Betrieblicher Ideenwettbewerb als Führungsinstrument Inhalt Suchen 2 z 13 01 Hilfe Treffer 2 z 13 Betrieblicher Ideenwettbewerb Hans Kühn Juni 2001 inhaltsüberblick Die Einbindung des Mitarbeiters in das Unternehmen Krankenhaus ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Der Beitrag stellt den Betrieblichen Ideenwettbewerb nicht nur als Mittel der Motivierung, sondern auch als Führungsinstrument vor. Dabei werden alle Schritte der Einführung erläutert und mit praktischen Beispielen auf Einflussfaktoren und Hemmnisse eingegangen. Der Autor berichtet dabei aus den eigenen Erfahrungen als Beauftragter für den Betrieblichen Ideenwettbewerb am Universitätsklinikum Münster. 2 z 13 | 01 Betrieblicher Ideenwettbewerb als Führungsinstrument Die Idee zu den Ideen Stationspflegerin Ellen Meier war sauer. Zahlreiche Verbesserungsvorschläge von ihr hatten dem Krankenhaus, in dem sie beschäftigt ist, einige 10 000 DM eingespart. Doch eine Fortbildungsmaßnahme sollte sie aus eigener Tasche bezahlen. Dies war Anlass für den „PulsSchlag“, der Informationszeitung des Universitätsklinikums Münster, im Mai 1991 darüber nachzudenken, ob nicht der Betriebliche Ideenwettbewerb eingeführt werden soll. Krankenhäuser im Wettbewerb Deutsche Krankenhäuser haben folgenreiche Jahre hinter sich. Beginnend mit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz von 1972 hat der Gesetzgeber mit zunehmender Geschwindigkeit regulierend in das Gesundheitswesen eingegriffen (Kap. 16.01.03). Das Ziel, die Ausgaben der Krankenhäuser zu begrenzen, wird vom Gesetzgeber weiter verfolgt. 1 Druck auf die Kosten 2 z 13 01 Betrieblicher Ideenwettbewerb als Führungsinstrument Inhalt Zusammenarbeit bietet Lösungen Suchen Treffer Hilfe Für die Kliniken bedeutet das, dass sie mit immer weniger Ressourcen immer größere Leistungen erbringen müssen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn es dem Management gelingt, bei allen Mitarbeitern das Bewusstsein für problemlösende Zusammenarbeit zu mobilisieren. Dabei müssen auch Krankenhäuser neue Wege gehen, im Rahmen eines Qualitätsmanagements zu immer besseren Ergebnissen zu kommen, stellt Wilfried von Eiff fest (s. a. Kap. 2.11). Schon 1990 hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft in ihren „Empfehlungen zur Kooperation im Krankenhaus“ ausgeführt: z« Zur Kooperation im Krankenhaus gehört auch die Förderung zur Bereitschaft zur Weitergabe konstruktiver Vorschläge zur Verbesserung des Betriebsablaufs. Die Bereitschaft zur konstruktiven Mitarbeit wird durch Einrichtung eines Betrieblichen Ideenwettbewerbs gefördert. Wettbewerbsvorsprung: über 30% Qualitätsmanagement Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Horstmann schätzte 1996, dass Krankenhäuser, die eine arbeitsorientierte Innovationsstrategie mit Mitarbeiterbeteiligung verfolgen, einen Wettbewerbsvorsprung von durchschnittlich mehr als 30%. haben. Die Experten aus Wissenschaft und Politik scheinen sich einig in ihrer positiven Bewertung. Ein Krankenhaus, das eine hohe Qualität bietet, steigert seine Chancen im Wettbewerb. Zunehmend werden deshalb Instrumente des Qualitätsmanagements eingesetzt (s. Kap. 11. 01.04). Einige Häuser haben sich bereits nach der ISO 9000 zertifizieren lassen (Kap. 11.02.03). Man 2 Betrieblicher Ideenwettbewerb als Führungsinstrument Inhalt Suchen 2 z 13 01 Hilfe Treffer Juni 2001 sollte den Einfluss von Organisationsabläufe und Mitarbeiterzufriedenheit auf die Qualität der Leistungserbringung nicht unterschätzen. Hier gibt es die Chance, Qualität zu erkennen und zu verbessern. Es gilt, den Ansatzpunkt des Ideenmanagement als Mittel zur Qualitätsverbesserung und damit zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit zu nutzen. Führungsinstrument Ideenwettbewerb Mit dem Begriff des Ideenwettbewerbs sowie der Prämienberechtigung verbindet man allzu häufig den rein wirtschaftlichen Aspekt: Verbesserungen werden mit dem Ziel eingeführt Kosten zu sparen und der Mitarbeiter erhält eine Prämie – sozusagen als Belohnung. Dies allein kann es aber nicht sein. Der Ideenwettbewerb sollte darüber hinaus eine Vielzahl von Sachverhalten beinhalten, die auch ohne einen wirtschaftlichen Nutzen verbessert werden können. Hier wird an die Kooperation und die Verantwortung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern appelliert, die Situation zu verbessern und dadurch eine größere Akzeptanz im Betrieb zu erreichen. Denn eingeführte Verbesserungsvorschläge z sind persönliche Erfolgserlebnisse und ein Stück Selbstverwirklichung, z vermitteln einen materiellen Erfolg in Form einer Prämie, z leisten einen Beitrag zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Krankenhauses, z dienen der Arbeitsplatzsicherung, z verbessern die Qualität der Krankenversorgung, z tragen zur Wettbewerbsfähigkeit des Krankenhauses bei und z reduzieren die Kosten des Krankenhauses. 3 Nicht nur den wirtschaftlichen Nutzen sehen 2 z 13 01 Betrieblicher Ideenwettbewerb als Führungsinstrument Inhalt Suchen Treffer Hilfe Abb. 1: Vorteile des Betrieblichen Ideenwettbewerbs Das gute Klima pflegen Den Mittelweg finden Die Bereitschaft zum Mitdenken kann dabei Bestandteil der Unternehmenskultur werden, die Kreativität der Mitarbeiter kann aktiviert und genutzt werden. Ihre so entstehende Eigenverantwortung steigert schließlich die Motivation im täglichen Arbeitsablauf. Das Betriebsklima in einem Krankenhaus existiert nicht „an sich“, sondern nur in der Wahrnehmung der Beschäftigten. Ein positives Klima bringt Kooperations- und Zugehörigkeitsmotivation. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, dass Mitarbeiter Verbesserungen einreichen und so über ihren Arbeitsbereich hinaus schauen. Bei einem Betrieblichen Ideenwettbewerb, der zur Personalführung instrumentalisiert wird, wird der rechenbare Nutzen sekundär. Andererseits steht und fällt alles mit den Einsparungen, die realisiert werden. Es bietet sich deshalb an, einen Mittelweg zu finden, der es ermöglicht, die Kosten für den Ideenwettbewerb mit den Einsparungen mindestens abzudecken. 4 Einführung des Betrieblichen Ideenwettbewerbs Inhalt Suchen Hilfe Treffer 2 z 13 | 02 Einführung des Betrieblichen Ideenwettbewerbs Juni 2001 2 z 13 02 Dienst- bzw. Betriebsvereinbarung Die Einführung des Betrieblichen Ideenwettbewerbs erfolgt in verschiedenen Schritten (Abb. 2). Grundsätzlich für die Einführung eines Betrieblichen Ideenwettbewerbs ist der Wille der Krankenhausleitung, ein solches mit allen Konsequenzen einzuführen. Dabei ist sie wesentlich auf die Zusammenarbeit mit dem Personal-/Betriebsrat angewiesen, gilt es doch, eine Dienst-/Betriebsvereinbarung abzuschließen. Es wird manchmal darüber diskutiert, ob eine derartige Betriebsvereinbarung überhaupt notwendig sei. Bei solchen Modelle trifft die Bewertungskommission fast ausschließlich Entscheidungen ohne einen festgelegten Rahmen. Der bessere Weg ist es jedoch, eine Vereinbarung mit festen Normen zu treffen. Hier gibt es zwei Vorgehensweisen: z Es wird eine Dienst-/Betriebsvereinbarung getroffen, in der alle Regularien und Normen enthalten sind. z Es wird lediglich eine kurze Betriebs-/Dienstvereinbarung getroffen, die die wesentlichen Inhalte aufzeigt. Alles weitere wird festgelegt in „Richtlinien über den Betrieblichen Ideenwettbewerb“. Abb. 2: Einführung des Betrieblichen Ideenwettbewerbs 5 Der Betriebliche Ideenwettbewerb ist „Chefsache“ 2 z 13 02 Einführung des Betrieblichen Ideenwettbewerbs Inhalt Die Philosophie formulieren Suchen Treffer Hilfe In einer Präambel zur Vereinbarung sollte die gesamte Philosophie dieses Betrieblichen Ideenwettbewerbs niedergelegt werden. Durchaus zeitgemäß klingt das Generalregulativ von Alfred Krupp aus dem Jahre 1888. Hier wird in § 13 nicht nur auf die Verbesserungsmöglichkeiten, die Vorschlagsberechtigten sowie die möglichen Prämien hingewiesen, die Präambel enthält auch den deutlichen Hinweis an Vorgesetzte, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu unterstützen und zu beraten und sie zum Einreichen von Verbesserungsvorschlägen anzuregen. § 13 des alfred-krupp generalregulativ Anregungen und Vorschläge zu Verbesserungen, auf solche abzielende Neuerungen, Erweiterungen, Vorstellungen über und Bedenken gegen die Zweckmäßigkeit getroffener Anordnungen sind aus allen Teilen der Mitarbeiter dankbar entgegen zu nehmen und durch Vermittlung des nächsten Vorgesetzten an das Direktorium zu befördern, damit dieses ihre Prüfung veranlasse. Eine Abweisung der gemachten Vorschläge ohne eine vorangegangene Prüfung derselben soll nicht stattfinden, wohingegen denn auch erwartet werden muß, daß eine erfolgte Ablehnung dem Betreffenden, auch wenn ihm ausnahmeweise nicht alle Gründe dafür mitgeteilt werden können, genüge und ihm keineswegs Grund zur Empfindlichkeit und Beschwerde gebe. Die Wiederaufnahme eines schon abgelehnten Vorschlages unter veränderten thatsächlichen Verhältnissen oder in verbesserter Gestalt ist selbstredend nicht nur zulässig, sondern empfehlenswert. Verbesserungsvorschläge Wie ein Katalog sind Verbesserungsvorschläge (VV) in der Dienstvereinbarung aufgezählt: 6 Einführung des Betrieblichen Ideenwettbewerbs Inhalt Suchen 2 z 13 02 Hilfe Treffer Juni 2001 z Einsparung von Kosten bei Personal, Material und Energie z Mitgestaltung der Arbeitswelt z Steigerung der Leistungsfähigkeit z Lösung persönlicher und sachlicher Probleme z Hebung der Arbeitssicherheit, der Gesundheits-, Hygiene- und Brandschutzvorsorge z Schonung der Umwelt z Verringerung von Immissionen am Arbeitsplatz z Schonende und werterhaltende Nutzung von Maschinen und Anlagen z Identifikation der Mitarbeiter/innen mit dem Krankenhaus z Hebung des Ansehens des Krankenhauses in der Öffentlichkeit z Förderung der betrieblichen Zielsetzungen z Menschliche und fachliche Beziehungen zwischen Mitarbeiter/innen z Vereinfachung von Einkauf, Lagerhaltung und Transportwesen z Vereinfachung von Büro- und Verwaltungsarbeiten z Herbeiführen von Qualitätsverbesserung z Abfallbeseitigung und Entsorgung z Erleichterung von Arbeitsmethoden und Arbeitsverfahren Es müssen aber auch Einschränkungen vorgegeben werden, denn VV sollten sein: z realisierbar und mit angemessenem Aufwand finanzierbar, z nicht den Zielsetzungen des Krankenhauses entgegengesetzt, z nicht nur Hinweis oder Kritik, z nicht schon in Planung oder früher vorgeschlagen. 7 Einschränkungen 2 z 13 02 Einführung des Betrieblichen Ideenwettbewerbs Inhalt Personenkreis Suchen Treffer Hilfe Alle Beschäftigten des Krankenhauses sind aufgefordert Vorschläge einreichen. Darüberhinaus sollte man alle diejenigen, die nicht in einem Arbeitsvertragsverhältnis stehen, nicht ausschließen: ehemalige Mitarbeiter, Praktikanten und Auszubildende, Studenten, Zivildienstleistende, Gastärzte, Angehörige von Vertragsfirmen und natürlich auch Patienten! Der Personenkreis, der keine Verbesserungsvorschläge machen darf, ist außerordentlich klein. z Die Dienstvereinbarung des Universitätsklinikums Münster sieht vor, dass jeder Vorschlagende eine Zwischennachricht bekommt, mit der er auf die Regularien der Dienstvereinbarung hingewiesen wird und der ein kleines Präsent in Höhe von 20 DM beigefügt ist. Zwischenzeitlich haben wir diese Geldpräsent umgewandelt in ein Punktesystem, um die Steuer- und Sozialversicherungspflicht für den Geldbetrag zu umgehen. Die Punkte können ähnlich wie Rabattmarken in einem Heft gesammelt und später gegen Sachpreise eingetauscht werden. Die Menge der Punkte ergeben sich aus der Güte des Verbesserungsvorschlages, sie liegen zwischen 1 und 20. Die Zwischennachricht wird schnellstens abgesandt, damit die Vorschlagenden erkennen, dass ihr Vorschlag eingegangen ist und ernst genommen wird. Beauftragte für das Betriebliche Ideenwettbewerb Organe des Betrieblichen Ideenwettbewerbs Wichtigstes Organ des Betrieblichen Ideenwettbewerbs ist die/der Beauftragte für das Betriebliche Ideenwettbewerb. Es hat sich in Münster bewährt, dass der Beauftragte strukturell in die Krankenhausleitung eingebunden ist. In anderen Häusern ist diese Stelle in der Personal- oder der Finanzverwaltung angesiedelt. 8 Einführung des Betrieblichen Ideenwettbewerbs Juni 2001 Inhalt Suchen 2 z 13 02 Hilfe Treffer Der Beauftragte allein ist kaum in der Lage, zu den einzelnen Verbesserungsvorschlägen fachlich Entscheidungen treffen zu können. Aus diesem Grund bedient er sich hierzu Gutachter, die entweder in der Verwaltung, als Arzt oder im Pflegebereich tätig sind. Auch für diese Gutachter sind die Aufgaben in der Dienstvereinbarung festgelegt. Die Gutachter werden mittels einer Checkliste um die Beurteilung gebeten. Damit wird die Entscheidungsfindung der Bewertungskommission deutlich erleichtert. Ihre Aufgaben sind die z Entscheidung über Annahme oder Ablehnung z Hinzuziehung von Sachverständigen z Festsetzung der Prämien z Erteilung von Anerkennungen z Entscheidung über Einsprüche. Gutachter Bewertungskommission Wichtig ist die Zusammensetzung der Kommission. Insbesondere die richtige Anzahl der Mitglieder ist entscheidend für die Effizienz der Arbeit (vgl. auch Kap. 14.07.01 zur Arzneimittelkommission). In Münster tritt die Bewertungskommission etwa alle 6 Wochen zusammen. Prämien Bei den Prämien ist zu unterscheiden zwischen Prämien mit rechenbaren Vorteilen und solchen ohne. Bei den rechenbaren Prämien wird ein bestimmter Prozentsatz der Einsparung ausgeschüttet, der je nach Größe der Ersparnis gestaffelt sein kann. Bei den nicht rechenbaren Vorteilen gibt es diverse Prämiensysteme, die mit festen Beträgen, mit variablen Beträgen oder mit Prozentanteilen von Nutzungsvorteilen rechnen. Dies mag in der Industrie relativ einfach möglich sein, im Krankenhaus empfiehlt es 9 Prämiengefüge einfach gestalten 2 z 13 02 Einführung des Betrieblichen Ideenwettbewerbs Inhalt Suchen Treffer Hilfe Tabelle 1: Festlegung eines Nutzungsvorteils Große Verwendung Mittlere Verwendung Einmalige Verwendung Sehr Idee 4000 3200 2400 gute Gute Idee Brauchbare Idee DM 2000 DM 1000 DM DM 1600 DM 800 DM DM 1200 DM 600 DM sich jedoch ein relativ einfaches Prämiengefüge zu wählen. Ein Beispiel einer Dienstvereinbarung könnte sein: z rechenbare VV: 25% der Jahres-Nettoersparnis des 1. Jahres, z nichtrechenbare VV nach einem bewertetem Nutzen, aus dem sich unter Zugrundelegung des gleichen %-Satzes die Prämie ergibt (Tabelle 1), z einige Zuschläge, insbesondere im Unfallwesen. In Münster wurde das Prämiensystem mittlerweile noch weiter vereinfacht. z! Hinzuweisen ist auf die Steuer- und Sozialversicherungspflicht. Rasche Bearbeitung Prämienübergabe Verfahren Oberstes Gebot ist eine rasche Bearbeitung in allen Phasen. Der Mitarbeiter muss signalisiert bekommen, dass sein Vorschlag (und damit er selbst) ernst genommen wird. Die Prämienübergabe (mit Anerkennungsurkunde!) sollte in einer gemütlichen Runde durch den Verwaltungsdirektor erfolgen. Sie wird für die Öffentlichkeit dokumentiert mindestens durch Aushang am Schwarzen Brett. Noch besser ist ein Bericht in der Mitarbeiterzeitung oder gar eine externe Veröffentlichung z. B. in der lokalen Presse (Kommunikationspolitik s. Kap. 2.40.04). 10 Einführung des Betrieblichen Ideenwettbewerbs Suchen Hilfe Treffer Juni 2001 Inhalt 2 z 13 02 Abb. 3: Weg des Verbesserungsvorschlags z! Eine Ausfertigung der Anerkennungsurkunde gehört in die Personalakte. Es ist sinnvoll, über die „normale“ Information hinaus von Zeit zu Zeit mit besonderen Aktionen wie Verlosungen zum Jahresschluss oder Wettbewerbe aufmerksam zu machen. 11 2 z 13 03 Erfahrungen der Umsetzung in die Praxis Inhalt Suchen Treffer Hilfe Abb. 4: Aufkleber als Hinweis auf durchgeführte Verbesserungen (im Original roter Hintergrund) Information der Mitarbeiter Aufkleber 2 z 13 | 03 Probleme mit Behörde Werbliche Maßnahmen Ohne eine Werbestrategie mit langfristiger Wirkung wird es kaum möglich sein, dem Betrieblichen Ideenwettbewerb zum Erfolg zu verhelfen. Der erste Schritt wird sein, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu informieren. Dies kann z. B. durch Plakataushänge oder Verteilung von Handzetteln, Broschüren, Aufklebern usw. erfolgen. Auch ein Aufkleber (Abb. 4), der Maßnahmen nach der Umsetzung markiert, findet erfahrungsgemäß große Beachtung. Erfahrungen der Umsetzung in die Praxis Die Situation beim Universitätsklinikum Münster Beim Universitätsklinikum Münster wurde der Betriebliche Ideenwettbewerb im Jahre 1991 eingeführt. Schon drei Jahre nach dem Start war das Projekt gefährdet wegen Schwierigkeiten mit dem Landesrechnungshof sowie dem Innenministerium Nordrhein-Westfalen: Es wurde für nicht notwendig erachtet, neben dem „Interministeriellen 12 Erfahrungen der Umsetzung in die Praxis Juni 2001 Inhalt Suchen 2 z 13 03 Hilfe Treffer Ausschuss für Verbesserungsvorschläge“ noch einen dezentralen Ideenwettbewerb zu etablieren. Doch der Erfolg gab dem dezentralen Ansatz recht. Die sechs Universitätskliniken Aachen, Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln und Münster konnten nach einer Anlaufzeit mehr Verbesserungsvorschläge als die gesamte übrige Landesverwaltung aufweisen! Mit dem Beginn des Wettbewerbs gingen Veröffentlichungen in Fachpublikationen und in der Presse einher. Daraus ergaben sich Kontakte mit anderen Einrichtungen. Dem Autor sind über 70 Krankenhäuser bekannt, die Ideenwettbewerbe durchführen, doch dürfte die tatsächliche Zahl deutlich höher sein. In den Jahren 1997–1999 gingen bei den sechs genannten Einrichtungen in NordrheinWestfalen 3785 Verbesserungsvorschläge mit Ersparnissen von 5,1 Mio. DM ein. Angenommen wurden 570 Vorschläge, fast 0,6 Mio. DM wurden als Prämien ausgezahlt. 1999 sind an den Medizinischen Einrichtungen Münster 950 Verbesserungsvorschläge eingegangen. Kam anfangs der Großteil der Vorschläge aus der Verwaltung, hat sich die Entwicklung nun zugunsten der Kliniken, Institute und Schulen verändert (Abb. 5). Der Anteil der rechenbaren VV, also die bezifferbaren Ersparnisse, liegt Abb. 5: Verbesserungsvorschläge unterteilt nach Dienstarten 13 Erfolg auch bei anderen Einrichtungen Medizinische Einrichtungen Münster 2 z 13 03 Erfahrungen der Umsetzung in die Praxis Inhalt Suchen Treffer Hilfe Abb. 6: Rechenbare und nicht rechenbare Verbesserungsvorschläge Annahmequote Jährlich eine Dreiviertelmillion Mark Nettoersparnis Problematisches Finanzierungssystem bei ca. 30%; die restlichen, nicht rechenbaren VV verteilen sich auf verschiedene Bereiche (Abb. 6). Im Laufe der Jahre wurde die Annahmequote deutlich geringer. Prämiert wurden bis 2000 896 Vorschläge, der Anteil liegt dabei bei 24% bezogen auf die eingereichten Verbesserungsvorschläge. Die Bruttoersparnis liegt bei rund 14,5 Mio. DM, an Prämien wurden etwa 980 000 DM ausgeschüttet. Das ergibt unter dem Strich eine Nettoersparnis von mehr als 13,2 Mio. DM! Kosten und Finanzierung des Ideenwettbewerbs Die Prämien sind nicht der einzige Aufwand des Ideenwettbewerbs. Der Beauftragte verursacht Personalkosten, die Bearbeitung braucht Geld, letztendlich muss auch geworben werden. In Münster wurde der Versuch einer Bewertung vorgenommen, bei der diese Kosten alle berücksichtigt worden sind. Über die Gesamtzeit ergeben sich Kosten in Höhe von 1,3 Mio. DM, die von den Ersparnissen abzuziehen sind. Bei verbleibenden 13,2 Mio. DM an Nettoersparnissen sind dies jedoch pro Jahr immer noch mehr als 1,5 Mio. DM. Das Finanzierungssystem der Krankenhäuser ist so angelegt, dass die Krankenkassen bzw. Sozialleistungsträ14 Erfahrungen der Umsetzung in die Praxis Juni 2001 Inhalt Suchen 2 z 13 03 Hilfe Treffer ger nur die Leistungen bezahlen müssen, die sparsam und wirtschaftlich erbracht sind (Kap. 2.30.03). Theoretisch sind dabei weitere Einsparungen nicht mehr möglich. Noch problematischer ist, dass Einsparungen auf jeden Fall bei den prospektiv ermittelten Budgets berücksichtigt werden müssen. Schließlich lässt die Bundespflegesatzverordnung für die Finanzierung des Ideenwettbewerbs auch keinen Raum, denn in dieser Verordnung sind alle Finanzierungstatbestände aufgeführt und Kosten des Betrieblichen Ideenwettbewerbs gibt es dort nicht. Hier werden die Krankenhäuser leider gezwungen, mit „kreativer Buchhaltung“ zu arbeiten. Andererseits darf nicht vergessen werden, dass zwei Drittel aller Verbesserungsvorschläge solche der nicht rechenbaren Art sind. Und auch auf der Erfolgsseite bewegt sich der Ideenwettbewerb als Führungs- und Motivationsinstrument im nicht direkt bezifferbaren Bereich. Umfrage zum Ideenwettbewerb Im Jahre 1998 haben wir in Münster eine Umfrage zum Ideenwettbewerb gemacht. Es kannten 89% den Ideenwettbewerb, auch die Prämienordnung war bei 68% bekannt. 81% hatten schon selbst mindestens einmal einen Verbesserungsvorschlag gemacht. Laufende Informationen wünschen sich 92% der Mitarbeiter, 60% hätten gerne einen festen Ansprechpartner. Bevorzugt werden auf jeden Fall Geldprämien, 85% fanden es gut, dass der Verwaltungsdirektor die Prämienurkunden aushändigt. 15 2 z 13 04 Einflussfaktoren und Widerstände beim Ideenwettbewerb Inhalt 2 z 13 | 04 Nochmals: Betrieblicher Ideenwettbewerb ist „Chefsache“ Hierarchie als Hindernis Suchen Treffer Hilfe Einflussfaktoren und Widerstände beim Ideenwettbewerb Krankenhausmanagement und Personalbzw. Betriebsrat Wesentlich für das Gelingen des Betrieblichen Ideenwettbewerbs ist, dass das Krankenhausmanagement voll hinter dem Projekt steht. Auch muss der Wettbewerb über den wirtschaftlichen Erfolg hinaus als Instrument der Personalführung akzeptiert sein. Wichtigste Voraussetzungen dazu sind die Arbeitsbeziehungen untereinander sowie ein gutes Betriebsklima. Der Personalrat hat ähnlich große Bedeutung: Versagt er seine Unterstützung, kommt dies dem Ende des Projekts gleich. Organisationsstrukturen und Hierarchien Die hierarchischen Strukturen eines Krankenhauses stellen sich oft als Hemmschuh heraus. Insbesondere Chefärzte und Pflegedienstleitungen, aber auch sonstige Vorgesetzte in der Hierarchielinie fühlen sich durch Verbesserungsvorschläge zu Unrecht kritisiert. Es kann pasieren, dass Verbesserungsvorschläge spätestens beim Einholen der Gutachten abgelehnt werden, da Vorgesetzte die Prob- Abb. 7: Einflussfaktoren und Widerstände 16 Einflussfaktoren und Widerstände beim Ideenwettbewerb Inhalt Suchen Hilfe Treffer leme auch ohne Betrieblichen Ideenwettbewerb lösen wollen. Die Organisationsstruktur eines Krankenhauses kann Verbesserungsvorschläge fördern oder ersticken. Letztendlich sind die Gutachter in der Regel aus der Hierarchielinie rekrutiert. Hier spielen die Organisation, die Betriebsvereinbarung, die Organe und das Verfahren ganz entscheidende Rollen. Juni 2001 2 z 13 04 Die Vorschlagsberechtigten Doch nicht nur der Betrieb und die Hierarchieebenen können Störfaktoren sein, oft sind es die Kollegen untereinander. So entsteht manchmal Neid, wenn ein Kollege eine Prämie für einen Vorschlag erhält. Hemmnisse liegen aber auch bei den Personen selbst, wenn sie sich einfach nicht getrauen, einen Vorschlag einzureichen. Die Gründe können sein: z Angst vor Rationalisierungseffekten z „Betriebsblindheit“ z Kritikangst bzw. Kritiklosigkeit z fehlende Kreativität z Artikulationsschwierigkeiten. Diesen Befürchtungen muss man durch positive Erfahrungen und die Entwicklung einer aufgeschlossenen Krankenhauskultur entgegentreten. Im persönlichen Gespräch sollten die Befürchtungen ernst genommen werden, um sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte vom Erfolg der Maßnahmen zu überzeugen. 17 Organisationsstruktur muss stimmen Kollegen Das persönliches Gespräch suchen 2 z 13 05 Besondere Problemfelder Inhalt 2 z 13 | 05 Verbesserungsvorschläge sind immer Zusatzleistungen Teilprämierung Gutachterliche Tätigkeit würdigen Suchen Treffer Hilfe Besondere Problemfelder Verbesserungsvorschläge aus dem eigenen Aufgabengebiet Problematisch sind Verbesserungsvorschläge, die den eigenen Arbeitsbereich betreffen. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass ein Vorschlag nur dann belohnenswert ist, wenn es sich um eine Sonderleistung außerhalb der eigentlichen Tätigkeit handelt. Maßgeblich ist dabei der Arbeitsvertrag sowie der Umfang der erwarteten Tätigkeiten. Wenn Aufgaben ausdrücklich vereinbart sind entfällt eine Prämierung, der Vorschlag wird dessen ungeachtet angenommen. Eine Entscheidungshilfe kann das Kriterium sein, inwiefern Vorschlagende Verbesserungsvorschläge selbst umsetzen können. Allerdings gibt es auch Grenzfälle, wenn Aufgaben zumindest teilweise zugewiesen sind und damit teilweise außerhalb des Arbeitsgebietes liegen. Hier empfiehlt sich eine Anteilberechnung, bei der der Teil prämiert wird, der nicht zu den eigenen Aufgaben zählt. Begutachtung der Verbesserungsvorschläge Gutachter haben eine wichtige Rolle. Nicht nur, dass sie diese Aufgabe „ehrenamtlich“ machen, oft müssen sie angenommene Vorschläge in ihrem Arbeitsbereich verantwortlich umsetzen. Es sollte deshalb versucht werden, Gutachter zum Partner in der Sache zu machen. Unterstützende Maßnahmen sind dabei: z laufende Informationen z Gutachterschulungen z spezielle Aktionen für Gutachter z Anfragen und Unterstützung. 18 Besondere Problemfelder Inhalt Suchen 2 z 13 05 Hilfe Treffer Zwei weitere Maßnahmen haben in Münster großen Erfolg gehabt: z ein Leitfaden für Gutachter z Einbeziehung der Gutachter in ein Punktesystem. Juni 2001 Beim Leitfaden wurden die wesentlichen Punkte eines Gutachtens herausgestellt mit dem Ziel, die Begutachtung möglichst zu erleichtern und Zusatzarbeiten zu verhindern. Beim Punktesystem erhalten Gutachter nach Schnelligkeit und Güte des Gutachtens Wertpunkte, die gesammelt und gegen Sachpreise eingetauscht werden können. Verhinderung eigener Aktivitäten Nicht ganz haltlos ist der Einwand, ein Ideenwettbewerb verhindere Aktivitäten, weil Mitarbeiter eine Prämierung für zuvor selbstverständliche Leistungen zu erreichen versuchen. Andererseits gehen auch viele Ideen verloren, da sie am Widerstand des Vorgesetzten scheitern. Und viele haben trotz finanzieller Anreize überhaupt keine Ideen! Worauf es ankommt ist die Verbesserung an sich, unabhängig davon, ob sie ohne oder mit Anreiz vorgeschlagen wurde. Umsetzung der Verbesserungsvorschläge Der Ideenwettbewerb lebt von den umgesetzten Ideen. Es ist eine wichtige Aufgabe des Beauftragten, Umsetzungen aufmerksam zu verfolgen und gegebenenfalls sie auch anzumahnen. Notfalls muss er Hindernisse z. B. finanzieller oder zeitlicher Art selbst beseitigen. Mehrfacheinreicher Nicht alle Mitarbeiter beteiligen sich am Ideenwettbewerb. Die bis einschließlich 2000 eingegangenen 3862 19 Wichtig ist immer die Verbesserung an sich Der Beauftragte ist gefordert Im Durchschnitt 4 Vorschläge 2 z 13 05 Besondere Problemfelder Inhalt Suchen Hilfe Treffer Abb. 8: Verteilung von Einfach- und Mehrfacheinreichern Verbessserungsvorschläge wurden von lediglich 942 Personen eingereicht, also durchschnittlich 4,1 pro Person. An der Spitze liegt in Münster eine Mitarbeiterin mit 52 Vorschlägen. 383 von den 942 Aktiven haben nur einen Verbesserungsvorschlag gemacht. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Annahmequote bei den Mehrfachvorschlägen nicht höher ist als im Gesamtschnitt (Abb. 8). z ausblick Industrie und Wirtschaft haben gezeigt, das ein Qualitätsmanagement dazu dienen kann, die Kosten zu senken. Diese Erfahrungen sollten die Krankenhäuser nutzen. Hilfreich wäre allerdings, wenn der Gesetzgeber die Kosten des Ideenmanagement als pflegesatzrelevante Kosten berücksichtigen würde. Nur so kann es gelingen, dass zukünftig in diesem Bereich ein deutlich höherer wirtschaftlicher Erfolg erzielt wird. 20 Weiter
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