktivitäten zu gering sind. Es werden Überstunden gemacht, Aushilfskräfte eingestellt, was zu höheren Kosten führt, oder – angesichts leerer Kassen und „Pflegenotstand“ ein realistischeres Szenario – das völlig überlastete Personal hetzt von Patient zu Patient; ein Zustand, der der Notwendigkeit der Patientenorientierung überhaupt nicht Rechnung trägt. 16 Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Inhalt Suchen 5 z 02 02 Hilfe Treffer z« Wenn in einer Frühschicht von 6.15 bis 14.15 Uhr Februar 2000 in einer Station der inneren Medizin zwischen 410 und 555 Pflegeminuten für die Mitarbeit bei medizinischer Diagnostik und Therapie aufgebracht werden müssen, und damit in der Woche zwischen 32,5 und 42,25 pflegerische Arbeitsstunden, läßt sich bei einer Besetzung mit durchschnittlich 3 bis 4 Pflegepersonen (einschließlich Schülern und ungelernten Aushilfskräften) ermessen, wie wenig Zeit für die direkte Pflege des Patienten bleibt (Schröck 1995 S. 5). Die Anforderung, Unsicherheiten im Rahmen der Planung zu minimieren und möglichst realistische und mit möglichst geringen Abweichungen vom Plan umsetzbare Pflegeabläufe zu schaffen, ist allerdings nicht ganz einfach: Geringste Unsicherheiten sind nämlich dann zu konstatieren, wenn der Patient so wenig wie möglich einbezogen wird. Dies konterkariert aber den Gedanken der Patientenintegration geradezu. Daher muß in der Planung ein Kompromiß gefunden werden zwischen der Integration des Patienten in den Pflegeprozeß (die zu einer höheren Effektivität führen kann), und den daraus resultierenden Unsicherheiten (die sich auf die Ressourcen- und Kostensituation auswirken und damit die Effizienz verringern können). Hierzu sind entsprechende Planungsinstrumente zu entwickeln und einzusetzen. Ziel des Pflegemanagements ist es somit, die Integration des Patienten so zu planen, daß dem Effektivitätsziel Rechung getragen wird, ohne das Effizienzziel zu vernachlässigen. 17 Ziel der Planung 5 z 02 02 Aufgaben des Dienstleistungsmanagement in der Pflege Inhalt Suchen Treffer Hilfe Anforderungen an die Organisation Die Integration des Patienten in den Pflegeprozeß stellt nicht nur erhöhte Anforderungen an die Planung, sondern erfordert auch neue organisatorische Abläufe. Effektive und effiziente Patientenintegration ist nicht immer mit den herkömmlichen Konzepten zur Gestaltung des Pflegeprozesses realisierbar. Arbeitsabläufe müssen verändert und neu zusammengefaßt werden. Ein derzeit in verschiedenen Krankenhäusern beschrittener Weg ist der Wandel von der funktionsorientierten zur bereichsorientierten Pflege. Unter Umständen resultieren hieraus auch neue Anforderungen z an die Qualifikation des Pflegepersonals, z an das Informationssystem im Krankenhaus, z an die Führung und z an die Entlohnung. Anforderungen an die Kontrolle Schließlich bedarf der Pflegeprozeß der Kontrolle: In welchem Maße ist es gelungen, das Effektivitäts- und Effizienzziel zu erreichen? Dabei wird eine Messung dadurch erschwert, daß der Patient in unterschiedlichem Ausmaß auf die Erreichung dieser Ziele Einfluß zu nehmen vermag und dieser von Patient zu Patient erheblich schwanken kann. Hierzu müssen entsprechende Methoden und Instrumente bereitgestellt werden, die z. T. für Krankenhäuser völlig neuartig sind. Um beispielsweise die Erreichung des Effektivitätsziels „Patientenzufriedenheit“ zu ermitteln, sind regelmäßig Patientenbefragungen durchzuführen. Um die Erreichung des Effizienzziels zu gewährleisten, ist ein an betriebswirtschaftlichen Erfordernissen orientiertes Kostenrechnungssystem notwendig. Im folgenden sollen nun die Grundlagen der Planung und Organisation von Pflegeaktivitäten dargestellt werden. 18 Grundlagen der Planung und Organisation von Pflegeaktivitäten Inhalt Suchen 5 z 02 03 Hilfe Treffer 5 z 02 | 03 Grundlagen der Planung und Organisation von Pflegeaktivitäten Februar 2000 Leistungspotential, Leistungserstellungsprozeß und Leistungsergebnis Betrachtet man Pflege als Dienstleistung, so setzt die Planung und Organisation von Pflegeaktivitäten an den Dimensionen der Dienstleistung an. Hierbei ist es zweckmäßig, zwischen den folgenden drei Dimensionen zu unterscheiden (Engelhardt et al. 1993): z dem Leistungspotential im Pflegebereich, z dem Leistungserstellungsprozeß der Pflege und z dem Leistungsergebnis der Pflege. Der Unterscheidung der drei Dimensionen liegt eine produktionswirtschaftliche Betrachtungsweise zugrunde. Das Krankenhaus und damit auch die Pflege als Teilbereich des Krankenhauses wird somit gewissermaßen als ein Produktionsbetrieb verstanden. Unter dem Leistungspotential ist die Fähigkeit und Bereitschaft einer Krankenhauses zu verstehen, eine Leistung, z. B. die Pflegeleistung, zu erbringen. Das Leistungspotential wird auch als Bereitstellungsleistung bezeichnet (Engelhardt et al. 1993 S. 398). Es umfaßt sämtliche Ressourcen des Pflegebereichs, wie beispielsweise das Personal, die Einrichtung der Krankenzimmer, Medikamente oder Verbandsstoffe. Die Ressourcen werden miteinander kombiniert, um die Leistungsbereitschaft des Pflegebereichs herzustellen. So sorgen etwa Personalpläne dafür, daß die Station besetzt ist. Beschaffungen werden getätigt, um für ausreichend Verbandsmaterial und Medikamente zu sorgen und diese auf Lager zu nehmen. 19 Pflege als „Produktion“ Leistungspotential, bestehend aus . . . 5 z 02 03 Grundlagen der Planung und Organisation von Pflegeaktivitäten Inhalt Leistungserstellungsprozeß Leistungsergebnis Suchen Treffer Hilfe Der Leistungserstellungsprozeß umfaßt den eigentlichen Pflegevorgang. Im Leistungserstellungsprozeß wird das Leistungspotential aktiviert, um die Pflegeleistung zu „produzieren“. Die Aktivierung erfolgt dabei durch die Integration des Patienten und seiner externen Faktoren. So werden etwa Arzneien entsprechend den Anordnungen des Arztes aus dem Lager entnommen und dem Patienten verabreicht. Im Leistungserstellungsprozeß werden die bereits vorkombinierten Potential- und Verbrauchsfaktoren mit weiteren internen Faktoren sowie den vom Nachfrager zur Verfügung gestellten externen Faktoren kombiniert und so zum Leistungsergebnis zusammengeführt (Engelhardt et al. 1993 S. 398). Das Leistungsergebnis setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, so daß es sich genau genommen nicht um eine Einzelleistung, sondern um ein Leistungsbündel handelt (Engelhardt et al. 1993 S. 402 ff.). Die dargestellten Zusammenhänge verdeutlicht Abbildung 2. Abb. 2: Pflege als Dienstleistung. (in Anlehnung an Kleinaltenkamp 1997 S. 351) 20 Grundlagen der Planung und Organisation von Pflegeaktivitäten Februar 2000 Inhalt Suchen 5 z 02 03 Hilfe Treffer Wie diese Ausführungen zeigen, besteht der „Produktionsprozeß“ der Pflegedienstleistung aus zwei grundsätzlich unterschiedlichen Stufen. In einer ersten Stufe werden die internen Potential- und Verbrauchsfaktoren im Rahmen des Leistungspotentials vorkombiniert, um die Leistungsbereitschaft der Pflegestation zu erzeugen. Erst auf der zweiten Stufe kommen die externen Faktoren hinzu, die dann gemeinsam mit den internen Produktionsfaktoren im Rahmen des Leistungserstellungsprozesses zum Leistungsergebnis verdichtet werden (Berekoven 1974 S. 60). Erst auf der zweiten Stufe findet der eigentliche Pflegeprozeß statt. Die Unterscheidung von Leistungspotential und Leistungserstellungsprozeß eröffnet grundlegende Ansatzpunkte für die effektive und effiziente Gestaltung der Pflegeaktivitäten. Autonome und integrative Disposition Leistungspotential und Leistungserstellungsprozeß unterscheiden sich in grundlegender Weise durch den Kontakt zu einem konkreten Patienten (vgl. Kleinaltenkamp u. Haase 1998 S. 5). Immer dann, wenn die vom Patienten zur Verfügung gestellten externen Faktoren integriert werden, beginnt der Leistungserstellungsprozeß. Also erst dann, wenn ein konkreter Patient gepflegt werden soll bzw. gepflegt wird, beginnt der Pflegeprozeß im engeren Sinne. Demgegenüber finden die Aktivitäten im Rahmen des Leistungspotentials ohne die Mitwirkung eines konkreten Patienten statt. Veränderungen hinsichtlich der Produktionsfaktoren und ihrer Kombination können daher ohne Berücksichtigung eines konkreten Patienten vorgenommen werden. Hier sind alle Aktivitäten der Station einzu21 Stufen des Pflegeprozesses Leistungserstellungsprozeß Leistungspotential 5 z 02 03 Grundlagen der Planung und Organisation von Pflegeaktivitäten Inhalt Suchen Treffer Hilfe ordnen, die vorbereitenden Charakter haben und unabhängig von einem konkreten Patienten vorgenommen werden können. z! Der Leistungserstellungsprozeß wird immer durch den Kontakt zum Patienten angestoßen. Aktivitäten im Leistungspotential können unabhängig vom Kontakt zum Patienten durchgeführt werden. Die Unterscheidung von Leistungserstellungsprozeß und Leistungspotential hat damit gravierende Konsequenzen für die Planung und Organisation der Pflegeaktivitäten. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen z Pflegeaktivitäten, die ohne die Mitwirkung eines konkreten Patienten vorgenommen werden können, und z Pflegeaktivitäten, die die Anwesenheit und/oder Mitwirkung eines konkreten Patienten erfordern. Autonome Disposition des Leistungspotentials Integrative Disposition des Leistungserstellungsprozesses Im ersten Fall sprechen wir von autonomer Disposition: Alle Aktivitäten können so geplant und durchgeführt werden, ohne daß auf einen konkreten Patienten, z. B. Frau Müller, Rücksicht genommen werden muß. Dies heißt keinesfalls, daß die Wünsche und Belange von Patienten nicht berücksichtigt werden sollen. Patientenorientierung ist auch hier erforderlich. Aber: Es geht nicht um konkrete Wünsche und Belange von Frau Müller, sondern um die Belange von bis dahin noch nicht namentlich bekannten Patienten. Demgegenüber sprechen wir von integrativer Disposition, wenn der konkrete Patient mit seinen Belangen und Wünschen einbezogen werden muß. Hier sind die Besonderheiten von Frau Müller zu berücksichtigen, etwa daß sie nach einer schweren Operation besonderer Medika22 Grundlagen der Planung und Organisation von Pflegeaktivitäten Inhalt Suchen Hilfe Treffer mente bedarf, intravenös ernährt wird, nicht selbst zur Toilette gehen kann und gewaschen werden muß. Alle Aktivitäten im Rahmen des Leistungspotentials werden autonom disponiert, d. h. unabhängig von einem konkreten, namentlich bekannten Patienten: Personaleinsatzpläne werden nicht erst erstellt, wenn ein Patient auf der Station angekommen ist, sondern bereits im Vorfeld. Oder: Medikamente werden nicht erst beschafft, wenn einer Patientin diese vom Arzt verordnet werden. Im Leistungserstellungsprozeß kann demgegenüber nur integrativ disponiert werden, d. h. unter Mitwirkung und initiiert durch den Patienten. Erst wenn bekannt ist, unter welcher Krankheit Frau Müller leidet, kann ihr ein Medikament verordnet und verabreicht werden. Februar 2000 5 z 02 03 z fazit Bei Pflegeaktivitäten sind zwei grundlegend unterschiedliche Formen von Aktivitäten zu unterscheiden: autonom disponierbare Aktivitäten im Rahmen des Leistungspotentials und integrativ disponierbare Aktivitäten im Rahmen des Leistungserstellungsprozesses. Aktivitäten im Rahmen des Leistungspotentials können unabhängig von einem konkreten Patienten geplant werden. Das Pflegepersonal bzw. die Pflegedienstleitung kann die Ressourcen autonom disponieren und die Aktivitäten autonom festlegen und durchführen, ohne auf einen Patienten und seine externen Faktoren warten zu müssen. Aktivitäten im Rahmen des Leistungserstellungsprozesses werden erst durch einen konkreten Patienten angestoßen. Das Pflegepersonal bzw. die 23 5 z 02 04 Das Blueprint – ein Ebenenmodell der Pflegeaktivitäten Inhalt Suchen Treffer Hilfe Pflegedienstleitung kann die Ressourcen nur integrativ disponieren, d. h. unter Berücksichtigung der Mitwirkung eines konkreten Patienten. Diese Aktivitäten können erst dann durchgeführt werden, wenn der Patient sie veranlaßt. Diese Unterscheidung hat wichtige Auswirkungen auf die Planung und Organisation der Pflegeaktivitäten. Das im folgenden vorzustellende Blueprint stellt ein Modell dar, mit dessen Hilfe Pflegeaktivitäten besser geplant und damit effizienter und effektiver durchgeführt werden können. 5 z 02 | 04 Das Blueprint – ein Ebenenmodell der Pflegeaktivitäten Line of interaction Ein Blueprint zeigt grundsätzlich den folgenden Aufbau: Zunächst werden die einzelnen Aktivitäten, die bei der Erstellung von Dienstleistungen durchzuführen sind, chronologisch, d. h. in ihrer zeitlichen Abfolge dargestellt. In einem zweiten Schritt werden diese Aktivitäten dann verschiedenen Ebenen zugeordnet. Wie Abb. 3 zeigt, lassen sich fünf verschiedene Ebenen voneinander unterscheiden: z Die „line of interaction“ trennt die Kundenaktivitäten von den Anbieteraktivitäten, d. h. die Aktivitäten des einzelnen Patienten von denen des Pflegepersonals. Zu den Patientenaktivitäten zählt beispielsweise, daß der Patient über Schmerzen klagt, daß er nach dem Pflegepersonal klingelt, daß er ißt oder seine Tabletten nimmt. Unterhalb der „line of interaction“ vollziehen sich die Anbieteraktivitäten, d. h. die Aktivitäten des Pflegepersonals. 24 Das Blueprint – ein Ebenenmodell der Pflegeaktivitäten Inhalt Suchen 5 z 02 04 Hilfe Treffer Februar 2000 Abb. 3: Das „Blueprint“ des Kundenintegrationsprozesses. (Fließ 1999 S. 43; in Anlehnung an Kleinaltenkamp 1999 S. 34) z Die „line of visibility“ trennt die sichtbaren Aktivitäten von den für den Patienten unsichtbaren Aktivitäten im Rahmen der Pflege. Unterhalb der „line of visibility“ sind die sog. Backstage-Aktivitäten einzuordnen, oberhalb der „line of visibility“ die Onstage-Aktivitäten. Sichtbar sind für den Patienten alle Handgriffe, die das Pflegepersonal an seinem Körper vornimmt, z. B. Waschen, Fiebermessen. Sichtbar ist weiterhin, was innerhalb des Zimmers passiert, z. B. was der Arzt über den Gesundheitszustand eines anderen Patienten während der Visite äußert oder welche Fragen dem Pflegepersonal im Beisein des Patienten gestellt werden. Nicht sichtbar sind demgegenüber alle Aktivitäten, die innerhalb der Schwesternzimmer stattfinden, die Einsatzbesprechungen des Pflegepersonals mit der Pflegedienstleitung oder die Übergabegespräche zwischen Tages- und Nachtschicht. 25 Line of visibility 5 z 02 04 Das Blueprint – ein Ebenenmodell der Pflegeaktivitäten Inhalt Line of internal interaction Line of order penetration Suchen z Treffer Hilfe Mit Hilfe der „line of internal interaction“ lassen sich unterstützende Aktivitäten von den primären kundenbezogenen Aktivitäten trennen. Unterstützende Aktivitäten, auch als Support-Aktivitäten bezeichnet, dienen der weiteren Fortführung des Kundenintegrationsprozesses, ohne jedoch – anders als die primären Aktivitäten – dem Kunden einen unmittelbaren Nutzen zu stiften. Es handelt sich um solche Tätigkeiten, die das Pflegepersonal für die Steuerung und Planung seiner eigenen Tätigkeit oder der anderer Abteilungen benötigt. Hierzu zählt etwa die Dokumentation der Behandlung für den Arzt oder für die spätere Abrechnung der Krankenhausleistungen. Diese Aktivitäten haben nichts mehr direkt mit dem Patienten zu tun, werden aber durch seine externen Faktoren angestoßen. Die „line of internal interaction“ trennt somit Aktivitäten, die unmittelbar dem Kunden dienen (primäre Aktivitäten) von solchen Aktivitäten, die nur noch mittelbar mit dem Kunden zu tun haben (sekundäre Aktivitäten). Die primären Aktivitäten umfassen dabei die Kombination der internen und externen Faktoren, und zwar sowohl die für den Kunden sichtbaren als auch die für den Kunden nicht sichtbaren Aktivitäten. Die sekundären Aktivitäten während des Leistungserstellungsprozesses entsprechen den unterstützenden oder Support-Aktivitäten. Hier ist sowohl die Disposition über die internen Faktoren anzusiedeln, soweit sie während des Leistungserstellungsprozesses vorgenommen wird (z. B. Anweisungen an das Pflegepersonal), als auch die durch den Kunden induzierten Aktivitäten, die notwendig sind, damit eine Kombination aus internen und externen Faktoren durchgeführt werden kann. z Die „line of order penetration“ trennt die Aktivitäten des Leistungserstellungsprozesses von den Aktivitäten des 26 Das Blueprint – ein Ebenenmodell der Pflegeaktivitäten Februar 2000 Inhalt Suchen 5 z 02 04 Hilfe Treffer Leistungspotentials. Sie bildet die Trennlinie zwischen den integrativ disponierten und den autonom disponierten Aktivitäten des Pflegepersonals. Alle Aktivitäten oberhalb der „line of order penetration“ sind unmittelbar kundeninduziert; sie können erst durchgeführt werden, wenn der Patient mit seinen externen Faktoren integriert wird. Alle Aktivitäten unterhalb der „line of order penetration“ können unabhängig von einem konkreten Kunden vordisponiert werden; ihre Durchführung ist unabhängig von einem konkreten Patienten möglich. z Die Prozesse innerhalb des Leistungspotentials können wiederum in Preparation-Aktivitäten und in FacilityAktivitäten unterschieden werden. Zwischen beiden ist die „line of implementation“ einzuziehen. PreparationAktivitäten umfassen solche Aktivitäten, die autonom vom Anbieter disponiert werden, aber dazu dienen, den Leistungserstellungsprozeß vorzubereiten. Hierzu zählt etwa die Aufstockung des Vorrates von Medikamenten in der Abteilung aus den Beständen des Krankenhauses. Zu den Facility-Aktivitäten sind die autonomen Dispositionen zu rechnen, die den Preparation-Aktivitäten logisch und meist auch zeitlich noch vorgelagert sind. Hierzu zählt die Einrichtung von Krankenhauszimmern, die Einstellung und Weiterbildung des Personals, der Kauf von EDV und die Implementierung neuer Software. Abbildung 4 zeigt ein Beispiel für ein Blueprint. Hierbei handelt es sich um einen Ausschnitt aus dem Pflegeprozeß auf einer Entbindungsstation. Eingetragen sind die für einen Vormittag typischen Abläufe auf einer Entbindungsstation. 27 Line of implementation Suchen Treffer Hilfe 5 z 02 04 Inhalt Das Blueprint – ein Ebenenmodell der Pflegeaktivitäten 28 Abb. 4: Beispiel eines Blueprints – Aktivitäten auf einer Entbindungsstation (Ausschnitt) Das Blueprint – ein Ebenenmodell der Pflegeaktivitäten Inhalt Suchen Hilfe Treffer z Fallbeispiel Februar 2000 5 z 02 04 Die Mutter hat entbunden und befindet sich auf der Station. Die erste Aktivität des Morgens besteht darin, ihr das Baby zu bringen. Es handelt sich um einen Vorgang, an dem das Pflegepersonal ebenso wie die Mutter beteiligt sind – daher wird es auf der „line of interaction“ eingetragen. Die Mutter stillt oder füttert das Kind, eine Aktivität, bei der nur die Patientin und ihr Baby beteiligt sind – daher wird die Aktivität oberhalb der „line of interaction“ eingetragen. Das Baby wird abgeholt – wiederum eine Aktivität, an der Mutter und Pflegepersonal beteiligt sind, so daß sie ebenfalls auf der „line of interaction“ eingetragen wird. Danach wird das Baby aus dem Zimmer herausgebracht, es verschwindet aus dem Gesichtsfeld der Mutter. Die folgenden Aktivitäten, wie wiegen oder Windeln wechseln, sind für die Mutter nicht sichtbar. Sie werden daher unterhalb der „line of visibility“ eingetragen. Es handelt sich aber um unmittelbar kundeninduzierte Aktivitäten, die auch einen direkten Kundennutzen stiften (primäre Aktivitäten). Daher sind sie unterhalb der „line of visibility“, aber oberhalb der „line of internal interaction“ eingetragen. Beim Wiegen wird das Gewicht in eine Tabelle eingetragen. Diese Aktivität dient der Überwachung des Gesundheitszustandes des Babys; sie ist insbesondere für den Arzt von Bedeutung und notwendig für die Veranlassung weiterer Maßnahmen, etwa zusätzlicher Tests, wenn das Baby nicht genügend an Gewicht zunimmt. Daher wird das Eintragen des Gewichts als Support-Aktivität angesehen, die für den weiteren Kundenintegrationsprozeß notwendig ist. 29 5 z 02 04 Das Blueprint – ein Ebenenmodell der Pflegeaktivitäten Inhalt Suchen Treffer Hilfe Nach der Versorgung des Babys findet die tägliche Besprechung zwischen Arzt und Pflegepersonal statt. Da auch diese Besprechung im wesentlichen der Steuerung des Kundenintegrationsprozesses und nicht der direkten Erstellung einer Pflegeleistung dient, ist sie als Support-Aktivität anzusehen. Sie wird dokumentiert (Support-Aktivität). Danach wird das Frühstück zubereitet und die Medikamente werden entsprechend den Anweisungen des Arztes zusammengestellt. Diese Aktivitäten sind ebenfalls als Support-Aktivitäten anzusehen, da sie nur der mittelbaren Behandlung und Versorgung der Patienten dienen (unterhalb der „line of internal interaction“). Die Ausgabe des Frühstücks und der Medikamente findet in den Zimmern statt; es handelt sich somit um für die Patientin sichtbare Aktivitäten (oberhalb der „line of visibility“). Redet das Pflegepersonal mit den Müttern und will man den Interaktionsaspekt hervorheben, so lassen sich diese Aktivitäten auch auf der „line of interaction“ eintragen. Ist das Frühstück ausgegeben, so essen die Patientinnen (oberhalb der „line of interaction“, da das Pflegepersonal hieran nicht beteiligt ist). Dann muß das Frühstückstablett wieder abgeholt (sichtbare, kundenbezogene Aktivität) und anschließend gespült werden, eine nicht sichtbare Aktivität, die zu den Support-Aktivitäten zu zählen ist, da der Kundennutzen nur ein indirekter ist (sauberes Geschirr für die nächste Mahlzeit). Nachdem die Mutter gefrühstückt hat, beginnt sie mit ihren Anwendungen, z. B. Rückbildungsgymnastik oder speziellen Bädern. Hierzu sind ebenfalls Dokumentationen erforderlich, zum Teil auch vorbereitende Aktivitäten, wie etwa das Bereitmachen des Bades. 30 Das Blueprint – ein Ebenenmodell der Pflegeaktivitäten Februar 2000 Inhalt Suchen 5 z 02 04 Hilfe Treffer Unterhalb der „line of order penetration“ können nun sämtliche Aktivitäten eingetragen werden, die der Vorbereitung des Leistungserstellungsprozesses dienen. Als Preparation-Aktivitäten sind dabei solche anzusehen, die bereits vorhandene Potential- und Verbrauchsfaktoren kombinieren, etwa die Beschaffung von Windeln aus der Vorratskammer, die Erstellung eines Speiseplanes, die Entgegennahme der Lieferung von Lebensmitteln in der Küche, die Erarbeitung eines Gymnastikprogrammes oder die Ausarbeitung des Dienstplans für die Entbindungsstation. Unterhalb der „line of implementation“ sind alle Potentialsfaktoren eingetragen, die benötigt werden, um den Leistungserstellungsprozeß durchführen zu können, z. B. die EDV, mit deren Hilfe die notwendigen Daten dokumentiert werden sollen, die Krankenzimmer und ihre Ausstattung, in der die Patientinnen gepflegt werden. Um das Blueprint nicht zu unübersichtlich zu gestalten, wurde auf die Pfeile verzichtet, die die Preparation- und Facility-Aktivitäten mit den oberhalb der „line of order penetration“ angesiedelten Tätigkeiten verbinden. z fazit Das Blueprint unterteilt den Pflegeprozeß in verschiedene Ebenen, die vom Patienten aus definiert werden. Unterschieden werden Interaktions-Aktivitäten, primäre Kundenaktivitäten und Support-Aktivitäten im Rahmen des Leistungserstellungsprozesses. Im Rahmen des Leistungspotentials sind Preparation- und Facility-Aktivitäten zu differenzieren. 31 5 z 02 05 Die Dokumentation des Pflegeprozesses im Ist-Blueprint Inhalt Suchen Treffer Hilfe 5 z 02 | 05 Die Dokumentation des Pflegeprozesses im Ist-Blueprint Blueprint zur Dokumentation der Aktivitäten Abbildung 4 enthält zunächst einmal eine Dokumentation der Pflegeaktivitäten. Anders als bei einer Abbildung von Pflegeaktivitäten in chronologischer Form wird hierbei allerdings darauf geachtet, den Prozeß aus der Sicht des Patienten zu betrachten und die Integration des Patienten in den Pflegeprozeß in den Mittelpunkt zu stellen. Solche Ist-Blueprints können in unterschiedlichem Detaillierungsgrad erstellt werden: Ein Blueprint kann einen gesamten Pflegeprozeß abbilden, etwa für einen speziellen Patienten – dies wäre der größtmöglich zu erzielende Detaillierungsgrad. Da der Aufwand der Erstellung jedoch nicht zu unterschätzen ist (siehe unten), ist ein solch hoher Detaillierungsgrad nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Empfehlenswerter ist demgegenüber die Abbildung eines typischen Ablaufs des Pflegeprozesses für eine Abteilung, wie ihn auch Abb. 4 enthält. Die Abbildung ist allerdings nicht vollständig, sondern enthält lediglich einen Ausschnitt aus dem Pflegeprozeß der Entbindungsstation. Zu ergänzen wären u. U. weitere Aktivitäten, die hier fehlen, sowie die am Nachmittag, Abend und in der Nacht anfallenden Aktivitäten. Dem Blueprint lassen sich nun noch die folgenden Angaben hinzufügen, die für eine Überprüfung und Umorganisation des Pflegeprozesses notwendig sind. z Zeitangaben: Die untere Achse des Blueprints enthält einen Zeitstrahl. Gemeinsam mit dem Pflegepersonal können nun jeder Aktivität Angaben für die notwendige Zeit zugeordnet werden. Hierbei kann es sich zum einen um Durchschnittswerte handeln, wie sie aus mehreren Prozessen gewonnen werden bzw. aus den Angaben mehrerer Pflegerinnen. Es können auch Minimum- und Maximumgrößen herangezogen werden, um einen Eindruck Unterschiedliche Detaillierungsgrade Ergänzung des Blueprints um . . . Zeitangaben 32 Aufdecken von Schwachstellen mit Hilfe des Blueprints Februar 2000 Inhalt Suchen 5 z 02 06 Hilfe Treffer von den zeitlichen Schwankungen zu erhalten, denen jede einzelne Aktivität unterliegen kann. z Abteilungen bzw. Stellen: In das Blueprint können weiterhin Angaben zu den die Aktivitäten Durchführenden gemacht werden. Welche Art von Personal (z. B. Kinderkrankenschwester, Schwesternschülerin, Krankengymnastin) wird derzeit eingesetzt, um welche Aktivität durchzuführen? z Hilfsmittel: Welche Hilfsmittel werden eingesetzt, um die Aktivitäten durchzuführen? Welches EDV-Programm bzw. welche EDV-Programme werden verwendet, um die notwendigen Informationen zu erfassen? Welche Formulare werden eingesetzt? z Räumlichkeiten: Hier sind die Räume einzutragen, in denen die Aktivitäten durchgeführt werden. Hieraus läßt sich beispielsweise erkennen, ob große Entfernungen der Anlaß dafür sind, daß das Personal zeitlich überlastet ist. z Kosten: Sofern das Krankenhaus über eine Kostenrechnung verfügt, die entsprechende Informationen zur Verfügung stellen kann, können in das Blueprint auch die Kosten jeder einzelnen Aktivität eingetragen werden. Voraussetzung hierfür ist allerdings die Einführung der Prozeßkostenrechnung (Reckenfelderbäumer 1994). Aufdecken von Schwachstellen mit Hilfe des Blueprints Die Darstellung der Aktivitäten im Blueprint und die Zusatzangaben dienen dazu, Schwachstellen und Probleme im Pflegeprozeß aufzudecken. Sie bilden die Diskussionsgrundlage für Verbesserungen: Gemeinsam mit dem Pflegepersonal kann mit Hilfe des Blueprints erarbeitet werden, an welchen Stellen es hakt, wo es zu Belastungen und Engpässen kommt, wo die Arbeitsorganisation verbessert werden kann. 33 Zuständigkeiten Technische und organisatorische Hilfsmittel Räume Kosten 5 z 02 | 06 5 z 02 06 Aufdecken von Schwachstellen mit Hilfe des Blueprints Inhalt Aktivitäten oberund unterhalb der „line of internal interaction“ Zeitengpässe erkennen Schnittstellen erkennen Hilfsmittel prüfen Suchen Treffer Hilfe Folgende Überlegungen können Hilfestellung bei der Beurteilung der Organisation des Pflegeprozesses leisten. z Anteil der Aktivitäten oberhalb und unterhalb der „line of internal interaction“: Da der Patient im Mittelpunkt des Pflegeprozesses steht, sind alle Aktivitäten, die den Patienten einbeziehen und seinem direkten Nutzen dienen, von größerer Bedeutung als die Support-Aktivitäten. Betrachtet man das Blueprint, so sollte der größte Teil der Aktivitäten oberhalb der „line of internal interaction“ liegen. Befindet sich demgegenüber ein größerer Teil der Aktivitäten unterhalb der „line of internal interaction“, so deutet das auf eine Dominanz verwaltungstechnischer Aktivitäten hin, die vornehmlich der eigenen Prozeßorganisation dienen und weniger dem Patienten zugute kommen. Hier besteht ein erster Ansatzpunkt für Verbesserungen. z Zeitangaben helfen, zeitliche Engpässe zu erkennen: Dabei ist davon auszugehen, daß Aktivitäten oberhalb der „line of internal interaction“ mehr Zeit benötigen dürfen als Aktivitäten unterhalb der „line of internal interaction“. Ist dies nicht der Fall, so gilt – wie bereits oben dargestellt – daß die interne Organisation des Pflegeprozesses zu viel Zeit kostet. z Abteilungen und Stellen: Sind sehr viele unterschiedliche Abteilungen und Stellen beteiligt, so kann dies zu Übergabe- und Abstimmungsproblemen führen. Diese kosten Zeit, führen zu Mißverständnissen, aus denen Fehler resultieren. z Hilfsmittel: Sind die technischen Hilfsmittel adäquat für die Aufgaben, für die sie eingesetzt werden? Hilft die EDV oder führt sie eher zu zeitlichen Verzögerungen, Fehlern o. ä.? 34 Aufdecken von Schwachstellen mit Hilfe des Blueprints Inhalt Suchen 5 z 02 06 Hilfe Treffer z Räumlichkeiten: Werden die verschiedenen Aktivitäten an vielen verschiedenen Orten durchgeführt, so können dadurch lange Wegzeiten entstehen, die der Patientenpflege entzogen werden. z Kosten: Werden die Kosteninformationen mit den Zeitangaben und den Informationen über die Aktivitäten selbst verknüpft, so zeigen sich auch hier Ansatzpunkte für eine effizientere Gestaltung des Pflegeprozesses. Februar 2000 In der Abb. 5 ist dargestellt, worauf bei der Anwendung des Blueprints zu achten ist. Das Blueprint kann aber Abb. 5: Hinweise zur Anwendung des Blueprints in der Praxis 35 Wege prüfen Kosten erfassen 5 z 02 07 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Suchen Treffer Hilfe nicht nur dazu dienen, die Aktivitäten zu dokumentieren und zu analysieren, sondern bietet auch eine Hilfestellung, um die Aktivitäten im Rahmen des Pflegeprozesses zu gestalten und zu steuern. 5 z 02 | 07 Ansatzpunkte der Prozeßverbesserung Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Zur Gestaltung des Pflegeprozesses können die verschiedenen Ebenen des Blueprints und die dort notwendigen Tätigkeiten näher betrachtet werden. Handelt es sich um die Überprüfung und Veränderung eines bereits bestehenden Pflegeprozesses, so lassen sich grundsätzlich die in Abb. 6 dargestellten Alternativen unterscheiden. Im folgenden sollen – differenziert nach den Ebenen des Blueprints – mögliche Veränderungen näher betrachtet werden. Hierbei bieten sich im wesentlichen die folgenden Ansatzpunkte: z die Planung und Organisation bestehender Aktivitäten, d. h. Gestaltung der Interaktionsaktivitäten, der Abb. 6: Möglichkeiten der Prozeßverbesserung. (Quelle: agiplan AG) 36 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt z Suchen 5 z 02 07 Hilfe Treffer sichtbaren Aktivitäten, der primären kundenbezogenen Aktivitäten, der Support-Aktivitäten, der Preparation-Aktivitäten und der Facility-Aktivitäten. Verschiebung der Aktivitäten zwischen den Ebenen. Februar 2000 Hierbei betrachten wir zunächst die integrativ zu disponierenden Aktivitäten, um aus den dort vorgenommenen Veränderungen Konsequenzen für die autonom disponierbaren Aktivitäten abzuleiten. Die Gestaltung des Leistungserstellungsprozesses Die Gestaltung der Interaktions-Aktivitäten zwischen Pflegepersonal und Patient Patienten sind Menschen und unterscheiden sich daher stark voneinander. Die Gestaltung des Pflegeprozesses, die sowohl auf die Erreichung des Effizienzziels als auch des Effektivitätsziels ausgerichtet ist, kann darauf jedoch nur in begrenztem Maße Rücksicht nehmen. Es wäre im Interesse der Erreichung des Effizienzziels, für alle Patienten nur einen Prozeß zu planen und diesen möglichst standardisiert zu durchlaufen. Dies erfordert weniger Ressourcen, weniger Zeit und verursacht damit auch weniger Kosten. Effektiv aus der Sicht des Patienten ist der Pflegeprozeß dann, wenn seine individuellen Bedürfnisse vollständig befriedigt werden. In diesem Spannungsfeld ist bei der Prozeßgestaltung nach einer Lösung zu suchen. Eine Möglichkeit besteht darin, Patienten im Hinblick auf gemeinsame Merkmale zu Gruppen zusammenzufassen. Patienten der Gruppe 1 würden einen anderen Prozeß anstoßen bzw. durchlaufen als Patienten der Gruppe 2. Diese Vorgehensweise wird im Marketing als Marktsegmentierung bezeichnet (s. Kap. 2.40.03). 37 Patienten zu Gruppen zusammenfassen 5 z 02 07 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Detaillierungsgrad der Segmentierung Pflegestufen Prozeßevidenz Suchen Treffer Hilfe Dabei kann die Segmentierung unterschiedlichen Detaillierungsgrad aufweisen, wobei zwei Extremfälle denkbar sind. Der eine Extremfall besteht darin, daß alle Patienten gleich behandelt werden; der andere Extremfall ist dadurch gekennzeichnet, daß jeder Patient ganz individuell behandelt wird. Bei der Marktsegmentierung geht es zunächst darum, die relevanten Merkmale herauszufinden, anhand derer die Gruppen gebildet werden sollen. Dabei sind solche Merkmale relevant, die in Beziehung zu den Bedürfnissen der Patienten und der Pflegeaktivitäten stehen. Eines der Merkmale, hinsichtlich dessen sich Patienten voneinander unterscheiden, stellen die Anforderungen an die Pflege dar. So ist beispielsweise nach einer Operation der Pflegeaufwand größer als bei einem Patienten, der lediglich zur Beobachtung im Krankenhaus behalten wird. Ersterer kann wesentlich weniger Tätigkeiten selbst ausüben, ist also auf die Hilfe der Krankenschwester angewiesen. Diese Unterschiede werden beispielsweise in den Pflegestufen berücksichtigt, die zwischen Grundleistungen, erweiterten Leistungen und besonderen Leistungen unterscheiden und diese wiederum nach zwei Patientengruppen differenzieren: Patienten, die allgemeiner Pflege bedürfen, und Patienten, die einer speziellen Pflege bedürfen (vgl. hierzu ausführlich Müller u. Schär 1994 S. 254 ff.). Patienten können sich weiterhin dadurch voneinander unterscheiden, daß sie in unterschiedlichem Maße über die Abläufe in einem Krankenhaus informiert sind. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Prozeßevidenz. Prozeßevidenz besteht aus zwei Merkmalen: dem Prozeßbewußtsein und der Prozeßtransparenz. 38 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Februar 2000 Inhalt Suchen 5 z 02 07 Hilfe Treffer Prozeßbewußtsein bezieht sich darauf, daß für einen erfolgreichen Pflegeprozeß und Krankenhausaufenthalt der Patient sich der Bedeutung seiner Mitwirkung bewußt sein muß. Andernfalls wird der Pflegeprozeß und auch der Heilungsprozeß behindert. Prozeßtransparenz bezieht sich auf das Wissen des Patienten über den Pflegeprozeß. Patienten, die bereits häufiger im Krankenhaus waren, wissen genauer über den Ablauf Bescheid als Patienten, die das Krankenhaus zum ersten Mal aufsuchen. Bei fehlender oder mangelnder Prozeßtransparenz kann das Pflegepersonal den betroffenen Patienten den Ablauf erklären und sie darauf hinweisen, was von ihnen erwartet wird und was sie erwarten können. Bezüglich mangelnder Prozeßtransparenz hinsichtlich des Heilungsprozesses können etwa Vortragsreihen über Ernährung, Sport etc. weiterhelfen, wie sie zum Teil auch bereits von den Krankenkassen angeboten werden. Mangelndes Prozeßbewußtsein ist zum Teil auf fehlendes Wissen zurückzuführen, zum Teil allerdings auch auf mangelnde Einsicht. Diese Barrieren zu überwinden, ist weit schwieriger. Segmentierung anhand dieser oder anderer Kriterien kann auf unterschiedlichen Ebenen betrieben werden, um eine größtmögliche Kunden- bzw. Patientennähe zu erreichen. Auf der Ebene des Krankenhauses lassen sich etwa Privatpatienten und Kassenpatienten unterscheiden. Diese Unterteilung hat auch auf der Ebene der Pflegestation Gültigkeit; dort kommen aber noch weitere Merkmale hinzu, wie etwa die Pflegeanforderungen. Betrachtet man das Verhalten der einzelnen Krankenschwester, so können weitere Patientengruppen differenziert werden, wie etwa die „Schwierigen“ und die „Pflegeleichten“. Während er39 Komponenten der Prozeßevidenz: Prozeßbewußtsein . . . . . . und Prozeßtransparenz Schaffung von Prozeßevidenz Segmentierungsebenen 5 z 02 07 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Suchen Treffer Hilfe stere mehr persönliche Ansprache benötigen und damit auch andere Anforderungen an das Pflegepersonal stellen, fügen sich letztere problemlos in den Pflegeprozeß ein und haben auch Verständnis dafür, daß die Zeit für eine längeres „Pläuschchen“ nicht immer reicht. Bereichs- bzw. Bezugspflege, Zimmerpflegekonzept Die Durchführung der Pflege: Kombination der internen und externen Faktoren Bei diesen Aktivitäten handelt es sich um die Aktivitäten, die dem Patienten – für ihn sichtbar oder unsichtbar – direkten Nutzen stiften. Ein zentrales Problem bei der Gestaltung der Pflegeaktivitäten besteht darin, daß oftmals die Zeit zu knapp ist, um alle Aktivitäten so durchzuführen, wie es den Interessen der Patienten entspricht. Dies führt im Bereich der funktionsorienten Pflege etwa dazu, daß Patienten bereits um 5.30 Uhr geweckt werden, obwohl sie gerne noch länger geschlafen hätten und den Tag über auch kaum etwas zu tun haben. Abhilfe schafft hierbei die Bereichs- oder Bezugspflege bzw. das sog. Zimmerpflegekonzept. Im Gegensatz zum funktionsorientierten Konzept, das sich ablauftechnisch an einzelnen Aufgaben orientiert, wird bei der Bereichspflege ein ganzheitliches Pflegekonzept verfolgt. Hierbei wird eine große Station in überschaubare kleinere Bereiche oder Gruppen aufgeteilt, so daß gemeinsame Patientengruppen gebildet werden können und sich feste Visitezeiten unter Beteiligung von Arzt, Patient und Pflege vereinbaren lassen. 40 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Suchen 5 z 02 07 Hilfe Treffer z Beispiel Februar 2000 Beim funktionalen Konzept etwa serviert eine Krankenschwester das Frühstück für alle, während eine andere das Waschen übernimmt. Somit hat der Patient, der gewaschen wird und Essen erhält, es mit zwei verschiedenen Betreuungspersonen zu tun. Beim Zimmerpflegekonzept werden alle pflegerischen Aktivitäten von ein- und derselben Krankenschwester durchgeführt. Müller und Schär (1994 S. 249) führen diese Vorteile des Zimmerpflegekonzeptes für den Patienten auf: z weniger Störungen durch weniger Personalrotation, z Reduzierung von physischen Belastungen durch eine verbesserte Koordinierung von pflegerischen Arbeiten, z besseres Einbringen der Ressourcen des Patienten, z schnellere und bessere Entwicklung der Vertrauensbasis zum Patienten, z Wachsen des subjektiven Gefühls einer individuellen Betreuung, z Zunahme der Informiertheit des Patienten und z Steigerung der Motivation des Patienten an seiner Genesung. Eine Frage, die sich im Zusammenhang mit der Gestaltung der primären kundenbezogenen Aktivitäten stellt, ist die Frage nach der Lage der „line of visibility“. Welche Aktivitäten sollen für den Patienten sichtbar sein, welche Aktivitäten sollen es nicht sein? 41 Vorteile der Zimmerpflege 5 z 02 07 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Sichtbare Aktivitäten können Zufriedenheit erhöhen Vertrauliche Aktivitäten Suchen Treffer Hilfe Sichtbare und unsichtbare Aktivitäten Generell gilt, daß alle Aktivitäten, die der Patient sehen kann, auch von ihm bewertet werden. Die Bewertungen verschiedener Aktivitäten verdichten sich dabei in den Augen des Patienten zu einem Qualitäts- oder Zufriedenheitsurteil. Aus diesen Überlegungen läßt sich die Schlußfolgerung ziehen, daß Patienten vor allem solche Aktivitäten sehen sollten, die zu einem positiven Qualitäts- oder Zufriedenheitsurteil führen. Welche Aktivitäten das genau sind, läßt sich nur im Zuge der Patientenbefragung erfahren. Grundsätzlich läßt sich vermuten, daß Patienten insbesondere dann unzufrieden werden, wenn sie das Pflegepersonal nur selten zu Gesicht bekommen. Daher ist zu überlegen, ob nicht vorbereitende pflegerische Aktivitäten in die Zimmer von Patienten verlagert werden können, so daß die Patienten die Aufmerksamkeit des Personals genießen. Selbstverständlich sind alle Aktivitäten, bei denen Patienten Informationen erhalten können, die nicht für sie bestimmt sind, in den Bereich unterhalb der Sichtbarkeitslinie zu verlagern. Dies gilt etwa für Besprechungen zwischen dem Pflegepersonal und den Ärzten oder bei Übergabegesprächen. Diese Aktivitäten sind dabei zum Teil bereits zu den Support-Aktivitäten zu rechnen. Die Gestaltung der Support-Aktivitäten Support-Aktivitäten haben, wie der Name bereits sagt, unterstützenden Charakter. Es handelt sich um solche Aktivitäten, die den Pflegeprozeß als solchen unterstützen und die der weiteren Steuerung des Prozesses dienen. Hierzu gehören vorbereitende Tätigkeiten, wie etwa das Vorbereiten von Verbänden, das Zusammenstellen von Medikamenten oder das Vorbereiten des Frühstücks. 42 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Februar 2000 Inhalt Suchen 5 z 02 07 Hilfe Treffer Bei der Organisation der Support-Aktivitäten sind zwei Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen: z Support-Aktivitäten werden von Mitarbeitern wahrgenommen, die nicht für Pflegeaufgaben qualifiziert sind, während die primären Aktivitäten der Pflege von qualifiziertem Pflegepersonal übernommen werden. Der Vorteil liegt darin, daß das qualifiziertere Pflegepersonal sich den pflegerischen Tätigkeiten widmen kann und so den Pflegeerfolg nachhaltig zu verbessern vermag. Ein weiterer Vorteil liegt in den geringeren Kosten, die bei einer solchen Form der Arbeitsteilung verursacht werden, da qualifiziertes Pflegepersonal höhere Kosten verursacht als im Pflegebereich nicht qualifizierte Mitarbeiter. Der Nachteil besteht darin, daß eine Vielzahl von Schnittstellen geschaffen wird, an denen sich Pflegepersonal und unterstützendes Personal abstimmen müssen. Diese Abstimmungsaktivitäten verbrauchen Zeit und verursachen Kosten, die u. U. den Kostenvorteil der „billigeren“ Kräfte wieder auffressen. Dem Abschlußbericht der Modellprojekte an 9 Krankenhäusern des Landes Nordrhein-Westfalen (Ministerium 1995 S. 20) ist folgendes zu entnehmen: „Für das Festhalten des Materialbedarfs, die Bestellung und das Einlagern des medizinisch-pflegerischen Sachbedarfs benötigte das Pflegepersonal einer Modellstation mit 34 Planbetten bislang wöchentlich ca. 8 Arbeitsstunden. Durch die Übernahme dieser Tätigkeiten entlastet der Versorgungsassistent die Modellstation pro Jahr von ca. 416 Arbeitsstunden oder 1/4 einer vollen Planstelle (bei einer Netto-Jahresarbeitszeit von 1640 Stunden). Ein vergleichbarer Zeitbedarf war bislang für andere Versorgungsleistungen notwendig (Wäsche, Büromaterial, Sterilgut, Getränke etc.).“ 43 Arbeitsteilung zwischen Supportund Pflegeaktivitäten 5 z 02 07 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Suchen Treffer Hilfe Support- und Pflegeaktivitäten in einer Hand z Übergabegespräche Ebenfalls Bestandteil der Support-Aktivitäten ist der Informationsaustausch. Dies betrifft zum einen die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Pflegepersonal sowie des Pflegepersonals untereinander als auch die Dokumentation der erbrachten Leistungen für die Leistungsabrechnung. Auch hier können anhand des Blueprints Notwendigkeiten in der Veränderungen der Arbeitsabläufe festgestellt werden, die dann zur einer Neuorganisation des Pflegeprozesses führen. Die andere Möglichkeit besteht darin, auch die vorbereitenden Tätigkeiten vom Pflegepersonal selbst durchführen zu lassen, so daß ein einheitlicher Tätigkeitskomplex geschaffen wird. Dies hat den Vorteil, daß die Schnittstellen und damit die Abstimmungsprobleme entfallen, kann andererseits aufgrund des Einsatzes von teurerem Pflegepersonal auch zu höheren Kosten führen. Wird allerdings ein Teil der vorbereitenden Aktivitäten in den Bereich oberhalb der „line of visibility“ gelegt, so kann der Patient daran partizipieren und Pflege sowie Vorbereitung bilden eine Einheit. Dies entspricht der Idee ganzheitlicher Krankenpflege, wie sie das folgende Zitat verdeutlicht: „Wenn Krankenpflege ganzheitlich sein soll, gibt es keine pflegefremden Tätigkeiten, weil sich alles direkt oder indirekt um den Patienten dreht“ (Ministerium 1995 S. 18). 44 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Suchen 5 z 02 07 Hilfe Treffer z Beispiel Februar 2000 So wurde etwa im Rahmen der Diskussion mit Pflegekräften in den Modellprojekten in 9 Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen festgestellt, daß Therapie und Diagnostik den Pflegeprozeß immer wieder unterbrechen. Da jeder Patient andere Therapien erhält und demzufolge zu unterschiedlichen Zeiten das Zimmer verläßt, ist es schwierig, ein einheitliches Pflegekonzept zu verwirklichen und den Pflegeablauf zu organisieren. So wurde beispielsweise der Zeitraum von 8.00 bis 10.00 Uhr als diagnostik- und therapiefreie Zeit ausgehandelt, innerhalb derer sich das Pflegepersonal den pflegeintensiven und bettlägerigen Patienten widmet (Ministerium 1995 S. 34). Veränderungen im Rahmen der interaktiven, primären und unterstützenden Tätigkeiten haben Konsequenzen für die Gestaltung der autonom disponierbaren Tätigkeiten. Die Gestaltung des Leistungspotentials Preparation-Aktivitäten Preparation-Aktivitäten beinhalten vorbereitende Tätigkeiten, die das Leistungspotential in Leistungsbereitschaft versetzen. Im Gegensatz zu den Support-Aktivitäten, die ebenfalls vorbereitenden Charakter haben, sind die Preparation-Aktivitäten aber nicht integrativ (d. h. unter Mitwirkung des Patientens) zu disponieren, sondern unterliegen der autonomen Disposition. Auf einer Pflegestation betreffen die Preparation-Aktivitäten insbesondere die Bereitstellung des notwendigen Verbrauchsmaterials sowie die Personaleinsatzplanung. 45 Autonom disponiert Lagerhaltung, Materialdisposition 5 z 02 07 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Suchen Treffer Hilfe z Beispiele Um etwa das Baby wickeln und anziehen zu können, müssen Windeln und saubere Kleidung vorhanden sein. Die Lagerung kann dabei ganz unterschiedlich organisiert sein. So kann etwa der Tagesbedarf Windeln und Kleidung im selben Zimmer gelagert werden, in dem Babys auch versorgt werden. Darüber hinaus kann sich auf der Station ein Zwischenlager befinden, das den Bedarf einer Woche enthält, so daß – reicht der Tagesvorrat im Säuglingszimmer nicht aus – der Vorrat innerhalb kurzer Zeit aufgefüllt werden kann. Der Monatsvorrat befindet sich in einem Zentrallager, aus dem wiederum das Zwischenlager aufgefüllt wird. Eine andere Regelung kann darin bestehen, auf das Zwischenlager zu verzichten. Hier wird dann der Windelbedarf aus dem Zentrallager aufgefüllt, wobei eine genaue Verbrauchserfassung und –planung notwendig ist. Eine weitere Möglichkeit liegt darin, auf das Zentrallager zu verzichten. Hierbei wird mit dem Windellieferanten eine Vereinbarung getroffen, den Wochenvorrat an Windeln direkt auf die Station zu liefern. Personaleinsatzplanung Die Personaleinsatzplanung richtet sich nach den Erfordernissen des integrativen Teils des Pflegeprozesses. Werden beispielsweise diagnostik- und therapiefreie Zeiten vereinbart, so muß für diesen Zeitraum genügend Pflegepersonal vorhanden sein. Demgegenüber werden diejenigen, die mit der Therapie betraut sind (z. B. Physiotherapeuten), in diesem Zeitraum für die Arbeit mit den Patienten nicht benötigt, stehen also für andere Tätigkeiten zur Verfügung, etwa Supporttätigkeiten oder Tätigkeiten unterhalb der „line of visibility“. 46 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Suchen 5 z 02 07 Hilfe Treffer Eine solche Veränderung des integrativen Pflegeprozesses erfordert auch neue Arbeitszeitmodelle, etwa flexiblere Arbeitszeiten statt Schichtarbeit. Hieraus können nicht nur Vorteile in der Patientenbetreuung resultieren; auch für das Pflegepersonal eröffnen sich neue Perspektiven, wie der folgende Erfahrungsbericht aus den Modellversuchen in Nordrhein-Westfalen (Ministerium 1995) verdeutlicht. Neue Arbeitszeitmodelle Februar 2000 z« Die Vermeidung früher Weckzeiten, die Definition therapiefreier Zeiten, die vereinfachte Abstimmung der Visiten mit dem Ziel fester Visitenzeiten sind nur einige Beispiele, die im Rahmen von neuen Arbeitsmodellen zur Sprache gebracht werden. Viele Mitarbeiter gewinnen über „Kernarbeitszeiten“ ein schon lange verschüttetes Verhältnis zur aktiven Freizeitgestaltung mit Freunden und Bekannten, das sie bislang außerhalb ihrer Berufsgruppe wegen asynchroner Arbeiten selten bekommen konnten. Allerdings sind mit entsprechenden Umorganisationen innerhalb des integrativen Pflegeprozesses auch neue Anforderungen an das Pflegepersonal verbunden. So erfordert etwa die stärkere Einbeziehung des Patienten, die Schaffung von Prozeßevidenz etc. andere kommunikative Fähigkeiten im Umgang mit den Patienten: Das Pflegepersonal muß etwa in der Lage sein, seine eigenen Aktivitäten zu reflektieren und diese – im Hinblick auf den Nutzen für den Patienten – zu artikulieren. Der neue und ungewohnte Umgang mit dem Patienten ist einzuüben, was im Zuge von Weiterbildungsmaßnahmen geschehen kann. 47 Weiterbildung 5 z 02 07 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Suchen Treffer Hilfe Weiterhin können Veränderungen im integrativen Prozeß auch Veränderungen im Rahmen der Facility-Aktivitäten nach sich ziehen. Beschaffung von Ressourcen Facility-Aktivitäten Facility-Aktivitäten umfassen alle Aktivitäten, die notwendig sind, um Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Hierunter fallen sämtliche Beschaffungsaktivitäten. Gegenstand der Beschaffung können Personal, Kapital, Maschinen wie EDV-Anlagen, Verbrauchsmaterialien wie Windeln und Medikamente oder auch Informationen, z. B. im Zuge der Marktforschung, sein. z! Informationen treten an zwei Stellen auf: z im Rahmen des Leistungserstellungsprozesses als externe Faktoren und z im Rahmen des Leistungspotentials als Ergebnis der Marktforschung. z Beispiel Die Änderung der Aufgabenverteilung führt somit beispielsweise zu Veränderungen hinsichtlich des Personalbedarfs. Wird etwa das Pflegepersonal von sog. pflegefremden Tätigkeiten, d. h. Supporttätigkeiten, entlastet, so werden Hilfskräfte mit anderen Qualifikationen benötigt, die u. U. erst eingestellt werden müssen. Demgegenüber setzt die Neuorganisation des Pflegeprozesses nicht nur Zeit frei, die für die Pflege am Patienten genutzt werden kann, sondern angesichts knapper finanzieller Mittel im Krankenhausbereich kann es notwendig sein, Pflegepersonal freizusetzen (also zu entlassen). Hierdurch wird eine Ko- 48 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Suchen 5 z 02 07 Hilfe Treffer stenumverteilung erreicht, indem etwa eine Pflegekraft entlassen wird, für die zwei Hilfskräfte eingestellt werden, die für die Support-Aktivitäten notwendig sind. Hier sind sozialverträgliche Regelungen zu finden, u. U. gemeinsam mit der Mitarbeitervertretung. Februar 2000 Weitere Aktivitäten im Rahmen des Facility-Bereichs betreffen die Gestaltung der Zimmer der Patienten (die z. B. dem Pflegekonzept angemessen sein müssen) und der Aufenthaltsräume des Pflegepersonals, die Entscheidung über die Lagerorganisation und ähnliches. In diesem Bereich ist auch die gesamte Beschaffung anzusiedeln. Die Verteilung der Aktivitäten zwischen Patient und Pflegepersonal: Das Ausmaß der Patientenintegration Die bisher geschilderten Möglichkeiten der Prozeßveränderung gingen davon aus, daß Patienten nicht mehr als bisher in den Pflegeprozeß integriert werden sollen. Grundsätzlich besteht jedoch auch die Alternative, die Tätigkeiten zwischen Patient und Pflegepersonal anders zu verteilen. In welchem Maße eine verstärkte Patientenintegration grundsätzlich möglich ist, hängt im wesentlichen ab z vom Gesundheitszustand des Patienten (ist er in der Lage, bestimmte Aktivitäten zu übernehmen?) und z von der Prozeßevidenz (ist er fähig und willens, bestimmte Aktivitäten zu übernehmen?). Hierbei ist allerdings darauf zu achten, daß nicht nur die Effizienz des Pflegeprozesses, sondern auch die Effektivität verbessert wird. 49 Gestaltung von Ressourcen Einflußfaktoren der Patientenintegration 5 z 02 07 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Suchen Treffer Hilfe z Beispiel Ein gutes Beispiel hierfür stellt das Rooming-in dar, bei dem das Baby den Tag und manchmal auch die Nacht bei der Mutter verbringt. Die Mutter, nicht wie in Abb. 4 dargestellt das Pflegepersonal, übernimmt das Füttern, Wickeln und Anziehen des Babys. Veränderungen im Blueprint Patientenintegration durch stärkere Interaktion der Patienten untereinander Betrachtet man das Blueprint, so verlagern sich durch eine erhöhte Patientenintegration bestimmte Aktivitäten aus der Anbietersphäre in die Kundensphäre. Nicht nur daß das Füttern des Kindes entfällt, auch das Abholen ist in der Regel nicht mehrmals am Tag notwendig, sondern beispielsweise erst abends. Eine stärkere Integration des Patienten stellt somit eine Entlastung der Aktivitäten des Anbieters dar. Eine stärkere Patientenintegration wirkt sich aber auch auf die Support-Aktivitäten aus sowie auf die im Rahmen des Leistungspotentials angesiedelten Preparation- und Facility-Aktivitäten. So müssen beispielsweise Windeln etc. im Zimmer der Mütter vorhanden sein. Grundsätzlich denkbar wäre auch, die Interaktion der Patienten untereinander stärker im Pflegeprozeß zu berücksichtigen und sie mit Hilfe gemeinsamer Aktivitäten stärker am Pflegeprozeß zu beteiligen. So könnten sich Patienten mit einer besseren Konstitution um Patienten mit einer schlechteren Konstitution kümmern, indem sie sich mit ihnen unterhalten, ihnen vorlesen oder vielleicht auch Spiele mit ihnen spielen. Dabei lassen sich völlig neue Wege beschreiten, wie das folgende Beispiel von Blum (1997) verdeutlicht. 50 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Suchen 5 z 02 07 Hilfe Treffer Februar 2000 z Beispiel In Mülheim fährt die Kirchenmusikerin Petra Stahringer mit einem Klavier auf Rädern, einem Servierwagen auf dem die Orffschen Instrumente liegen und einem Korb voll exotischer Rhythmusinstrumente durch die Flure. Die Patienten musizieren mit, singen oder lauschen einfach nur. „Die Leute können ihre Wut auf die Krankheit über die Musikinstrumente rauslassen“, sagt Stahringer. „Musik verbindet, die Leute kommen aus ihrer Isolation heraus und haben einen gemeinsamen Gesprächsstoff.“ Auch ein Theaterensemble und Werkstätten für Literatur, tänzerische Gymnastik und Malen bietet die Mülheimer Klinik. Teilnehmen können Patienten, Mitarbeiter und Besucher. Eine Vortragsreihe „Medizin und Ethik“ ist seit einigen Jahren ebenso etabliert wie der „Treff um elf“, bei dem sich jeden Samstag Chefärzte den Fragen der Bürger stellen. Das Krankenhaus, das jährlich 20.000 stationäre Patienten versorgt, orientiert sich an den amerikanischen Health-Care-Centern. Diese werben mit solchen Begleitprogrammen um Patienten, die in den USA die Rechnung größtenteils selbst begleichen. Schließlich läßt sich auch der umgekehrte Weg beschreiten: Bisher von den Patienten übernommene Aktivitäten werden durch das Pflegepersonal durchgeführt. Welcher Weg eingeschlagen wird – mehr oder weniger Patientenintegration – ist natürlich auch abhängig davon, auf welchem Integrationsniveau sich ein Krankenhaus befindet: z Werden die Patienten bereits genügend eingebunden – muß die Integration zurückgeführt werden? So kann 51 Patientendesintegration 5 z 02 07 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Suchen z Treffer Hilfe es beispielsweise in Krisengebieten und zu Notstandszeiten erforderlich sein, die Patienten mehr zu integrieren als dies normalerweise der Fall wäre. Werden die Patienten nicht genügend eingebunden – wollen sie stärker beteiligt werden? Zur Zeit wird insbesondere in Deutschland dieser Weg beschritten. Eine zweite Entscheidung, die das Blueprint in allen Ebenen berührt, ist die Entscheidung über das Ausmaß der Standardisierung. Extremfall der Standardisierung Individualisierung Ansatzpunkte der Standardisierung Die Aufteilung der Aktivitäten zwischen Leistungspotential und Leistungserstellungsprozeß: Der Standardisierungsgrad Der Standardisierungsgrad eines Pflegeprozesses bezeichnet das Ausmaß, in dem Aktivitäten der Pflege bereits vordisponiert sind, wenn der Patient auf die Station gelangt. Im Extremfall der Standardisierung ist der gesamte Prozeß vorgeplant – hinsichtlich der Aktivitäten, hinsichtlich der Räume und hinsichtlich der Zeitvorgaben. Abweichungen sind nicht zulässig; der Patient fungiert als Ware, die durch diesen Prozeß der Fließbandproduktion zu schleusen ist. Sämtliche Aktivitäten werden autonom disponiert, der Patient stößt lediglich den bereits vorhandenen Standardprozeß an. Das Gegenteil eines solch extrem standardisierten Pflegeprozesses ist eine vollständige Individualisierung. Es gibt keinerlei Regeln für den Pflegeablauf. Der Patient bestimmt beispielsweise selbst, wann er sein Essen haben möchte, und erst dann wird das Pflegepersonal tätig. Die Wahrheit liegt – wie so oft – zwischen diesen beiden Extremen. Es wird versucht, Teilaspekte eines Prozesses zu standardisieren, während andere individuell auf 52 Die Planung und Organisation des Pflegeprozesses mit Hilfe des Blueprints Inhalt Suchen Hilfe Treffer den Patienten zugeschnitten bleiben. Hierbei können grundsätzlich die folgenden Ansatzpunkte unterschieden werden: z der externe Faktor, z die Schnittstelle zwischen externem Faktor und Prozeß, z Teile des Pflegeprozesses. Ein erster Ansatz der Standardisierung wurde mit der Marktsegmentierung bzw. Patientensegmentierung bereits oben beschrieben. Februar 2000 5 z 02 07 Betrachtet man die Schnittstelle zwischen externem Faktor und Prozeß, so geht es darum, wie der externe Faktor in den Prozeß integriert wird. So können beispielsweise Patienteninformationen immer dann in den Prozeß integriert werden, wenn der Patient sie dem Pflegepersonal übermittelt („Ich habe Schmerzen!“). Es kann aber auch ein Zeitpunkt definiert werden, zu dem diese Informationen abgefragt werden (vor dem Schlafen werden alle Patienten gefragt, ob sie Schmerzmittel wünschen), die dann unterschiedliche Aktivitäten nach sich ziehen können (z. B. Schmerzmittel unterschiedlicher Dosierungen). Eine andere Möglichkeit der Standardisierung bezieht sich auf die Art der Informationserfassung, etwa mittels eines (standardisierten) Fragebogens oder sogar per EDV. Schließlich können Teile des Prozesses standardisiert werden, indem die Aktivitäten in ihrer Reihenfolge bestimmt werden. Denkbar ist es auch, entsprechende Zeitvorgaben zu formulieren, wie es etwa für die Tätigkeiten im Rahmen der Pflegestufen kennzeichnend ist. In diesem Sinne stellt auch das Blueprint, nun als Soll-Blueprint, eine Möglichkeit dar, Prozeßabläufe zu standardisieren. 53 5 z 02 08 Die Kontrolle des Pflegeprozesses Inhalt Suchen Treffer Hilfe Die extremste Form der Standardisierung ist die Automatisierung, bei der Maschinen eingesetzt werden. Nicht nur unter ethischen Aspekten ist diese Alternative für die Pflege zumindest z. Z. noch wenig realistisch. Alle geschilderten Formen der Standardisierung verändern die Verteilung der Aktivitäten zwischen Leistungserstellungsprozeß und Leistungspotential: z Je mehr standardisiert wird, desto mehr Aktivitäten werden autonom disponiert und desto mehr verlagern sie sich in den Bereich des Leistungspotentials. z Je weniger standardisiert wird, desto mehr Aktivitäten werden integrativ disponiert und desto mehr Aktivitäten verlagern sich den Bereich des Leistungserstellungsprozesses. 5 z 02 | 08 Die Kontrolle des Pflegeprozesses Ziele bestimmen Wurde nun der Pflegeprozeß im Sinne des Dienstleistungsverständnisses geplant und organisiert, so muß er nun kontrolliert werden. Voraussetzung der Kontrolle ist, daß die Definition oder Vereinbarung von Zielen. Diese Ziele stellen zu erreichende Soll-Größen dar. Im Rahmen eines Soll-Ist-Vergleichs wird dann bestimmt, in welchem Maße es dem Krankenhaus gelungen ist, die festgelegten Ziele zu erreichen. Abweichungen ziehen entsprechende Maßnahmen nach sich. In Kombination mit den im Soll-Blueprint festgelegten Aktivitäten geht es darum, geeignete Steuerungsgrößen zu formulieren, um die übergeordneten Ziele der Effektivität und der Effizienz zu erreichen. Als ein Effektivitätsziel läßt sich beispielsweise die Patientenzufriedenheit bestimmen, deren Erreichungsgrad dann mit Hilfe regelmäßiger Patientenbefragungen überprüft wird. Effizienzziele beziehen sich etwa auf Zeit- und Kostenvorgaben. Steuerungsgrößen finden 54 Zusammenfassung Inhalt Suchen Hilfe Treffer Die Kontrolle des Pflegeprozesses kann sich auch qualitativ ausgerichteter Instrumente bedienen. So läßt sich beispielsweise nach der Umorganisation eines Pflegeprozesses gemeinsam mit den betroffenen Mitarbeitern und Führungskräften in einem Workshop feststellen, ob die vorgenommenen Veränderungen gegriffen haben oder ob Schwachstellen erkennbar und Verbesserungsvorschläge vorhanden sind. Qualitative Instrumente 5 z 02 | 09 Zusammenfassung Februar 2000 5 z 02 09 Pflegeprozesse aus Sicht des Dienstleistungsmanagement sind dadurch gekennzeichnet, daß der Patient sog. externe Faktoren in den Pflegeprozeß einbringt: seinen Körper, Informationen, Aktivitäten. Die Mitwirkung des Patienten im Pflegeprozeß bringt dabei sowohl Chancen als auch Risiken mit sich: zufriedenere Patienten als Chance, höhere Kosten bzw. Unsicherheiten der Planung als Risiko. Die Aufgabe des Managements besteht nun darin, den Pflegeprozeß so zu planen und zu organisieren, daß – unter Berücksichtigung der Unsicherheiten und der Chancen – Effektivität und Effizienz erreicht werden. Effektivität bezeichnet dabei den Zielerreichungsgrad, z. B. den Zufriedenheitsgrad des Patienten, während Effizienz sich auf das Input-Output-Verhältnis bezieht, z. B. wieviele Arbeitsstunden geleistet werden mußten, um den Zufriedenheitsgrad zu erreichen. Mit dem Blueprinting steht ein Planungs- und Organisationstool zur Verfügung, das hilft, die Aktivitäten in der Pflege aus Sicht des Kunden zu betrachten. Hierzu werden die Aktivitäten innerhalb des Pflegeprozesses nach ihrer Nähe zum Kunden sortiert. Aktivitäten im Rahmen des Leistungserstellungsprozesses werden dabei vom Kunden angestoßen und sind 55 5 z 02 09 Zusammenfassung Inhalt Suchen Treffer Hilfe erst möglich, wenn der Patient seine externen Faktoren zur Verfügung gestellt hat. Diese Aktivitäten werden in Interaktionsaktivitäten, primäre Kundenaktivitäten und Support-Aktivitäten unterschieden. Sie können nur integrativ disponiert werden. Interaktionsaktivitäten beziehen sich auf alle Tätigkeiten, die in der Interaktion von Pflegepersonal und Patient durchgeführt werden. Primäre Kundenaktivitäten sind die Aktivitäten, die direkt der Pflege dienen. Sie lassen sich in für den Patienten sichtbare Aktivitäten und für den Patienten unsichtbare Aktivitäten unterscheiden. Support-Aktivitäten dienen der Vorbereitung der primären Aktivitäten. Sie sind notwendig, um den Pflegeprozeß weiter voranzutreiben. Aktivitäten im Rahmen des Leistungspotentials können unabhängig vom Kunden geplant werden – sie werden autonom disponiert. Es handelt sich um Preparationund Facility-Aktivitäten. Facility-Aktivitäten beinhalten in erster Linie Beschaffungsaktivitäten, z. B. des Personals oder der Materialien. Preparation-Aktivitäten versetzen die Ressourcen in Leistungsbereitschaft, z. B. Schulung von Mitarbeitern, Wartung von Computern. Mit Hilfe des Blueprints kann der Pflegeprozeß zunächst dokumentiert und dann im Rahmen einer Analyse auf Schwachstellen abgeklopft werden. Des weiteren läßt sich mittels des Blueprints der Pflegeprozeß neu planen. Hierbei können Aktivitäten entfallen, ersetzt oder anders organisiert werden. Dabei finden Verschiebungen zwischen den verschiedenen Ebenen des Blueprints statt. Eine Erhöhung oder Verminderung des Integrationsgrades verändert die Arbeitsteilung zwischen Patient und Pflegepersonal und kann dabei alle Ebenen des Blueprints berühren. Eine Veränderung des Standardisierungsgrades wirkt sich auf das Verhältnis von Leistungserstellungspro56 Zusammenfassung Inhalt Suchen Hilfe Treffer zeß zum Leistungspotential aus. Um den geplanten und organisierten Pflegeprozeß zu steuern (Controlling), ist das Blueprint um Zusatzangaben beispielsweise zu Zeiten und Kosten zu ergänzen. Damit kann die Erreichung des Effizienzziels überprüft werden. Patientenbefragungen, Auswertungen von Beschwerden u. ä. geben Auskunft über die Erreichung des Effektivitätsziels. Februar 2000 5 z 02 09 Links zum Thema Pflegemanagement z www.pflegenet.com ist ein Server mit Buchtips, Zeitschriftenartikeln, Diplom- und Seminararbeiten zum Pflegemanagement. z www.rz.uni-frankfurt.de/~bodzioch/ bietet eine Link-Liste zum Thema Pflegemanagement der Universität Frankfurt mit einem Überblick über die Studiengänge zum Pflegemanagement, einem Verzeichnis der Server zu diesem Thema, Links zu Verbänden und Organisationen sowie Zeitschriften. z link.medinn.med.uni-muenchen.de/pflege/links/ links.htm stellt eine Liste der Universität München mit Links zu amerikanischen Zeitschriften zu den Themen Pflegepädagogik und Pflegemanagement ins Netz. Literatur Berekoven L (1974) Der Dienstleistungsbetrieb – Wesen, Struktur, Bedeutung. Wiesbaden Blum W (1997) Ein Bericht aus dem Alltag im Krankenhaus: Namenlos. Die Zeit 30 Borsi G (1995) Neue Herausforderungen an das Pflegemanagement. In: Pflegemanagement im Wandel – Perspektiven und Kontroversen. Berlin Heidelberg New York Tokyo, S 17–83 57 5 z 02 09 Zusammenfassung Inhalt Suchen Treffer Hilfe Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg) (1999) Gesundheitsbericht für Deutschland 1998; im Internet unter www.gbebund.de Engelhardt W, Kleinaltenkamp M, Reckenfelderbäumer M (1993) Leistungsbündel als Absatzobjekte. Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung 45:395–426 Falk J (1999) Pflege als Dienstleistungsmanagement. In: Kerres et al. (Hrsg) (1999), S 243–256 Fließ S (1999) Die Steuerung von Kundenintegrationsprozessen. Habilitationsschrift, Freie Universität Berlin Keck A, Pröschild L (1994) Grundlagen des Pflegemanagements im Krankenhaus. Hagen Kerres A, Falk J, Seeberger B (Hrsg) (1999) Lehrbuch Pflegemanagement. Berlin Heidelberg New York Tokyo Kleinaltenkamp M (1994) Kooperatives Kundenmanagement im Business-to-Business-Marketing In: Tomczak T, Belz C (Hrsg) Kundennähe realisieren, Ideen – Konzepte – Methoden – Erfahrungen. 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