Einleitung Inhalt Suchen 3 z 02 01 Hilfe Treffer Personalmanagement im Krankenhaus 3 z 02 Knut Dahlgaard inhaltsuÈberblick Nach einem Ûberblick uÈber die wesentlichen Ziele und Inhalte des Konzepts ¹Personalmanagementª verdeutlicht der Beitrag, daû sich das Krankenhaus in einem Umbruchprozeû befindet, der unmittelbare Auswirkungen auf das Personalmanagement, insbesondere auf die Arbeit der Personalabteilung im Krankenhaus, hat. Abschlieûend werden HandlungsansaÈtze gegeben, wie das Personalmanagement strategisch ausgerichtet werden kann, wie die Personalbeschaffung professionalisiert wird und wie sich Anreizsystem wirkungsvoll gestalten lassen. Einleitung 3 z 02 | 01 Das moderne Krankenhaus stellt sich heute nicht mehr als karitativ orientierte Wohlfahrtseinrichtung dar, sondern als leistungsfaÈhiger Gesundheitsbetrieb, in dem personenbezogene Dienstleistungen fuÈr die Patienten erbracht werden. Insofern ist das Krankenhaus ein ganz ¹normalerª Betrieb, und die wesentlichen betrieblichen Funktionen ± so auch das Personalmanagement ± haben zunaÈchst einmal sehr aÈhnliche Aufgaben wie die gleichartigen Funktionen in anderen Betrieben. So hat auch fuÈr die medizinisch-pflegerische Leistungserstellung im Krankenhaus das Personalmanagement als betriebliche Funktion wie in anderen Betrieben auch die allgemeine Aufgabe, fuÈr die betrieblichen Prozesse Personal bereitzustellen und das Verhalten dieser Personen auf die Ziele des Betriebes hin zu orientieren. Auf der anderen Seite gibt es einige Besonderheiten der Institution Krankenhaus, die den aÈuûeren Rahmen der Leistungserstellung betreffen und die auch nicht ohne 1 Einerseits: Das Krankenhaus als normaler Betrieb Andererseits: Besonderheiten der Institution Krankenhaus 3 z 02 01 Einleitung Inhalt Suchen Treffer Hilfe Auswirkungen auf das Personalmanagement bleiben. Diese Besonderheiten liegen in folgenden 3 Bereichen: z Die Umfeldbedingungen des Krankenhauses sind immer noch durch einen starken Einfluû staatlicher Instanzen gekennzeichnet. Dies bringt eine aÈuûere ¹Verwaltungstraditionª mit sich, die im Verhalten vieler BeschaÈftigter auch noch in den Zeiten nachwirkt, in denen laÈngst die alten finanziellen Regelungen (z. B. Kostenerstattungsprinzip) durch AnsaÈtze marktwirtschaftlicher VerguÈtungsformen ersetzt sind. Verbunden ist dies haÈufig mit besonderen sozialen Orientierungen und AnspruÈchen der BeschaÈftigten, die sich auf viele personelle Maûnahmen auswirken. z Der besondere Charakter der Leistungserstellung ± arbeitsteilige Versorgung von Menschen in besonderen Grenzsituationen des Lebens ± stellt an die im medizinisch-pflegerischen Bereich arbeitenden Menschen besondere physische und psychische Anforderungen. Hinzu tritt noch die Anforderung, diese Leistungen rund um die Uhr anbieten zu muÈssen. Diese Grenzsituationen und Belastungen wirken auf vielfaÈltige Weise auf personelle VorgaÈnge und Entscheidungen ein. z Im Zusammenhang damit stellt der bestimmende Einfluû der Ørzte auf die Leistungserstellung die mit den Ørzten kooperierenden Berufsgruppen vor die Anforderung, geeignete Formen der Zusammenarbeit und fuÈr die damit haÈufig einhergehenden Konflikte zufriedenstellende Regelungen zu finden. BruÈckenschlag zwischen Besonderem und Allgemeinem Insofern ist das Personalmanagement im Krankenhaus nicht einfach mit dem Personalmanagement in anderen Institutionen gleichzusetzen. Es ist notwendig einen Beitrag dazu zu leisten, diesen Besonderheiten durch Vor2 Einleitung Inhalt Suchen 3 z 02 01 Hilfe Treffer schlaÈge fuÈr eine entsprechende Ausrichtung des Personalmanagements gerecht zu werden. Andererseits sollen auch Wege aufgezeigt werden, wie sich die besonderen Anforderungen des Personalmanagements im Krankenhaus durch eine Orientierung an professionellen Standards des Personalmanagements in anderen Betrieben erfuÈllen lassen. Dazu wird in Abschnitt 2 ein Ûberblick uÈber die wesentlichen Ziele und Inhalte des Konzepts ¹Personalmanagementª gegeben, bevor im dritten Abschnitt verdeutlicht wird, daû sich das Krankenhaus in einem Umbruchprozeû befindet, der unmittelbare Auswirkungen auf das Personalmanagement ± und insbesondere auf die Arbeit der Personalabteilung im Krankenhaus ± hat. Abschnitt 4 wendet sich 3 wichtigen Aktionsfeldern des Personalmanagements im Krankenhaus zu, die zukuÈnftig besonders entwickelt werden sollten: z die strategische Ausrichtung des Personalmanagements im Krankenhaus, z die Professionalisierung der Personalbeschaffung und z die wirkungsvolle Gestaltung des Anreizsystems. Im Zusammenhang mit der Darstellung dieser drei Aktionsfelder wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, welche Aufgaben die Personalabteilung des Krankenhauses in diesen Aktionsfeldern zukuÈnftig uÈbernehmen sollte. Die ebenfalls sehr wichtigen Bereiche der PersonalfuÈhrung und der Personalentwicklung im Krankenhaus werden hier nicht behandelt, weil sie Thema anderer BeitraÈge sind. 3 3 z 02 02 Das Konzept des Personalmanagements ± ein Ûberblick Inhalt 3 z 02 | 02 Personalmanagement, Personalarbeit Wer macht wo Personalmanagement Suchen Treffer Hilfe Das Konzept des Personalmanagements ± ein Ûberblick Begriff, Akteure, Ziele Der Begriff ¹Personalmanagementª verdeutlicht zunaÈchst, daû im Personalbereich wie in anderen betrieblichen Entscheidungsbereichen auch die Management-Grundfunktionen wie Zielsetzung, Planung, Realisation und Kontrolle ausgefuÈhrt werden muÈssen; bei dieser Unternehmensfunktion werden sie auf den Bereich des Personals bezogen. Bestandteil dieses Konzepts ist die Anforderung, daû die Personalstrategie ein integraler Bestandteil der Krankenhausstrategie sein muû (Dahlgaard 1997). Neben dem Begriff des Personalmanagements ist im Personalbereich haÈufig der Begriff der ¹Personalarbeitª anzutreffen. Er kennzeichnet zusammenfassend die AusfuÈhrung einzelner Teilfunktionen des Personalmanagements im Sinne einer ¹TaÈtigkeit fuÈr Personalleuteª. Weiterhin impliziert der Begriff ¹Personalmanagementª auch, daû im Krankenhaus unterschiedliche Personen und Funktionen derartige Personalmanagementaufgaben ausfuÈhren: z die Fu È hrungskraÈfte (fuÈr ihre nachgeordneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter), z die Personalabteilung als der konkrete Ort, an dem zahlreiche Personalmanagementaufgaben ± insbesondere Aufgaben aus dem Bereich der Personalverwaltung ± ausgefuÈhrt werden, z die Krankenhausleitung im Sinne einer strategischen Gesamtverantwortung fuÈr Personalfragen sowie z die betriebliche Interessenvertretung (Betriebsrat, Personalrat, Mitarbeitervertretung) als Partner der Betriebsleitung in den durch die entsprechenden Rechtsgrundlagen (Betriebsverfassungsgesetz, Personalvertretungsgesetze, Mitarbeitervertretungsordnungen) vorge4 Das Konzept des Personalmanagements ± ein Ûberblick Inhalt Suchen 3 z 02 02 Hilfe Treffer sehenen Kooperationsbereichen ¹Personelle/Soziale Fragenª. Die Akteure des Personalmanagements im Krankenhaus richten ihre Arbeit zunaÈchst an 2 Anforderungen des Betriebes aus, der fuÈr die Erstellung seiner Leistungen die personellen Ressourcen in zweierlei Weise steuern muû: z Die personelle Versorgung des Betriebes mit qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist bedarfsgerecht (Dimensionen: Zeitpunkt, Zeitraum, Anzahl, Art, Ort) sicherzustellen (Personalbereitstellung). z Das Verhalten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Krankenhaus soll so beeinfluût werden, daû die Leistungen qualitativ hochwertig, effizient und patientengerecht erbracht werden (Verhaltenssteuerung). Steuerung der personellen Ressourcen Die sich aus diesen Zielsetzungen ergebenden Personalmanagementaufgaben werden im naÈchsten Abschnitt kurz erlaÈutert. Kurzbeschreibung der Aufgaben des Personalmanagements Im Bereich der Personalbereitstellung muû das Krankenhaus die folgenden 4 Personalmanagementaufgaben ausfuÈhren: z In der Personalbedarfsplanung muû die zuku È nftig notwendige Anzahl der ArbeitskraÈfte (differenziert nach Art, Qualifikation, Ort und Zeitpunkt der Bereitstellung) fuÈr alle Funktionen und Bereiche im Krankenhaus ermittelt werden. z Die Personalbeschaffung umfaût den gesamten Vorgang der Personalrekrutierung, von der Bestimmung der Beschaffungswege (intern, extern) uÈber die Wahl der Be5 Damit Personal da ist 3 z 02 02 Das Konzept des Personalmanagements ± ein Ûberblick Inhalt Suchen Treffer Hilfe schaffungsinstrumente bis hin zu Personalauswahl und -einstellung. z Die Personalentwicklung umfaût die gezielte, planma Èûige Verbesserung der Qualifikation von FuÈhrungskraÈften und Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern. z Der Personaleinsatz ordnet Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den einzelnen ArbeitsplaÈtzen und Aufgaben zu, und zwar saÈchlich (unter BeruÈcksichtigung der Eignung), zeitlich (unter BeruÈcksichtigung des temporaÈren ArbeitskraÈftebedarfs) und oÈrtlich (unter BeruÈcksichtigung des jeweiligen raÈumlichen Arbeitsanfalls). Motivieren, Anleiten Die Funktion der Verhaltensbeeinflussung fuÈhrt zu den folgenden 2 Personalmanagementaufgaben: z Die Gestaltung des betrieblichen Anreizsystems umfaût die Summe aller materiellen (z. B. leistungsbezogenes Entgelt) und nichtmateriellen (z. B. AufstiegsmoÈglichkeiten) Belohnungen, die ein Krankenhaus fuÈr seine BeschaÈftigten bereitstellt. z Die Personalfu È hrung will das Verhalten der BeschaÈftigten zielgerichtet im Sinne des Krankenhauses beeinflussen. Diese Aufgabe wird insbesondere von den FuÈhrungskraÈften des Krankenhauses gestaltet. Verwalten, Steuern FuÈr die AusfuÈhrung dieser beiden Hauptfunktionen sind schlieûlich noch 2 weitere Funktionen (UnterstuÈtzungsfunktionen des Personalmanagements) bereitzustellen, die sich wie folgt beschreiben lassen: z Die Personalverwaltung umfaût eine groûe Zahl administrativer Aufgaben im Hinblick auf die BeschaÈftigten, von der Personaldatenverwaltung uÈber die Entgeltabrechnung bis hin zu administrativen Einzelaufgaben (z. B. Erstellen einer Gehaltsbescheinigung). 6 Das Krankenhaus im Umbruch Inhalt Suchen 3 z 02 03 Hilfe Treffer Das Personalcontrolling besteht in der Gewinnung und Aufbereitung von steuerungsrelevanten Daten sowie in der Ableitung von VeraÈnderungsvorschlaÈgen und Anpassungsmaûnahmen. Diese personalwirtschaftliche Funktion unterstuÈtzt insbesondere die Arbeit der FuÈhrungskraÈfte. z Das Krankenhaus im Umbruch ± Ausgangssituation fuÈr Aufgaben des Personalmanagements 3 z 02 | 03 Seit gut einem halben Jahrhundert nimmt das Krankenhaus eine zentrale Stellung im bundesdeutschen Gesundheitssystem ein. Daran wird sich in Zukunft wenig aÈndern, auch wenn eine Vielzahl von gesellschaftlichen, oÈkonomischen und politischen Ønderungsfaktoren diese Institution gerade in den letzten 20 Jahren tangiert haben. Die Hauptaufgabe des Krankenhauses ist es weiterhin, Patienten stationaÈr aufzunehmen und wirksam, effizient und human zu behandeln. Dazu bedarf es auch weiterhin in diesem personenorientierten Dienstleistungsbetrieb einer Vielzahl qualifizierter und motivierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in sehr unterschiedlichen Berufsgruppen und auf allen organisatorischen Ebenen. Insofern sind der Auftrag des Krankenhauses und damit die Zielsetzungen fuÈr die Personalarbeit und fuÈr die beteiligten Personen zunaÈchst einmal aÈuûerlich unveraÈndert. Bei naÈherer Betrachtung sind allerdings 4 VeraÈnderungstendenzen zu beobachten, die fuÈr die Personalarbeit im Krankenhaus eine groûe Bedeutung haben: z die Professionalisierung der Leistungserstellung, z die Orientierung am Gedanken des Prozeûmanagements, z die Individualisierung sowie z die Innovation als dauerhafte Erscheinung. 7 Die Hauptfunktion des Krankenhauses bleibt 4 Bereiche mit VeraÈnderungstendenz 3 z 02 03 Das Krankenhaus im Umbruch Inhalt Suchen Treffer Hilfe Diese VeraÈnderungstendenzen und die daraus resultierenden Konsequenzen fuÈr die Personalarbeit sollen im folgenden Abschnitt beschrieben werden. Unterschiedliche Entwicklung der verschiedenen Bereiche Outsourcing oder Wettbewerb Professionalisierung der Leistungserstellung Sicherlich ist die Professionalisierung der medizinischen Leistungserstellung eine herausragende VeraÈnderung in den letzten 20 bis 30 Jahren. Ein Ende der technisch-naturwissenschaftlichen Innovationen mit Auswirkungen auf Diagnostik und Therapie der Patienten ist nicht absehbar. Gerade vor dem Hintergrund dieser stuÈrmischen Entwicklungen ist allerdings auch deutlich geworden, daû ein wissenschaftlicher und technologischer Vorsprung auf einem Gebiet ± hier auf dem der ¹Kernleistungª der medizinisch-pflegerischen Versorgung ± nicht automatisch auch eine Spitzenstellung in anderen Bereichen der betrieblichen Leistungserstellung mit sich bringen muû. Auch andere Unternehmen haben die Erfahrung machen muÈssen, daû sie in bestimmten Leistungsbereichen aufgrund unzureichender investiver Ausstattung, unzureichender Qualifikation des Personals, mangelnder Produktionserfahrung oder einfach nur unzureichender Anzahl der herzustellenden Einheiten nicht in den Spitzenbereich der Leistungserstellung vordringen koÈnnen. Die Konsequenzen aus dieser Tatsache sind in den letzten 5 Jahren unter dem Stichwort ¹Outsourcingª deutlich geworden. Auch fuÈr die Personalarbeit ist dieser Trend nicht ohne Folgen geblieben. So fuÈhren einerseits OutsourcingProzesse, die in einigen KrankenhaÈusern eingeleitet worden sind, zu hohen Anforderungen fuÈr die begleitenden Personalabteilungen, insbesondere bei der Ûberleitung der jeweiligen BeschaÈftigten. Andererseits wird bei der 8 Das Krankenhaus im Umbruch Inhalt Suchen 3 z 02 03 Hilfe Treffer Anwendung der GegenuÈberstellung ¹Kernleistung ± Serviceleistungª deutlich, daû Personalarbeit in der Institution Krankenhaus zu der zweiten Kategorie gehoÈrt und damit grundsaÈtzlich auch der Konkurrenz von Anbietern ausgesetzt ist, die die Personalarbeit zu ihrem KerngeschaÈft zaÈhlen. Dies trifft insbesondere fuÈr das standardisierbare MassengeschaÈft (z. B. Lohn- und Gehaltsabrechnung) zu. Schlieûlich hat die im Krankenhausbereich ausfuÈhrlich gefuÈhrte QualitaÈtsdiskussion mit sich gebracht, daû auch QualitaÈtsanforderungen an Serviceleistungen thematisiert und in AnsaÈtzen auch umgesetzt werden. So geraten gerade bei dem externen Druck auf die Krankenhausbudgets die Leistungen in allen Bereichen ± auch im Personalbereich ± auf den PruÈfstand, und das nicht nur unter dem Aspekt der Kosten, sondern auch hinsichtlich ¹normalerª Kundenanforderungen wie Transparenz des Leistungsangebots (Information uÈber Ansprechpartner, Leistungskataloge), Erreichbarkeit (z. B. telefonische Hotline fuÈr Fragen; personalfreundliche Betreuungszeiten) und allgemeine Kundenorientierung (Freundlichkeit, FlexibilitaÈt, Serviceorientierung). Insofern laÈût sich sagen, daû die Professionalisierungsdebatte auch fuÈr die Personalarbeit im Krankenhaus voll entbrannt ist und daû sich viele Personalabteilungen dieser Herausforderung stellen. Prozeûorientierung Auch der Krankenhausbereich ist in den letzten Jahren von der ¹Welle der Prozeûorganisationª nicht unbeeindruckt geblieben, gerade weil das Krankenhaus geradezu als Hort des ¹Ab-Teilungsª-Denkens charakterisiert werden konnte. In kaum einer Institution ist die Notwendigkeit eines prozeûorientierten Vorgehens so augenfaÈllig. So 9 20 Berufsgruppen fuÈr einen Patienten 3 z 02 03 Das Krankenhaus im Umbruch Inhalt Personalarbeit heiût auch eine IdentitaÈt schaffen . . . Suchen Treffer Hilfe durchlaÈuft der Patient waÈhrend seines Aufenthalts in der Institution Krankenhaus eine Vielzahl von Diagnose-, Behandlungs- und Pflegestationen und tritt ± je nach ZaÈhlweise und SchaÈtzung ± ca. 20 Berufsgruppen und einer weit groÈûeren Zahl von Einzelpersonen gegenuÈber. Diese starke Arbeitsteilung in der Leistungserstellung verlangt nach einer Organisation, die die Leistungsangebote aller Beteiligten vernetzt und einer (patientenorientierten) Logik folgend miteinander verbindet. Auch wenn die Realisierung einer derartigen Prozeûorganisation in vielen KrankenhaÈusern noch etwas auf sich warten lassen duÈrfte, hat doch der VeraÈnderungsprozeû schon begonnen. So ist die Organisation des Krankenhauses immer noch stark an dem Modell der ¹Berufsgruppen-SaÈulenª orientiert. Es gibt allerdings erste Hinweise auf eine Ûberwindung der organisatorischen Grenzen der medizinischen Abteilungen (z. B. durch Zentrenbildung) und sogar auf eine Ûberwindung der vormals bestehenden Grenzen zwischen Medizin und Pflege (Dahlgaard u. van den Bussche 1995). In diesem Feld kann Personalarbeit zukuÈnftig wichtige UnterstuÈtzung leisten, denn die Personalabteilung ist diejenige Querschnittsfunktion im Krankenhaus, die ihre Arbeit an einem durchgaÈngigen, einheitlichen Bild ¹desª Krankenhausmitarbeiters ausrichten kann und auf diese Weise gleichsam einen Ort der kulturellen IdentitaÈt des Krankenhauses stiftet, der ansonsten im arbeitsteilig gegliederten AlltagsgeschaÈft des Krankenhauses verlorenzugehen droht. Allerdings ist die Wahrnehmung dieser Querschnittsfunktion in der Vergangenheit nur eingeschraÈnkt moÈglich gewesen. Insbesondere die beiden wichtigen Berufsgruppen aus dem Kernleistungsbereich haben einige Leistun10 Das Krankenhaus im Umbruch Inhalt Suchen 3 z 02 03 Hilfe Treffer gen der Personalabteilungen bisher weniger in Anspruch genommen, weil z der Personalabteilung aus Sicht einiger Vertreter des aÈrztlichen Bereichs unzureichende Qualifikation unterstellt wurde (z. B. in den Aufgabenfeldern Personalentwicklung und PersonalfuÈhrung) und z der Pflegebereich aus einer historisch gewachsenen Ausrichtung seiner eigenen Arbeit umfangreiche Teile der Personaladministration selber ausfuÈhrte (z. B. Abrechnung der Dienste zu unguÈnstigen Zeiten). Die Personalabteilung muû sicherlich ihre Angebote weiter professionalisieren, und sie muû sich dabei mit der Tatsache auseinandersetzen, daû auch bei einer berufsgruppenuÈbergreifenden Konzeption der Personalarbeit die Erwartungen ihrer internen Kunden durchaus unterschiedlich sind. So haben beispielsweise der Oberarzt der internistischen Abteilung, die Krankenschwester auf der chirurgischen Intensivstation und die Mitarbeiterin in der Forderungsabrechnung sehr unterschiedliche Vorstellungen im Hinblick auf Ziele, Inhalte und Verfahren der Personalentwicklung. Individualisierung Seit jeher fuÈhlt sich die Institution Krankenhaus dem Wert der IndividualitaÈt besonders verpflichtet: Der Patient soll nicht als ¹Nummerª im GeschaÈft der Krankenversorgung, sondern als einzelnes Individuum mit eigenen Vorstellungen, WuÈnschen, Potentialen, Vorlieben und Neigungen behandelt werden. UnabhaÈngig von der schwierigen Frage, inwieweit diese Zielsetzung im Einzelfall in den KrankenhaÈusern erfuÈllt werden kann, ist zu beobachten, daû auch bei den Mitar11 . . . trotz unterschiedlicher Erwartungen Trend zum Individuellen contra notwendige Einheitlichkeit 3 z 02 03 Das Krankenhaus im Umbruch Inhalt Die Kollektivisten haben ausgedient Die Folge: hoÈhere AnspruÈche an alle Suchen Treffer Hilfe beiterinnen und Mitarbeitern der Wert der IndividualitaÈt eine groÈûere Bedeutung hat als fruÈher. Dieser gesellschaftliche Trend der Individualisierung wird zudem unterstuÈtzt und begleitet von Prozessen, die diese Entwicklung befoÈrdern. So ist beispielsweise in der Industrie die Verkleinerung von Arbeitsteams bis hin zum Einzelarbeitsplatz ein individualisierungsfoÈrdernder Trend, da die ausgleichenden und normierenden GruppeneinfluÈsse reduziert werden oder gar ausbleiben. Auch auf den Krankenhausbereich laÈût sich dies uÈbertragen. Beispielsweise schafft bei der Organisation pflegerischer Arbeit die Organisationsform der Bereichs- oder Zimmerpflege Arbeitssituationen, in denen die Pflegearbeit in der Regel von der einzelnen Pflegekraft allein am Patienten ausgefuÈhrt wird. Die Pflegenden haben also bei der AusfuÈhrung ihrer TaÈtigkeit einen groûen Dispositions- und Verhaltensspielraum. Diese individuelle Arbeitsweise macht administrative Normierungen unrealistisch und fordert andere Strategien fuÈr eine notwendige Vereinheitlichung der Leistungserstellung. Auch die Personalarbeit muû sich mit diesem Trend der Individualisierung auseinandersetzen. Insbesondere wird die Arbeit der FuÈhrungskraÈfte dadurch gepraÈgt, daû die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eigene, spezifische AnspruÈche an die Gestaltung der Arbeit stellen, die sich immer weniger generalisieren lassen. Die ¹Killerphrasen der Kollektivistenª (¹Das haben wir schon immer so gemachtª oder auch ¹Da koÈnnte ja jeder kommenª), die pragmatische Einfachheit der Arbeit und Gleichheit der Behandlung als oberste Arbeitsziele proklamieren, reichen heutzutage nicht mehr hin (Peinelt-Jordan 1997). Am Thema der Arbeitszeitorganisation laÈût sich diese Entwicklung und die damit einhergehenden Anforderungen gut veranschaulichen. Wo vor 20 Jahren noch einheit12 Das Krankenhaus im Umbruch Inhalt Suchen 3 z 02 03 Hilfe Treffer liche Regelungen praktizierbar und akzeptiert waren, sind heute Zeitschemata gefragt, die den individuellen Interessen der BeschaÈftigten entsprechen und trotzdem noch betrieblich sinnvoll sind. Die GewaÈhrleistung einer IndividualitaÈt der Regelungen fuÈr die BeschaÈftigten stellt auch hoÈhere AnspruÈche an alle Beteiligten: ein Mehr an individueller GespraÈchsbereitschaft, FlexibilitaÈt, Entgegenkommen und FaÈhigkeit sowie Bereitschaft zum Aushandeln von Kompromissen. Dies gilt insbesondere fuÈr die FuÈhrungskraÈfte. Es ist sicherlich Aufgabe einer professionell wirkenden Personalabteilung, in diesem Bereich UnterstuÈtzung fuÈr die Arbeit der FuÈhrungskraÈfte anzubieten. Innovation als dauerhafte Erscheinung Die VeraÈnderungsimpulse auf das Krankenhaus nehmen wahrnehmbar an HaÈufigkeit und IntensitaÈt zu. Auûerdem kann man sagen, daû sich der Wandel gleichsam verstetigt hat und es nicht erst im Abstand von Dekaden zu neuen Entwicklungen kommt, denen sich das Krankenhaus anpassen muû: z Nicht mehr staatlich garantiertes regionales Gebietsmonopol in der stationaÈren Patientenversorgung, sondern Konkurrenz, Kampf um Marktanteile und Zwang zur wirtschaftlichen Leistungserstellung sind vorherrschend. z Daraus folgt, daû die strategische Komponente der KrankenhausfuÈhrung eine herausragende Bedeutung erhaÈlt. Jedes Krankenhaus muû aufgrund seiner spezifischen Umweltkonstellation und der eigenen Ressourcen gesonderte strategische Entscheidungen treffen und entsprechende Entwicklungsschritte einleiten. z In diesem Zusammenhang wird deutlich, daû es nicht mehr darum geht, staatlich-administrative VeraÈnderungen (z. B. Neuregelungen im Bereich der Finanzierung) nur 13 Zwang zur aktiven Rolle 3 z 02 04 HandlungsansaÈtze zur Professionalisierung der Personalarbeit im Krankenhaus Inhalt Suchen Treffer Hilfe nachzuvollziehen, sondern darum, staÈrker aktiv und initiativ in den Prozeû der Umgestaltung einzugreifen. Den Anschluû gewinnen 3 z 02 | 04 Relativ viele KrankenhaÈuser haben in den letzten Jahren Zeit und Energie darauf verwendet, VeraÈnderungen einzuleiten. Dabei ist deutlich geworden, daû in vielen FaÈllen Erfahrungen und Know-how fuÈr die nachhaltige Gestaltung dieses VeraÈnderungsprozesses fehlen. Dies betrifft zum einen die strategische Einbindung und Ausrichtung des VeraÈnderungsprozesses, zum anderen die konkrete Gestaltung des VeraÈnderungsprozesses selbst. Hier sind insbesondere die Themen Projektmanagement, Organisationsentwicklung und Personalentwicklung zu nennen. Gerade die beiden letztgenannten Themen sind grundsaÈtzlich ein wichtiger BetaÈtigungsbereich fuÈr Personalabteilungen; Betriebe anderer Branchen haben in den letzten 10 Jahren innerhalb ihrer Personalabteilungen Kompetenzen geschaffen, die notwendigen VeraÈnderungsprozesse zu begleiten. Auch im Krankenhausbereich kommt es darauf an, daû sich die Personalabteilungen zukuÈnftig ein GrundverstaÈndnis als interne Organisationsentwickler aneignen, daû sie entsprechende Kompetenzen vorhalten und daû die entsprechenden Leistungen transparent werden und von den FuÈhrungskraÈften auch abgefordert werden. HandlungsansaÈtze zur Professionalisierung der Personalarbeit im Krankenhaus Aus den AusfuÈhrungen im vorherigen Abschnitt wurde deutlich, daû die Personalarbeit im Krankenhaus generell einer weiteren Professionalisierung bedarf, daû sie sich stark an einer berufsgruppenuÈbergreifenden Konzeption orientieren muû, daû sie individuelle Orientierungen im 14 HandlungsansaÈtze zur Professionalisierung der Personalarbeit im Krankenhaus Inhalt Suchen 3 z 02 04 Hilfe Treffer Krankenhaus allgemein unterstuÈtzen und daû sie schlieûlich den Wandel des Krankenhauses professionell begleiten muû. Im folgenden soll diese generelle Entwicklungslinie an 3 ausgewaÈhlten Aktionsfeldern des Personalmanagements konkretisiert werden: z der strategischen Ausrichtung des Personalmanagements allgemein, z der Personalbeschaffung und z der Gestaltung der Anreizsysteme. Strategische Ausrichtung des Personalmanagements Vor etwa 20 Jahren war in vielen KrankenhaÈusern die Personalbedarfsermittlung ein zentrales Handlungsfeld der Personalarbeit. Die KrankenhaÈuser suchten nach Mitteln und Wegen, den vorhandenen Personalbestand mit ausgefeilten Methoden gegenuÈber den KostentraÈgern zu rechtfertigen. Dies hatte fuÈr die KrankenhaÈuser groûe Bedeutung, weil sie auf diese Weise die Grundlagen fuÈr eine ausreichende Erstattung der Selbstkosten legen konnten. Den letzten Meilenstein auf dieser Strecke bildete die Pflege-Personalregelung (PPR). In Zeiten der Budgetierung und der Globalhaushalte ist die externe Bedeutung der Personalbedarfsermittlung verlorengegangen, es verbleibt die betriebliche Daueraufgabe, den Personalbedarf in den einzelnen Leistungsbereichen laufend zu ermitteln und zu prognostizieren, um auf diese Weise zu einer wirtschaftlichen Leistungserstellung beizutragen. Mittlerweile hat sich gezeigt, daû eine Personalbestandsfortschreibung als Ersatz fuÈr eine strategische Ausrichtung der Personalarbeit nicht mehr hinreicht. Im Krankenhaus sind die personellen Ressourcen der wichtigste Produktionsfaktor; die KrankenhaÈuser tun gut daran, diese Ressourcen zu erhalten, zu sichern und 15 Von der reinen Bedarfsermittlung zum Ressourcenmanagement 3 z 02 04 HandlungsansaÈtze zur Professionalisierung der Personalarbeit im Krankenhaus Inhalt Jeder zweite Betrieb ohne Personalplanung Gestaltung einer Personalstrategie Suchen Treffer Hilfe weiterzuentwickeln. Ein professionelles Personalmanagement als Voraussetzung fuÈr die Leistungserstellung ist gerade in personenorientierten Dienstleistungsbetrieben wie den KrankenhaÈusern von groûer Wichtigkeit. Auf der anderen Seite wird auch deutlich, daû man mit dem Entwicklungsstand nicht immer zufrieden sein kann. Allerdings zeigt sich, daû auch ¹normaleª Betriebe keineswegs durchgaÈngig ein professionelles, strategisch ausgerichtetes und qualitativ hochstehendes Personalmanagement praktizieren. So ergab eine Studie in mittelstaÈndischen Unternehmen einer deutschen Region, daû relative (Selbst-)Zufriedenheit der Personalmanager mit dem Leistungsangebot ihrer jeweiligen Abteilungen einherging mit der Tatsache, daû uÈber die HaÈlfte der in die Untersuchung einbezogenen Unternehmen gar keine regelmaÈûige Personalplanung durchfuÈhrte (Berthel u. Touet 1997). Welches sind nun die Eckpunkte eines strategisch ausgerichteten Personalmanagements im Krankenhaus? Insgesamt lassen sich 3 Punkte herausstellen: z Zuna È chst einmal muû die strategische Entwicklung des Krankenhauses durch eine entsprechende Personalstrategie begleitet werden. So laÈût sich die BetaÈtigung in neuen GeschaÈftsfeldern nur realisieren, wenn die entsprechenden Qualifikationen der BeschaÈftigten gleichrangig entwickelt werden. z Auch im gegenla Èufigen Sinn kann die Krankenhausstrategie durchaus Impulse von personalstrategischen Ûberlegungen erhalten. So koÈnnen Arbeitsorganisation und Leistungsangebot aufgrund von Anregungen aus dem Personalbereich uÈberdacht und veraÈndert werden. 2 Beispiele sollen verdeutlichen, daû diese strategische Kompo- 16 HandlungsansaÈtze zur Professionalisierung der Personalarbeit im Krankenhaus Inhalt Suchen 3 z 02 04 Hilfe Treffer nente der Personalarbeit in vielen KrankenhaÈusern noch vernachlaÈssigt wird: ± Im aÈrztlichen Bereich sinkt tendenziell die Fluktuation, aufgrund erschwerter NiederlassungsmoÈglichkeiten im ambulanten Bereich wird das Krankenhaus zunehmend Dauerarbeitsplatz. Der 50jaÈhrige Assistenzarzt wird in einigen Jahren kein Ausnahmefall mehr sein. Arbeitsorganisation und auch FuÈhrungsverhalten im aÈrztlichen Bereich haben sich noch recht wenig um die Chancen und Risiken, die mit dieser VeraÈnderung einhergehen, gekuÈmmert. ± Nicht nur im aÈrztlichen Bereich, sondern im Krankenhaus insgesamt wird das Durchschnittsalter der BeschaÈftigten in den naÈchsten Jahren steigen. Daraus wird eine Diskussion uÈber die Rolle und den Stellenwert der aÈlteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwachsen muÈssen (Uepping et al. 1997, Wollert 1998). z Schlieûlich geho È rt zu einer strategischen Ausrichtung der Personalarbeit auch eine professionelle Gestaltung der Arbeit in den Personalabteilungen selbst. HaÈufig genug ist das Profil der Personalabteilungen noch wesentlich durch die personalbezogenen Verwaltungsaufgaben (z. B. Entgeltabrechnung, Personaldatenverwaltung, Vorsortierung bei der Bewerberauswahl, Abwicklungsaufgaben bei Versetzungen etc.) gepraÈgt. Nicht alle Personalabteilungen in KrankenhaÈusern koÈnnen zudem ihre ¹Verwaltungstraditionª verleugnen: So spielen immer noch Kriterien der Verfahrenssicherheit (z. B. ¹Ausstellen eines Bescheids, der einer arbeitsgerichtlichen ÛberpruÈfung standhaÈltª) eine groûe Rolle. ZukuÈnftig wird es darauf ankommen, die bisherigen AnsaÈtze dezentraler Strukturen beispiels17 3 z 02 04 HandlungsansaÈtze zur Professionalisierung der Personalarbeit im Krankenhaus Inhalt Suchen Treffer Hilfe weise durch das Referentenprinzip zu verstaÈrken (Graf u. Matschke 1997) und insbesondere die Leistungsangebote in den Bereichen Personalcontrolling, Personalentwicklung und Organisationsentwicklung auszubauen. Dies stellt auch einen Weg dar, zu einem krankenhausinternen Stellenwert der Personalabteilung als Service-Center beizutragen (Kieû 1997). Defizite in der Krankenhauspraxis Das kann die Personalabteilung tun Professionelle Strategien der Personalbeschaffung Bei der Personalbeschaffung wirken Fachabteilung und Personalabteilung zusammen. Es handelt sich um einen personalwirtschaftlichen Routinevorgang, der haÈufig vorkommt; gleichzeitig ist die Beschaffung einer fuÈr die Aufgabenstellung qualifizierten Person ein fuÈr die QualitaÈt der Leistungserstellung und die Wirtschaftlichkeit entscheidender Vorgang. Insofern ist verwunderlich, daû im Krankenhaus die Aufgabe der Personalbeschaffung insgesamt noch wenig professionell ausgefuÈhrt wird. Das laÈût sich festmachen an z einer geringen Standardisierung der Beschreibung von Anforderungskriterien fuÈr die zu besetzende Stelle, z der Bevorzugung traditioneller Methoden der Bewerberauswahl (Analyse von Anschreiben und Lebenslauf, Auswertung von Zeugnissen, BewerbungsgespraÈch) und z der ha Èufig unzureichenden Vorbereitung der Personen, die das BewerbungsgespraÈch auf Seiten des Krankenhauses fuÈhren, auf die GespraÈchsinhalte, -kriterien und den organisatorischen Ablauf. Wiederum ist es die Aufgabe der Personalabteilung im Krankenhaus, in diesem Aufgabenfeld fuÈr eine Professionalisierung zu sorgen. Auch wenn es natuÈrlich ein verstaÈndliches Anliegen der Fachabteilung ist, das Stellenbe18 HandlungsansaÈtze zur Professionalisierung der Personalarbeit im Krankenhaus Inhalt Suchen 3 z 02 04 Hilfe Treffer setzungsverfahren inhaltlich mitzugestalten, sollten die Impulse fuÈr die Vereinheitlichung und Professionalisierung von der Personalabteilung kommen. Ausgerichtet an den oben beschriebenen Krisensymptomen der Personalbeschaffung im Krankenhaus koÈnnte die Personalabteilung folgende BeitraÈge leisten: z Sie kann zunaÈchst durch unterstu È tzende Fragestellungen die Fachabteilungen in die Lage versetzen, die Anforderungen der Stelle genau zu beschreiben. Beispiele: Welche fachlichen Anforderungen stellt die Aufgabe? Welche fachlichen Kenntnisse, welche Fertigkeiten muû die Bewerberin mitbringen? Ûber welche weiteren fachlichen Kenntnisse muû der Bewerber unbedingt verfuÈgen (need to know), und welche FaÈhigkeiten waÈren wuÈnschenswert (nice to know)? z Sowohl die Methodenvielfalt des Auswahlverfahrens (insbesondere bei der Besetzung von Leitungsstellen) als auch die MethodenadaÈquanz muÈssen reflektiert werden. Eine besondere Schwierigkeit besteht darin, in dem haÈufig genutzten Instrument des BewerbungsgespraÈchs Handlungskompetenzen abzufragen und nicht nur vordergruÈndige ¹Verbalintelligenzª. Hier kann die Formulierung situativer (¹Was machen Sie, wenn...ª) und biographiebezogener Fragen (¹Welche Erfahrungen haben Sie mit . . .ª) gute Dienste leisten. z Schlieûlich muû die Anwendung der unterschiedlichen Beschaffungsinstrumente auch gut vorbereitet sein. Das betrifft zum einen die jeweils anzuwendenden Beurteilungskriterien, uÈber die sich die Beurteiler im Vorwege verstaÈndigen sollten. So sind schon die EindruÈcke aus der LektuÈre von Bewerbungsunterlagen recht unterschiedlich, je nach persoÈnlichen Vorstellungen, Vorlieben und selektiven Wahrnehmungen. FuÈr die DurchfuÈhrung von Bewer19 3 z 02 04 HandlungsansaÈtze zur Professionalisierung der Personalarbeit im Krankenhaus Inhalt Suchen Treffer Hilfe bungsgespraÈchen ist diese VerstaÈndigung uÈber Kriterien und Begriffe (z. B. uÈber den Begriff ¹Soziale Kompetenzª) besonders wichtig. Zu einer professionellen DurchfuÈhrung gehoÈrt natuÈrlich auch das organisatorische Umfeld (Raum, Zeit, Ablauf des GespraÈchs). Zwang zum Personalabbau Ein fuÈr die KrankenhaÈuser relativ neuer Aspekt betrifft die ¹negative Personalbeschaffungª: Etliche KrankenhaÈuser stehen vor dem Problem, aufgrund von Budgetrestriktionen Personal abbauen zu muÈssen. Nicht in allen FaÈllen ist die Fluktuation in den jeweiligen Bereichen hoch genug, um eine entsprechende personelle Anpassung ohne weitere Maûnahmen durchfuÈhren zu koÈnnen. Insofern muÈssen KrankenhaÈuser bisweilen auch weitere Maûnahmen anwenden, so z. B. z Outplacement von ganzen Abteilungen, z Kampagnen zur freiwilligen Reduzierung individueller Arbeitszeiten oder zur Altersteilzeit, z Qualifizierung zur Aufnahme einer anderen Bescha È ftigung im Betrieb bis hin zu z betriebsbedingten Ku È ndigungen. Hier sind fuÈr die Personalabteilungen im Krankenhaus voÈllig neue Aufgaben zu erledigen: z Die Fu È hrungskraÈfte muÈssen bei BeratungsgespraÈchen mit Mitarbeitern unterstuÈtzt werden, weil Daten fehlen (z. B. uÈber Aufgaben und Anforderungen einer anderen Stelle) oder eine unparteiliche Perspektive der FuÈhrungskraft nicht sichergestellt werden kann. z Die Mitarbeiter brauchen eine Anlaufstelle fu È r die komplexen Informations- und Beratungsleistungen uÈber ihre Rechte und ihre weiteren Perspektiven in bezug auf eine BeschaÈftigungssicherung. 20 HandlungsansaÈtze zur Professionalisierung der Personalarbeit im Krankenhaus Inhalt Suchen 3 z 02 04 Hilfe Treffer Erfahrungen aus KrankenhaÈusern zeigen, daû gerade die unterstuÈtzende Begleitung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in derart schwierigen persoÈnlichen Krisensituationen ein Maûstab fuÈr die QualitaÈt der Personalarbeit im Krankenhaus ist. Die jeweiligen Personalreferenten muÈssen dabei das gesamte Spektrum der Personalarbeit beherrschen bzw. sich kurzfristig verschaffen koÈnnen von der arbeits- und tarifrechtlichen Seite uÈber Coaching-Angebote fuÈr die FuÈhrungskraÈfte im Einzelfall bis hin zu Fragen der Personalentwicklung und Qualifizierung als MoÈglichkeit der BeschaÈftigungssicherung. Wirkungsvolle Gestaltung der Anreizsysteme Anreize sollen positive Sanktionen fuÈr ein Verhalten darstellen, das vom Krankenhaus gewuÈnscht wird. Insofern ist die Erarbeitung eines Vorschlags fuÈr die Etablierung geeigneter Anreize eine wichtige Aufgabenstellung fuÈr das Personalmanagement. Leider hat sich die Diskussion in den letzten Jahren im Krankenhausbereich sehr stark auf die angeblichen Nachteile der tarifvertraglichen VerguÈtungsregelungen konzentriert. Es heiût, die tarifvertraglich geregelten Entgelte seien in erster Linie an den Anforderungen der jeweiligen Aufgabenstellung und an sozialen Kriterien (Alter, Familienstand) orientiert, wuÈrden keinen Anreiz fuÈr bessere Leistungen beinhalten und seien auf diese Weise nicht mehr zeitgemaÈû (Klinkenberg 1996). Einige KrankenhaÈuser versuchen hier in einer Art tarifrechtlicher Grauzone Kompensation zu leisten. So duÈrfte z. B. eine (reichlich bemessene) Ûberstundenpauschale eine Art materielle Wiedergutmachung fuÈr besondere Leistungen darstellen koÈnnen; auf der anderen Seite ist durch die Verschleierung der VerguÈtungsbasis kein unmittelbarer Leistungsbezug mehr gegeben, und die entsprechende VerguÈ21 Hilfestellung auch beim Entlassen Tarifvertrag ist nicht alles 3 z 02 04 HandlungsansaÈtze zur Professionalisierung der Personalarbeit im Krankenhaus Inhalt Nachteile materieller Anreize Vorteile nichtmaterieller Anreize Suchen Treffer Hilfe tung geraÈt mehr in den Verdacht einer personenbezogenen Zulage (¹NasenpraÈmieª) als daû sie nach auûen eine Anerkennung fuÈr besondere Leistungen repraÈsentieren kann. Auch wenn es zutrifft, daû leistungsbezogene Entgeltbestandteile im Krankenhaus einen Ausnahmefall darstellen, darf die Anreizwirkung materieller Anreize insgesamt nicht uÈberschaÈtzt und die mit der entsprechenden Anreizgestaltung verbundenen methodischen Probleme nicht unterschaÈtzt werden. So z werden gleichhohe materielle Anreize von unterschiedlichen Personen als unterschiedlich wirksam wahrgenommen bzw. beurteilt, z verlieren materielle Anreize im Zeitablauf viel von ihrer Anreizwirkung (¹Besitzstandsdenkenª), z erscheint die Lo È sung der methodischen Probleme der Bestimmung geeigneter Leistungskriterien, an denen eine ¹Besserleistungª zu messen waÈre, sowie die GewaÈhrleistung geeigneter Beurteilungsverfahren gegenwaÈrtig fuÈr den Krankenhausbereich nicht sehr realistisch. Aus diesem Grunde sollte das resignierende Schulterzukken im Hinblick auf die Probleme mit materiellen Anreizen durch eine Art ¹Aufbruchstimmungª im Hinblick auf die nichtmateriellen Anreize ersetzt werden. Zu diesen Anreizen gehoÈren z soziale Anreize (z. B. ein mitarbeiterorientiertes Fu È hrungsverhalten, das Teamarbeit in den Mittelpunkt stellt), z Aufstiegsanreize (die Chance, in Fu È hrungspositionen aufzuruÈcken), z Ausbildungsanreize (Qualifikationsverbesserungen, Lernchancen im Krankenhaus, MoÈglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln), 22 HandlungsansaÈtze zur Professionalisierung der Personalarbeit im Krankenhaus Inhalt z Suchen 3 z 02 04 Hilfe Treffer attraktive Arbeitsbedingungen, Arbeitsorganisation und Arbeitsinhalte (z. B. individuelle Arbeitszeitregelungen, angemessene Arbeitsplatzausstattung, MoÈglichkeiten eigener Arbeitsplanung, abwechslungsreiche Arbeit). NatuÈrlich sind diese Anreize grundsaÈtzlich auch im Krankenhaus wirksam. Sie haben zudem noch den angenehmen Nebeneffekt, daû sie relativ wenig kosten ± auûer Phantasie und KreativitaÈt sowie eine Art ¹Regiekostenª fuÈr die Einrichtung und die Entscheidung uÈber die GewaÈhrung. Die Anreize wirken allerdings nicht generell und fuÈr alle BeschaÈftigen, sondern ihre Anreizwirkung ist individuell unterschiedlich. Die eine BeschaÈftigte ist an einer Gleitzeitregelung interessiert, den anderen BeschaÈftigten interessiert dies nicht, allerdings dagegen die Chance der Teilnahme an einem Fortbildungslehrgang. Die Konsequenz dieser individuellen Anreizwirkung ist ebenso einfach zu ziehen wie schwierig zu realisieren: Die FuÈhrungskraÈfte auf allen Ebenen des Krankenhauses muÈssen in die Lage versetzt werden, z einen Ûberblick u È ber die fuÈr sie realisierbaren Anreizelemente zu erhalten, z diese Anreizelemente den BeschaÈftigten zu pra È sentieren und z eine Verabredung u È ber die Bedingungen fuÈr die GewaÈhrung einzelner Anreize zu treffen. Ein erster Schritt waÈre es, EinzelgespraÈchen zwischen FuÈhrungskraft und Mitarbeiter zu fuÈhren, in denen zunaÈchst einmal aus der Perspektive der Mitarbeiter die anreizwirksamen Elemente der Arbeit bzw. der Arbeitsbedingungen thematisiert werden (¹Was ist Ihnen bei Ihrer 23 Anreizsysteme muÈssen nicht teuer sein 3 z 02 04 HandlungsansaÈtze zur Professionalisierung der Personalarbeit im Krankenhaus Inhalt Richtige Leistungsbeurteilung vorausgesetzt So wird Personalmanagement gestaltend Suchen Treffer Hilfe Arbeit besonders wichtig?ª). Diese Inhalte werden jetzt schon in Entwicklungs- und BeratungsgespraÈchen thematisiert, die FuÈhrungskraÈfte in einzelnen KrankenhaÈusern regelmaÈûig durchfuÈhren. In einem zweiten Schritt koÈnnten diese Elemente durch solche ergaÈnzt werden, die im Betrieb realisierbar sind, die von einzelnen BeschaÈftigten zwar nicht selbstaÈndig thematisiert werden, aber durchaus eine Anreizwirkung entfalten koÈnnten. Auch die GewaÈhrung nichtmaterieller Anreize setzt natuÈrlich letztlich voraus, daû eine Beurteilung der Leistungen und damit der Angemessenheit einer Anreizzuweisung erfolgt. Dies wird erfordern, an dem bisher im Krankenhausbereich wenig bearbeiteten Thema der Leistungsbeurteilung zu arbeiten. Es muû naÈmlich verhindert werden, daû die MaÈngel der bisherigen Beurteilungsverfahren (Bohlen 1994, Becker 1996) eine demotivierende Wirkung auf die AnreizgewaÈhrung insgesamt ausuÈben. Zusammenfassend sollen am Beispiel der Anreizgestaltung die 3 wichtigsten Herausforderungen an eine innovative Gestaltung des Personalmanagements noch einmal verdeutlicht werden: z Strategische Ausrichtung: Das Krankenhaus muû fu Èr sich entscheiden, welche Rolle die Anreizgestaltung und -gewaÈhrung zukuÈnftig fuÈr den Erhalt und die Weiterentwicklung personeller Ressourcen spielt, und es muû konsequenterweise globale Wege fuÈr eine konkrete Umsetzung aufzeigen. z Individualisierung: Die Anreizgestaltung bietet geradezu ein Musterbeispiel fuÈr die Notwendigkeit, die Personalarbeit an konkreten Interessen einzelner Individuen auszurichten und nicht an vermeintlichen DurchschnittsbeduÈrfnissen von Berufsgruppen. 24 HandlungsansaÈtze zur Professionalisierung der Personalarbeit im Krankenhaus Inhalt Suchen 3 z 02 04 Hilfe Treffer Professionalisierung: Die Zahl geeigneter Anreize muû erhoÈht werden. Dazu muÈssen professionelle Verfahren der Anreizgestaltung und -gewaÈhrung angewendet werden. SelbstverstaÈndlich muû die Gestaltung der Anreize die Spezifika der Leistungserstellung und die Besonderheiten bei den personellen Ressourcen im Krankenhaus beruÈcksichtigen. Dennoch erfordert eine professionelle Ausrichtung der Personalarbeit auch ein Aufbrechen traditioneller Ausrichtungen und ein Ûberwinden von Denkverboten. z Literatur Becker FG (1996) Aufgabenbezogene Leistungsbeurteilung. Personal 9:466±471 Berthel J, Touet M (1997) Mittelstand verzichtet vielfach auf Personalplanung und Leistungsbeurteilung. Personalwirtschaft 1:27±29 Bohlen FN (1994) Die Mitarbeiterbeurteilung muû motivieren. Personal 9:439±441 Cisik J (1998) Der Mitarbeiter im betrieblichen Lebenszyklus. PersonalfuÈhrung 6:40±43 Dahlgaard K (1995) Personalarbeit und Personalentwicklung im Krankenhaus. FuÈhren und Wirtschaften im Krankenhaus 2:150±157 Dahlgaard K (1997) Personalmanagement. 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