6. Oxidations-, Reduktions-Reaktionen 6.2.3.1 www.ioc-praktikum.de Umsetzung von Propiophenonsemicarbazon (1a) mit Kaliumhydroxid zu n-Propylbenzol (1b) (Variante der Wolff-Kishner-Reaktion)· O O CH3 + H N 2 Ph C9H10O (134.2) NH2 NH2 N CH3CO2Na N H · HCl CH3 Ph CH6ClN3O (115.5) 1a O H N 1a C10H13N3O (191.3) KOH Diethylenglykol, ΔT Ph KOH (56.1) CH3 1b C9H12 (120.2) Arbeitsmethoden: Thermolyse, Destillation Chemikalien Propiophenon Semicarbazid-Hydrochlorid Natriumacetat Trihydrat Kaliumhydroxid Diethylenglykol Cyclohexan Schmp. 18 °C, Sdp. 218 °C, d = 1.01 g/ml. Schmp. 170–175 °C (Zers.). Giftig beim Verschlucken. Verursacht schwere Verätzungen, sofort mit viel Wasser abspülen. Sdp. 244 °C, d = 1.12 g/l. Sdp. 80 °C, d = 0.78 g/ml, Dampfdruck bei 20 °C: 104 hPa. Durchführung Vor Beginn Betriebsanweisung erstellen. Darstellung von Propiophenonsemicarbazon (1a) In einem 500 ml-Rundkolben mit Magnetrührstab und aufgesetztem Tropftrichter werden 0.10 mol (13.4 g, 13.3 ml) Propiophenon in 100 ml Ethanol vorgelegt. Zu dieser Mischung wird eine Lösung von 0.10 mol (11.6 g) Semicarbazid-Hydrochlorid und 20 g Natriumacetat Trihydrat 1 in 60 ml Wasser langsam zugetropft.2 Nach vollständiger Zugabe wird noch 1 h bei 40 °C weitergerührt. Die Mischung wird im Eisbad abgekühlt, der ausgefallene Niederschlag über einen Büchnertrichter abgesaugt, zweimal mit je 30 ml Eiswasser nachgewaschen (→ E1) und „lufttrocken“ gesaugt. Das Rohprodukt wird im Exsikkator über Silicagel bis zur Gewichtskonstanz getrocknet. Bestimmen die Ausbeute und Schmelzpunkt des Rohprodukts. Das Rohprodukt kann ohne Reinigung weiter umgesetzt werden, eine kleine Probe wird aus Ethanol umkristallisiert. Man bestimme den Schmelzpunkt des Reinprodukts 1a (Schmp. 182– 184 °C). 1 2 Versuch 6.2.3.1, Rev. 1.0 Warum verwendet man nicht NaOH? Was ist zu beobachten? 1 6. Oxidations-, Reduktions-Reaktionen www.ioc-praktikum.de Umsetzung von 1a zu n-Propylbenzol (1b) In einer Destillationsapparatur mit 500 ml-Destillationskolben, Magnetrührstab und 250 ml-Vorlagekolben werden im Destillationskolben 0.10 mol (19.1 g) Propiophenonsemicarbazon in 200 ml Diethylenglykol und 0.50 mol (28.1 g) festes Kaliumhydroxid vorgelegt. Unter Rühren wird der Destillationskolben mit einem elektrischen Heizmantel langsam erwärmt, bis ein Destillat übergeht. Man destilliert bis zu einer Übergangstemperatur von 200 °C und bricht dann die Reaktion ab (Destillationsrückstand → E2). Isolierung und Reinigung Das Destillat wird in einen mit 100 ml Wasser gefüllten Scheidetrichter gegossen, der Vorlagekolben mit 50 ml Cyclohexan nachgespült und die Cyclohexan-Lösung ebenfalls in den Scheidtrichter überführt. Man schüttelt gründlich durch, trennt die organische Phase ab und extrahiert die wässrige Phase noch zweimal mit je 50 ml Cyclohexan. Die organischen Phasen werden vereinigt, mit 50 ml Wasser gewaschen (wässrige Phase → E3) und anschließend über Natriumsulfat getrocknet. Nach dem Abtrennen vom Trockenmittel (Filterrückstand → E4) wird das Lösungsmittel am Rotationsverdampfer abdestilliert (Destillat → R1). Der Destillationsrückstand (Rohprodukt!) wird in einen 50 ml-Rundkolben überführt (mit etwas Cyclohexan nachwaschen) und in einer kleinen Destillationsapparatur mit tarierten Vorlagekölbchen bei vermindertem Druck fraktionierend destilliert, Destillationsprotokoll! Fraktionen mit gleichem Brechungsindex werden vereinigt, (Destillationsrückstand → E5), Ausbeute Reinprodukt? Ausbeute an 1b: 50– 65%, Sdp. 66–68 °C/20 hPa, nD20 =1.4915. Hinweise zur Entsorgung (E), Recycling (R) der Lösungsmittel E1: Wässriges Filtrat → Entsorgung (H2O mit RHal/Halogenid). E2: Destillationsrückstand (Diethylenglykol mit KOH) mit Salzsäure neutralisieren → Entsorgung (H2O mit RHal/Halogenid). E3: Wässrige Phasen → Entsorgung (H2O mit RH). E4: Trockenmittel → Entsorgung (Anorg. Feststoffe). E5: Destillationsrückstand in wenig Aceton lösen → Entsorgung (RH). R1: Abdestilliertes Lösungsmittel → Recycling (Cyclohexan). Versuch 6.2.3.1, Rev. 1.0 2 6. Oxidations-, Reduktions-Reaktionen www.ioc-praktikum.de Auswertung des Versuchs H-NMR-Spektrum von 1b (300 MHz, CDCl3): δ = 1.04 (3 H), 1.75 (2 H), 2.68 (2 H), 7.23–7.30 (3 H), 7.33– 7.40 (2 H). 8.0 7.0 6.0 5.0 4.0 3.0 2.0 319.3 Hz 312.0 Hz 304.6 Hz 540.7 Hz 533.3 Hz 525.8 Hz 518.1 Hz 510.8 Hz 503.4 Hz 811.5 Hz 804.0 Hz 796.2 Hz 1 1.0 [ppm] 0.0 C-NMR Spektrum von 1b (75.5 MHz, CDCl3): δ = 13.98 (CH3), 24.74 (CH2), 38.20 (CH2), 125.71 (CH), 128.31 (CH), 128.57 (CH), 142.78 (C). 13 130 150 140 130 120 125 110 100 90 LM 80 70 50 60 40 30 20 [ppm] 0 IR-Spektrum von 1b (Film): 100 T [%] 50 1605 3060 1495 3035 0 4000 1450 2875 745 2935 2970 3000 670 2000 1500 1000 ~ [cm-1] ν * Formulieren Sie den aus 1a zu 1b führenden Reaktionsmechanismus unter Heranziehung des Mechanismus der Wolff-Kishner-Reaktion. Versuch 6.2.3.1, Rev. 1.0 3 6. Oxidations-, Reduktions-Reaktionen www.ioc-praktikum.de Weitere denkbare Reaktionsprodukte: O NH2 H N N CH3 Ph A N NH2 CH3 Ph B N H N NH2 Ph C * Mit welchen spektroskopischen Daten lassen sich A–C ausschließen? * Diskutieren Sie die denkbaren Reaktionsmechanismen. Literatur, allgemeine Anwendbarkeit der Methode Variante der Wolf-Kishner-Reduktion. Siehe Einführung Kap. 6.2.3 und L.M. Harwood, C.M. Moody, Experimental Organic Chemistry, Blackwell Scientific Publications, Oxford 1989, S. 506–507. Die Clemmensen-Reduktion, die in stark salzsauren Lösungen durchgeführt wird, und die Wolf-KishnerReduktion in stark basischer Lösung komplementieren sich. Der Ersatz des problematischen Hydrazinhydrats durch Semicarbazid und die Umsetzung des intermediär isolierten Semicarbazons unter den Bedingungen der Huang-Minlon-Variante ist experimentell einfacher und sicherer. Versuch 6.2.3.1, Rev. 1.0 4
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